Kleider machen Leute: Denn du bist, was du trägst

Zurzeit wird viel über die Frage diskutiert, ob die Kirche an ihrer Sprache kaputtgehe. Man solle anders auftreten und reden. Als ob Jesus nicht selbst einer gewesen wäre, der unverständlich und schwer zu verstehen war. Jesu Unterweisungen waren fast immer eine Fremdsprache für seine Schüler. Es geht nicht um die Sprache, sondern um die Kleidung. Ein Beispiel der Absonderung ist vor allem die Priesterkleidung. Sie soll die Sonderstellung, die die Weihe verleiht unterstreichen. Bischöfe und Priester sollen sich bewusst nicht wie Kumpel an der Theke geben. Doch passt Absonderung in eine demokratische Gesellschaft?

von Josef Jung

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Soutane Kollar und Karo-Pullover

Wer meint Kleidungsfragen seien irrelevant, war noch nie in einem Priesterseminar. Dogmatik? Pastoraltheologie? Alles sekundär. Wichtig ist, wer Kollar trägt und wer meint, die Weihegnade brauche keine textile Ausdrucksform. Kleider machen Leute. Kleider können integrieren, isolieren wie auch die eigene Persönlichkeit ausdrücken. Die katholische Theologie legte besonders im 19. Jahrhundert wert darauf, dass sich der Priester über seine Sonderstellung bewusst wird, dass er den „ontologischen“ Unterschied, den die Weihe verleiht – er ist dann Kleriker im Gegensatz zu Laien – auch mit seiner Kleidung ausdrückt. Der Patron des Antimodernismus, der hl. Pius X., formulierte dementsprechend: „Trage die Soutane und die Soutane trägt dich.“ Durch Kleidung ist über Generationen die kirchlich gewollte Sonderstellung der Priester zementiert und verstärkt worden.

Erst durch die zunehmende Modernisierung und Demokratisierung der Gesellschaft seit den 60er Jahren wollten die Priester diese stoffliche Unterscheidung nicht mehr mitmachen. „Alle Menschen werden Brüder“, keine Standeskleidung mehr, keine Sonderstellung, keine Absonderung. Mitunter gab es jedoch eine neue Priestermode, die sich dadurch auszeichnete, besonders eigenwillige Karomuster zu tragen. In diese Zeit fällt auch ein Kleidungsumbruch be den Laien. Der Anzug bei den Männern und das Kleid bei den Frauen wurden unpopulär. Sie erhielten gleicheitig den Ruf des Überholten, sie würden überkommene Rollen- und Gesellschaftsbilder repräsentieren, sodass man diese Kleidung aus politischen Gründen schon nicht mehr tragen dürfe. Kleidung ist damit Bekenntnisfrage. Noch heute erkennt man gewisse kirchliche Gruppen an ihrer Kleidung. Ob es um Form und Farbe der Brille oder um Hemden, Röcke und Hosen geht. Je mehr sich eine Gruppe gesinnungsethisch aufgeladen hat, je mehr drückt die Kleidung das aus.

Der Weg zum Business-Look

Doch auch dieser eigenwillige Kleidungsstil ist bei der neuen Generation weitgehend gebannt.  Man will als Priester nicht auffallen – im negativen Sinn – sondern sich an der Mode orientieren. Auch kirchliche Laien wollen nicht durch Modesünden auffallen. Wer mag schon anhand seiner skurrilen Antimode erkannt werden wollen? Heute gilt der Business-Style als Vorbild. Es gilt irgendwie cool, locker, offen, aber gleichzeitig auch seriös und intelligent aufzutreten.

Priester wie Laien bedienen sich in Kleiderfragen beim Business- und Managermilieu. Priester wollen nicht T-Shirt oder Soutane Soutane tragen aber auch nicht den Ruf eines „Krawattenpriesters“ erhalten; Kollar dann, wenn es „cool“ wirken kann, sonst Business-Look. Es wird Hugo Boss und Tommy Hilfinger getragen. Sieht man sich eher „gesellschaftskritisch“ geht vielleicht auch C&A. Sakko und Hemd in Kombination gilt aus seriös und cool. Bei den Frauen ist ein stärkerer Trend hin zu Röcken und Kleidern zu erkennen. Die alten 68er Kämpfe sind vorbei. Die Mode besiegt die politischen Kämpfe.

