Let’s talk about Sex oder warum Papst Franziskus Seelen rettet!

(TheCathwalk.net) Nicht Papst Franziskus, sondern der Hl. Johannes Paul II. war der große Revolutionär, der der Kirche eine neue Sicht auf die Sexualität des Menschen geschenkt hat!
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Papst Johannes Paul II. umarmt den damaligen Kardinal Jorge Mario Bergoglio

Ein Kommentar von Benjamin Kalkum und Friedrich Reusch.

Vieles ist in den letzten Tagen geschrieben worden über Sex-Besessenheit und Moraltheologie, über das ewige Rom und das geistige Wittenberg, über Rigidität und Frigidität. Über was sich die verschiedenen Kommentatoren aber nicht einig waren, das war die Weise, wie wir Sexualität in unseren Diskussionen überhaupt wahrnehmen, definieren, in das Gesamtdasein des Menschen kontextualisieren.

Wir möchten deshalb einen Ausgangspunkt für die theologische Betrachtung in Erinnerung rufen, die aus der Theologie des Leibes des Hl. Johannes Paul II. stammt, der von vielen, die jetzt auf Papst Franziskus einprügeln, auch gerne „der Große“ genannt wird.

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„Tinder“ und der Tod der Romantik

Dating im Digitalen Zeitalter: Wie junge Menschen mit Apps versuchen, echte Liebe zu finden – oder auch nur ein schnelles Abenteuer

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46 Millionen Deutsche nutzten im Januar 2015 ein Smartphone. 2009 waren es gerade mal 6 Millionen. Foto: Tony Hasgill via Flickr (CC-BY SA 2.0)

Junge Singles sind zu sehr damit beschäftigt, nach links und rechts über ihr Handy zu wischen und oberflächliche, vorübergehende Verbindungen aufzubauen, um echte Liebe mit echten Menschen zu finden. Die Romantik sei tot, behauptete die Autorin Nancy Jo Sales.

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Die Zukunft hängt an der Liebe

Leiblichkeit und Sexualität – Teil 1

von Georg Dietlein

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„Betthütermoral“ – „Schlafzimmerkontrolle“ – nicht mehr zeitgemäß – lebensfern und rückschrittlich – all dies sind Vokabeln, die immer wieder mit Blick auf die Sexualmoral der katholischen Kirche fallen.

„Betthütermoral“ – „Schlafzimmerkontrolle“ – nicht mehr zeitgemäß – lebensfern und rückschrittlich – all dies sind Vokabeln, die immer wieder mit Blick auf die Sexualmoral der katholischen Kirche fallen. Menschen in einer zweiten zivilen Ehe („wiederverheiratete Geschiedene“), künstliche Verhütung, Geschlechtsverkehr vor bzw. außerhalb einer zivilen oder kirchlichen Ehe, „alternative“ Sexualpraktiken, offen und ganz bewusst ausgelebte Homosexualität – alles dies sind doch ganz alltägliche und vor allem normale Zustände in Deutschland – so denken viele. Was hat mir da die Kirche mit ihrer „verstaubten“ Sexualmoral zu geben?

Es wäre ziemlich töricht, diese Frage, die der katholischen Kirche ja täglich gestellt wird, mit einer Liste von Ge- und Verboten zu beantworten – oder aber haarscharf abgrenzen zu wollen, was denn nun davon lässliche oder schwere Sünde ist. Aus pastoraler Sicht wäre dies zumindest eine verpasste, wenn nicht die letzte verpasste Chance. So wichtig und wesentlich das Wort „Wahrheit“ ist: Jesus Christus hat seine Kirche nicht dazu berufen, irgendeine abstrakte Wahrheit in die Welt zu rufen, die in Glaubens- und Moralsätzen schriftlich festgehalten wurde. Vielmehr soll die Kirche die persönlichste aller Wahrheiten in die Welt tragen, nämlich Jesus Christus selbst, der Wahrheit in Liebe und Liebe in Wahrheit ist. In erster Linie ist die Kirche daher auch weder Moralapostel noch Moralanstalt. Sie soll den Menschen näher zu Christus bringen, ihn mit Christus bekannt und vertraut machen, ihn in die Freundschaft mit ihm einführen. Alles andere – auch die Moral der Kirche – sind letztlich Konsequenzen dieser Freundschaft mit dem Herrn. Das Handeln folgt aus dem gelebten Glauben: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“ (Joh 14, 15).

