„Je m´appelle Bernadette“ – Das Wunder von Lourdes

Eine Filmkritik von Dr. José García

Es war der 11. Februar 1858, als der aus dem südfranzösischen Städtchen Lourdes stammenden, damals 14-jährigen Bernadette Soubirous an der Grotte von Massabielle eine „wunderschöne, weiß gekleidete Dame“ erschien. Bis zum 16. Juli 1858 folgten 17 weitere Marienerscheinungen. Heutzutage pilgern vier bis sechs Millionen Menschen jährlich zur Grotte und zur Quelle mit Heilkräften, die Bernadette während einer ihrer Visionen freilegte. Von den fast 7 000 Heilungen, die im medizinischen Büro seit seiner Gründung gemeldet wurden, hat die römisch-katholische Kirche bis heute 69 als Wunder anerkannt. Eine Auflistung der offiziell anerkannten Heilungen kann im Internet aufgerufen werden.


Franz Werfel widmete der inzwischen Heiliggesprochenen den Tatsachenroman „Das Lied von Bernadette“ (1941). Der österreichische Schriftsteller hatte die Geschichte von Bernadette im Sommer 1940 auf seiner Flucht vor den Nationalsozialisten kennengelernt und das Gelübde abgelegt, ein Buch über sie zu schreiben, wenn er die rettende Küste Amerikas erreiche: „Ich habe es gewagt, das Lied von Bernadette zu singen, obwohl ich kein Katholik bin, sondern Jude. Den Mut zu diesem Unternehmen gab mir ein weit älteres und viel unbewussteres Gelübde. Schon in den Tagen, da ich meine ersten Verse schrieb, hatte ich mir zugeschworen, immer und überall durch meine Schriften zu verherrlichen das göttliche Geheimnis und die menschliche Heiligkeit – des Zeitalters ungeachtet, das sich mit Spott, Ingrimm und Gleichgültigkeit abkehrt von diesen letzten Werten unseres Lebens.“ Auf der Grundlage von Werfels Buch entstand 1943 der gleichnamige Spielfilm von Henry King mit Jennifer Jones in der Hauptrolle. Jean Delannoy widmete Bernardette zwei Spielfilme: „Bernadette“ (1988) und „La passion de Bernadette“ (1989). Im Jahre 2011 verfilmte Jean Sagols Bernadettes Geschichte neu. „Das Wunder von Lourdes“ („Je m´appelle Bernadette“) startet am 11. Dezember in einigen deutschen Kinos.

Nach einem kurzen Prolog in Nevers am 25. Oktober 1866, als Bernadette (Katia Miran) scheinbar mit dem Tode ringt, und ihr nur deshalb die Aufnahme in den Orden der Barmherzigen Schwestern gewährt wird, macht der Film einen Sprung ins Jahr 1858 zurück. In seinem Kern beschäftigen sich Drehbuchautor Serge Lascar und Regisseur Jean Sagols mit der Überwindung der Bedenken der weltlichen und der kirchlichen Obrigkeit gegen die Muttergottes-Erscheinungen. Als eine Art neutraler Zeuge führt der Film einen Journalisten aus Paris namens Prévot (Gilles Lemaire) ein, der über die Erscheinungen und deren Wahrheitsgehalt in seinem Blatt berichten soll.

Anfangs stößt Bernadette auf Unglauben. In einer eher vom Rationalismus als vom Glauben geprägten Zeit sind sowohl der Arzt Docteur Dozous (Alain Doutey) als auch der Polizeichef Jacomet (Francis Perrin) davon überzeugt, dass das Mädchen halluziniert. Zwar zeigt sich der junge Kaplan Abbé Pomian (Arsene Mosca) geneigt, ihr Glauben zu schenken. Aber der Pfarrer Peyramale (Michel Aumont) fürchtet die Konfrontation mit dem Staat. Erst als Bernadette in der Grotte eine Quelle auf Geheiß der „Dame“ gefunden, und sich dort ein Mann mittleren Alters mit deren Wasser das unheilbar kranke, blinde Auge gewaschen hat, woraufhin er mit beiden Augen wieder sehen kann, überzeugt sich der Arzt von der Richtigkeit der Erscheinungen. Er schlägt sich auf Bernadettes Seite.

