WIR haben #SineDubiis unterschrieben, weil…

sinedubiis

Am vergangen Samstag hat The Cathwalk den Weckruf für 2017: „#SineDubiis – Wir gehen mit Papst Franziskus“ veröffentlicht. Die Initiatoren möchten sich bei all denjenigen bedanken, die uns durch Ihrer Unterschrift unterstützt und so ein wichtiges Zeichen in einer Zeit gesetzt haben, in der viele denken, „katholisch“ gehe auch ohne das vorgeschaltete „römisch“.

Unser Manifest hat ans Licht gebracht, wie fortgeschritten die im Weckruf genannten Symptome sind. Die Diskussion um #SineDubiis hat sehr deutlich gezeigt, dass – und wir übertreiben nicht, wenn wir dies sagen –, gerade bei den betont frommen Katholiken momentan eine Erosion des Glaubens stattfindet – eine Erosion des Glaubens an die hierarchische Verfasstheit der Kirche!

Unser Weckruf sollte ein kleines, aber nicht zu überhörendes Zeichen sein gegen die papstfeindlichen Schürer im Hintergrund. Ob wir effektiv gegensteuern können? Wir wissen es nicht. Aber es geht um nicht weniger als um die Aufrechterhaltung des Glaubens unter denjenigen, die sich als gläubig bezeichnen. Pharisäismus und Argwohn sind eine Pest.

Die Initiatoren Matthias Jean-Marie Schäppi & Friedrich Reusch (Chefredaktion The Cathwalk)

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Italien: das kleine, gallische Dorf der Esskultur

Kulturimperialismus findet auch auf dem kulinarischen Feld statt. Dort widersetzt sich der italienische David tapfer dem amerikanischen Goliath der Globalisierung. Ein paar Gedanken darüber, wie Amerika und Rom sich gleichen – und weshalb die USA scheitern (werden).

von Marco F. Gallina

Pasta and fresh vegetables
Quelle: http://www.mein-italien.info

Wer Imperien verstehen will, muss Rom begreifen. Die eigentliche Macht Roms bestand nicht im Militär, sondern im Licht seiner Kultur. Als Rom seinen Rivalen Karthago unterwarf, war es der Hegemon des Mittelmeers geworden; aber erst, da Rom das östliche Mittelmeer erobert hatte, war es eine Weltmacht. Der Vorgänger der römischen Weltmacht bildet die alexandrinische Weltmacht, die jedoch schnell zerfiel. Was von Alexander dem Großen blieb, waren die griechischen Teilreiche, in denen die griechischen Eliten das Heft in der Hand hatten und die griechische Kultur und Sprache verbreiteten – noch im Römischen Reich galt Griechisch als Amtssprache des Ostens.

Diese Hellenisierung beendete erst die Romanisierung. Die Römer übernahmen auch Teile der griechischen Kultur, keine Frage; dennoch erfolgte hier eine Zäsur, in dessen Folge Rom unangefochten für 400 Jahre den Status einer antiken Weltmacht hatte. Umliegende Völker wurden romanisiert, obwohl sie offiziell nicht zum Reich gehörten. Selbst die Germanen, die in Deutschland noch immer als Widerständler dargestellt werden, waren eher Verbündete denn Feinde. Im regen Handelsaustausch übernahmen tributpflichtige Nachbarn und die Vertreter von Klientelstaaten die römische Kultur. Die Romanisierung war damit Zeichen eines „weichen Imperialismus“.

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No salvation without transubstansiation

Warum wir 2017 gerade als Katholiken 500 Jahre Reformation mitfeiern sollten

Zoon katholikon – die Kolumne von Klemens Stenzel
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No salvation without transubstansiation

Der Reformation danken? Luther danken? Für die Spaltung der Kirche?