Worum es eigentlich geht

Wie soll die Kirche nun mit Christen umgehen, die die Lehre der Kirche zwar kennen, aber nicht danach leben? – In erster Linie sollte sie Orientierung geben – und dabei auch Sünder nicht verurteilen. Freilich gehört zur Orientierung auch einmal das klare Wort, wie der Umgang Jesu mit der Ehebrecherin zeigt: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ (Joh 8, 11) Zunächst geht es aber darum, für echte Werte wie Liebe, Treue, Glück, Partnerschaft, Ehe und Familie zu sensibilisieren. Vom heiligen Franz von Sales stammt der Satz: „Gott sieht nicht so sehr darauf, was geschieht, sondern auf die Art, wie es geschieht.“ Für ihn zählt die wahre, echte und treue Liebe.

In der Regel kommen junge Menschen von selbst darauf, dass es diese wahre, echte und treue Liebe ist, um die es im Leben geht. Spätestens nach der ersten gescheiterten Beziehung oder nach der ersten betrogenen Liebe stehen beide oder zumindest einer der Partner vor der Frage: Wie finde ich Glück und Erfüllung in meinem Leben? Geht es wirklich nur um Sexualität? Was bedeutet Treue? Lebe ich eigentlich nur mich selbst – oder bin ich bereit, mich „ein für allemal“, ein Leben lang an eine Person zu verschenken? Welche Bedeutung spielen Kinder für mich? Bin ich bereit, meine Liebe fruchtbar werden zu lassen und meine Beziehung für neues Leben zu öffnen?

Die Kirche hat viel zu bieten – gerade jungen Menschen, die Glück und Erfüllung suchen, die auf „die Liebe fürs Leben“ aus sind. Und gerade darum ist die kirchliche Moral nicht negativ und unzeitgemäß, sondern positiv und nach wie vor aktuell – wenn auch durchaus anspruchsvoll. Die Kirche mutet dem Menschen viel zu, weil sie ihm viel zutraut. Und sie traut ihm viel zu, weil Gott ihm viel zutraut, der ihn als sein Abbild erschaffen hat. Der Mensch ist dazu fähig, sich einmal nicht in den Vordergrund zu stellen, sondern sich ein Leben lang treu an eine Person zu verschenken und mit ihr das „Abenteuer Leben“ zu wagen – in jeder Hinsicht. Wenn junge Menschen diesen positiven Blick der Kirche auf die menschliche Geschlechtlichkeit verstanden haben, bedarf das sechste Gebot gar keiner Erläuterung mehr. Dann geschieht alles aus reiner Liebe und nichts aus Zwang.

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Sühnenacht-Hopper, biedermeierliche Götzen und der Nerz der Nachbarin

Dr. Jörg Müller erläutert das „Cathwalk-Syndrom“, Teil 1

Die Nachbarin geht doch nur in die Kirche, um ihren neuen Mantel zu zeigen“, dies ist laut dem Psycho-Pater Jörg Müller „ein einfaches, aber typisches Beispiel für eine Unterstellung, die vielleicht den Wunsch des so Redenden offenbart, selber einen solchen Mantel zu besitzen und zu zeigen.“

Eine Cathwalk-Rezension in zwei Teilen von Friedrich Reusch

Um die Auseinandersetzungen um das Onlinemagazin thecathwalk.net zu verstehen, genügt es nicht, rein theologische Deutungsmuster zu bemühen. Zu verschroben und psychotisch war da so manches in den Kommentaren, was speziell im Zusammenhang mit den Beiträgen von Dr. Maximilian Krah und Kristina Ballova in den Netz-Äther gepumpt wurde. Warum wirkt gerade ein Portal, welches nichts anderem als der gesellschaftlichen Emanzipation der Katholiken dienen will, so provokant, dass es dermaßen sauer aufstößt, sodass sich nicht etwa ein abgeklärtes „Ihr-seid-eben-hip-ich-bin-eben-uncool“, sondern geradezu ein hasserfüllter Groll entlädt gegen jene, die im katholischen Glauben eine ganzheitlich-lebensbejahende Realität sehen?