Der Bischof Forcade (Rufus) verlangt „stich- und hiebfeste Beweise“. Deshalb weist der Pfarrer das Mädchen an, die Dame nach ihrem Namen zu fragen. Als Bernadette beim 16. Treffen von ihr die Worte vernimmt: „Que soy era Immaculada Councepciou“ (okzitanische Mundart für „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“), ist Abbé Peyramale zutiefst erschüttert. Denn das einfache, des Lesens und Schreibens unkundige Mädchen, das auf dem Weg zum Pfarrer die Worte immer wieder wiederholt, weil sie deren Sinn nicht versteht, weiß offensichtlich nicht, dass Pius XI. am 8. Dezember 1854 das Dogma der „Unbefleckten Empfängnis“ oder der „ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ verkündet hatte. Von dem Augenblick an verwendet sich Abbé Peyramale beim Bischof für sie. Es folgen Befragungen und Versuche seitens des Präfekten Dutour (Francis Huster), den immer zahlreicher werdenden Pilgern den Zugang zur Grotte zu verwehren. Das Leben Bernadettes im Kloster Saint-Gildard der Barmherzigen Schwestern in Nevers bildet eine Art Epilog im Film.

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Regisseur Jean Sagols inszeniert „Das Wunder von Lourdes“ aufwändig. Das Produktionsdesign von Augusto Meyer und die Kameraführung von Bernard Malaisy geben dem Film eine ansprechende visuelle Umsetzung. Die Entscheidung, die Erscheinungen direkt zu zeigen, dazu auch noch mit bedeutungsschwerer Musik unterlegt, wirkt allerdings wenig überzeugend, ja sogar kitschig. Auch die Dramaturgie hat einen deutlich apologetischen Charakter: Alle Gegner, die sich nicht bekehren lassen – der Präfekt und der Polizeichef – erscheinen verblendet, verstockt, oder sie verfolgen eigene Interessen. Selbst beim Journalisten Prévot, der eine neutrale Stellung hätte einnehmen können, stellt sich ein persönliches Interesse heraus, die Erscheinungen als echt anzusehen. Deshalb wird der Film kaum Agnostiker überzeugen können. Gläubigen Katholiken bringt er allerdings Bernadettes Geschichte anschaulich nahe.

„Das Wunder von Lourdes“ („Je m´appelle Bernadette“) wird nur am Sonntag, den 11. Dezember, in mehreren deutschen Kinos gezeigt.

Quelle: http://www.textezumfilm.de

Filmische Qualität:    4,5/5
Regie: Jean Sagols
Darsteller: Katia Miran, Michel Aumont, Francis Huster, Francis Perrin, Alessandra Martines, Alain Doutey
Land, Jahr: Frankreich 2011
Laufzeit: 109 Minuten
Genre: Historische Filme
Publikum:
Einschränkungen:
im Kino: 12/2016
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Ein Gedanke zu “„Je m´appelle Bernadette“ – Das Wunder von Lourdes

  1. Schöne Rezension. Danke.
    Mir persönlich gefällt ja die Verfilmung dieses Themas von Lodovico Gasparini aus dem Jahr 2001 am besten. Gerade auch wegen der grandiosen Doppelrolle von Alessandro Gassman, die das Lourdes-Thema in die Gegenwart transportiert. und Angèle Osinski stellt die hl. Bernadette bei aller äußerer Zartheit und Zerbrechlichkeit als innerlich sehr starke junge Frau dar. https://www.youtube.com/watch?v=ObzQcVpEX1E

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