Die Kleiderfrage symbolisiert die Identitäskrise

Nach dem evangelischen Theologen Rudolf Bultmann ist Jesus ins Kerygma, in die Verkündigung auferstanden. Da Inhalte jedoch immer unklarer und unsicherer werden, wird Kleidung als Kompensation immer wichtiger. Wer sich gut kleidet und stylt, wird entsprechend geachtet und kannn inhaltliche Mängel verstecken.

Um zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Passt Absonderung in eine demokratische Gesellschaft? Diese Frage wird vor allem von älteren Priestern eher verneint, weshalb man sich bewusst nicht durch die Kleidung von anderen unterscheiden will. Integration gilt als hohes Ziel. Unter den Jüngeren hingegen gibt es viele, die – auch textile –  Unterscheidungslosigkeit als Verflachung werten. Sie wollen durch das Tragen von Kollarhemden und Soutane wieder „klare Kante“ und „Profil“ zeigen. In der Betonung der Differenz wird ein Ausdruck der Katechese gesehen. Ob man durch Kleidung jedoch eine Identitätskrise verbergen kann, ist zweifelhaft. Bei den Laien war die Frage der Absonderung nie ein besonderes Problem. Denn Kleidung dient dort nicht zum Erkennungszeichen, das etwa die „Taufgnade“ ausdrücken soll.

Kleider und Worte in den Dienst stellen

Letztlich ist egal, was die konkrete Kleidung ist und welche „Sprache“ genau benutzt wird. Das Auftreten und die Rhetorik muss vom Ziel bestimmt werden und dieses hat Jesus denen, die er in den Dienst berufen hat, klar gemacht: „Geht hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen“! (Mk 16, 15). Ist das nun eine verständliche Sprache, die man an der Theke spricht? Ist das ein Auftrag, Soutane oder Hemd zu tragen? Wenn man nun auf den Auftrag sieht, merkt man, wie diese Fragen verblassen und schließlich keine Rolle mehr spielen.

Der Artikel von Josef Jung erschien auf hinsehen.net und darf mit freundlicher Genehmigung des Autores hier veröffentlicht werden.
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3 Gedanken zu “Kleider machen Leute: Denn du bist, was du trägst

  1. Nepomuk

    >>Doch passt Absonderung in eine demokratische Gesellschaft?

    Nein. So much the worse for the demokratische Gesellschaft.

    [Ich vereinfache. Was ich, völlig präzisiert, sagen will, ist:
    „Darüber könnte man jetzt lang und breit diskutieren, von A wie Amtsbezeichnung über G wie Gleichheit bis Z wie Zwiebelschalenprinzip; jedenfalls gibt es immerhin unbestreitbar einen im Demokratischen gelegenen Wesenszug, der der Absonderung wiederstrebt; aaaber das eigentlich wichtige ist doch dies: Nehmen wir einmal an daß nicht. Was wäre dann zu sagen? Dann wäre zu sagen: So much the worse for the demokratische Gesellschaft.“]

    >>Nach dem evangelischen Theologen Rudolf Bultmann ist Jesus ins Kerygma, in die Verkündigung auferstanden.

    Was hat das jetzt hier verloren? Uns ist doch eh allen klar, daß Bultmann Unrecht hat. (Und da schließe ich die Ungläubigen mit ein – die glauben nicht an die Auferstehung, aber auch die würden eher noch glauben, daß unser Heiland wirklich auferstanden ist, als das es so einen Krampf wie eine Auferstehung ins Kerygma geben soll.)

    Und was will der Autor hier eigentlich sagen? (Und ja… das These-Antithese-Synthese-Schema, mit dem für eine Synthese schulmäßig besonders beliebten „is egal“ als Lösung, habe ich schon erkannt… Frechheit bitte verzeihen…)

    >>Wenn man nun auf den Auftrag sieht, merkt man, wie diese Fragen verblassen und schließlich keine Rolle mehr spielen.

    Die Einhaltung der einschlägigen Dienstvorschriften aber vielleicht schon noch^^

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  2. Dominik

    Ich möchte dem Autor hiermit dringendst empfehlen, seine Artikel in Zukunft Korrektur zu lesen. Darüber hinaus kann ich mich nur meinem Vorredner anschließen.

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  3. Lukas

    Schade! Der Aufsatz birgt viel Potenzial, bleibt aber erschreckend oberflächlich und ungenau. Es wäre dem Autor zu wünschen, sich mehr in die theologischen Felder von Kirchengeschichte und Dogmatik einzuarbeiten und erst dann (!) Implikationen pastoraltheologischer Art zu benennen. So bleibt der Ansatz gelungen, die Ausführung aber nur mangelhaft….

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