Jörg Müller ist nicht nur Pallotinerpater in Freising, sondern auch Psychotherapeut. In seinem Buch „Gott ist anders – Das Leiden an falschen Gottesvorstellungen. Wege zur Heilung“ macht er Schluss mit falschen Gottesbildern und räumt mit so manch krudem Frömmigkeitswahn auf, der der Cathwalk-Redaktion auch leidvoll vertraut ist.

Der christlich sozialisierte Mensch befindet sich laut Müller oftmals in einem Dilemma: „Je puritanischer das Milieu ist, in dem er aufwächst, desto enger fallen die Reglementierungen und sozialen Verhaltensmuster aus. Leider hat die christliche Erziehung all zulange mit übertriebenen moralischen Forderungen die Psyche des Menschen eingeengt und ihrer natürlichen Expansion (Originalität, Kreativität) beraubt.“ Und tatsächlich: Die Zeiten, in denen ein Michelangelo oder ein Sandro Botticelli Zeitloses schufen, waren unbestreitbar katholisch, aber dennoch erstaunlich libertär.

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Schön und gut

Eine philosophisch-theologische Reflexion zur Bischofssynode 2015

In seinem vor drei Wochen erschienenen Cathwalk-Interview sagte Dr. Maximilan Krah einen interessanten Satz, der mich zum Nachdenken brachte: „Die katholische Lehre assoziiert das Gute mit dem Schönen.“ Um das „Gute“ wird auf der Bischofssynode gerade schwer gerungen. Wenn das Gute und das Schöne aber ja zusammengehören, dann müsste die katholische Lehre von Ehe und Sexualität am Ende vor allem eines sein: schön!

Benjamin Kalkum hat in Bonn Theologie studiert. Er hat danach sowohl in einer Werbeagentur gearbeitet als auch als Priesterkandidat in einer Gemeinde. Er findet, dass die Kirche das Evangelium zu leise und zu schlecht verkündet. Zur Zeit arbeitet er als Journalist in Budapest und denkt darüber nach, was man anders machen könnte.
Benjamin Kalkum hat in Bonn Theologie studiert. Er hat danach sowohl in einer Werbeagentur gearbeitet als auch als Priesterkandidat in einer Gemeinde. Er findet, dass die Kirche das Evangelium zu leise und zu schlecht verkündet. Zur Zeit arbeitet er als Journalist in Budapest und denkt darüber nach, was man anders machen könnte.

von Benjamin Kalkum

Im Alltag sind das Schöne und das Gute intuitiv assoziiert. Schöne Menschen werden u.a. für ehrlicher gehalten. Und nicht ohne Grund werden die Sprüche in sozialen Netzwerken immer mit einem schönen Hintergrundbild gepostet. Oder warum stecken Unternehmen tausende von Euros in gutes Design und die Qualität ihrer Druckerzeugnisse? Schönheit schafft nicht nur Aufmerksamkeit, sondern die Aussagen erscheinen wahrer. Man glaubt sie leichter. Das hat wohl etwas mit der Verarbeitungsflüssigkeit  zu tun, schöne Dinge kann unser Gehirn einfach leichter verarbeiten.

Vielleicht haben die Mitglieder des deutschsprachigen Arbeitsgruppe auf der Bischofssynode in der ersten Zusammenfassung ihrer Ergebnisse  deshalb angeregt, „am Beginn des ersten Kapitels einen Abschnitt einzufügen, der die Schönheit der Ehe und den Auftrag der Ehen und Familien umschreibt“. Bei der Redaktion des Gesamtdokuments solle hingegen „eine negativ abgrenzende und normativ verurteilende Sprache [..] (forensischer Stil)“ vermieden werden, zugunsten einer „positive[n], die christliche Position entfaltende[n] Sprache, die damit implizit zur Sprache bringt, welche Positionen christlich inkompatibel sind.“
Die FAZ reagierte mit einer ungewöhnlich scharfen Polemik  auf dieses allzu durchschaubare Manöver, bloß niemandem wehtun zu müssen. Denn „de gustibus non est disputandum“, über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten – und so scheint die Konzentration auf das Schöne und Positive sich als billiger Kompromissweg anzubieten.

Oder kann es vielleicht doch mehr sein?

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„Wie muss die Sexualität gelebt werden, dass sie den Menschen glücklich macht?“

Mareike Sornek über das Apostolat 2.0, Theologie des Leibes und wahre Schönheit im Gespräch mit The Cathwalk

CW: Liebe Mareike, beim Wort „Apostolat“ denken viele Katholiken an Bücherstände in Fußgängerzonen, bei denen man dann mit den Zeugen Jehovas verwechselt wird – ist die persönliche Kontaktaufnahme zu den Menschen nicht mehr zeitgemäß?

Mareike Sornek, Jahrgang 1987, Religionspädagogin, ist in der Jugend- und Studentenpastoral tätig. Journalistische Erfahrung hat sie auf verschiedenen Blogs und im You!-Magazin gesammelt. Ein Spezialgebiet von ihr ist die Lehre von der „Theologie des Leibes“.
Mareike Sornek, Jahrgang 1987, Religionspädagogin, ist in der Jugend- und Studentenpastoral tätig. Journalistische Erfahrung hat sie auf verschiedenen Blogs und im You!-Magazin gesammelt. Ein Spezialgebiet von ihr ist die Lehre von der „Theologie des Leibes“.

Das Internet ist wichtig, keine Frage. Aber ich denke dennoch, dass der persönliche Kontakt ebenfalls wichtig ist und immer zeitgemäß bleibt. Es hat ja einen Grund, warum es keine Online-Kirche gibt. Den Glauben längerfristig leben, das geht nicht virtuell. Es braucht ein Leben in der realen Welt, die Begegnung mit Menschen, die Gemeinschaft, die Messe etc. Es ist anders, wenn man Menschen persönlich begegnet als im Internet und so denke ich auch, dass auch die Mission, wie z.B. auf der Straße, echt wichtig ist und Menschen berühren kann. Allerdings gibt es verschiedene Arten, Menschen zu begegnen. Ich persönlich bin nicht so der Typ, der einfach auf fremde Leute zugeht und sie direkt mit der Frage nach Gott konfrontiert. Lieber mag ich es, wenn ich die Menschen erst einmal auf eine lockere Art kennenlerne, wie durch Sport, Musik oder sonstige Aktivitäten, und mit ihnen dann in ein Gespräch über Gott komme. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, dass sich die Menschen erst einmal angenommen und wohl fühlen, bevor man wirklich tief über den Glauben sprechen kann.

Aber ich verurteile auch andere „Missionswege“ bzw. Wege des Apostolats nicht. Ich glaube, dass es stark davon abhängt, was man persönlich für ein Typ ist. Manche können das eine, manche das andere besser. Und auch mag das eine bei einer Person gut ankommen, bei einer anderen Person eher das andere. Während sich die einen durch persönliche Gespräche berühren lassen, können andere vielleicht eher übers Internet erreicht werden. Es ist halt voll verschieden. Selbst mit Hausbesuchen, wie es die Zeugen Jehovas machen, kann man manchmal echt Menschen erreichen, auch wenn ich den Glauben der Zeugen Jehovas selbst natürlich ablehne. Aber es gibt auch Katholiken, die Hausbesuche machen und echt schöne Erlebnisse zu berichten wissen.

CW: Wie kamst Du auf die Idee zum Video „Pornografie, Fifty Shades of Grey & die wahre Liebe“? Gab es besondere Reaktionen hierauf?

Ja, es gab viele Reaktionen darauf, die alle positiv waren, was mich sehr gefreut hat.

Den Poetry Slam – Beitrag hatte ich bereits vor ein paar Jahren für das You!-Magazin geschrieben, wo er auch erschienen ist. Mir ist dann später die Idee gekommen, ihn zu filmen, da ich oft Blogs zum Thema Liebe und Sexualität schreibe und mal etwas anderes machen wollte. Und eigentlich ist ein Poetry Slam – Beitrag auch eher dafür gemacht, ihn zu hören und nicht zu lesen.

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