Sicherlich nicht, aber ganz sicher dafür, daß die Reformation zu so wunderbaren Dingen wie der Blüte des Jesuitenordens, dem Barock und dem Konzil von Trient geführt hat.
Keine Frage, vieles in der Kirche lag im Argen, eine Reformation, wie auch ursprünglich von Luther angedacht, war notwendig. Aber sicherlich nicht der Bruch mit Rom.
Dennoch verdanken wir Luther mit seiner Theologie, daß die katholische Lehre sich noch stärker herauskristallisiert hat und uns somit diesen wunderbaren, freien und kulturell so unschlagbar schönen Glauben beschert hat.
Freier Wille, Gutes Werk, Exzegese statt Hermeneutik, kulturelle Vielfalt durch Synkretismus und der Glaube daran, daß Schönheit kein Laster und keine Sünde, sondern Ausdruck der Agape sein kann und soll, all dies wäre in seiner so starken Form nicht ohne Luther möglich gewesen.
Der Westfälische Frieden führte zudem weiter dazu, daß sich die regionale Vielfalt durch den Katalysator der Religion in ungeahnter Form entfalten konnte, die innkirchlichen Reformen die Pracht einer katholischen Messe endgültig etablierten, die Wissenschaft und der Erkundungsdrang durch die SJ neue Blüten trieb und Rom sich wieder den Menschen zuwandte, wieder zur Mutter Kirche wurde.
All dies verdanken wir diesem abgekehrten Mönch, der jenen eine Heimat gab, die sich lieber stur und wortwörtlich rein an den Evangelien halten wollten, sich dem vermeintlichen Schicksal lieber ergeben, statt die Freude über das Geschenk des freien Willens zelebrieren, Ikonoklasmus statt Renaissance lebten und zudem jenen Puritanismus wieder in die Welt brachten, der uns bis heute von radikalen christlichen und linken Kräften all das verwehren möchte, was der Herr doch so wunderbar erschaffen hat: Wein, Weib und Gesang.
Nun ja, sei es den Augsburgern und Helvetischen Glaubensbrüdern vergönnt, mögen sie weiterhin leben um zu arbeiten, wir Papisten werden weiterhin lieber lebensfroh lieber arbeiten um zu leben, ihnen nächstes Jahr alles Gute wünschen und dem Herrn dafür danken, dass wir statt Margot Käßmann Papst Franziskus den unseren nennen dürfen! Darauf ein Glaserl Meßwein und auch darauf, daß wir weiterhin humorvoll nebeneinander leben können, ohne erzwungenes Miteinander, einander neckend, aber in ernsten Dingen durch fides und caritas vereint!

Franziskus empfängt Miss Germany

Schönheitskönigin Lena Bröder erhält Privataudienz beim Papst – Die amtierende "Miss Germany" Lena Bröder bekommt eine Audienz beim Papst. "Es geht für mich ein Lebenstraum in Erfüllung. Den Papst zu sprechen, war schon immer mein Wunsch", sagte die katholische Religionslehrerin der Deutschen Presse-Agentur. Der ganze Artikel hier.

 

 

 

Piusbruderschaft: „Augenblick scheint gekommen zu sein, die Lage zu normalisieren“

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Will die baldige Einigung seiner Piusbruderschaft mit Rom: der ehemalige Generalobere Pater Franz Schmidberger

VATIKAN/ZAITZKOFEN (The Cathwalk). – Internes Dokument (siehe unten) vom Februar 2016 zeigt klar, dass die Piusbruderschaft bereit und offen ist „aus dem Exil“ in den Schoß der Heiligen Mutter Kirche zurückzukehren. Das Schreiben mit den Überlegungen zur Stellung der Priesterbruderschaft St. Pius X. der Kirche gegenüber stammt aus der Feder von Pater Franz Schmidberger, Regens des Priesterseminars St. Herz-Jesu in Zaitzkofen bei Schierling.

Noch vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass wieder Bewegung in das festgefahrene Verhältnis zwischen dem Vatikan und den Piusbrüdern gekommen war. Zum ersten Mal traf sich Papst Franziskus zu einem Gespräch mit dem Oberen der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. (FSSPX), Bernard Fellay. Über Dauer, Verlauf und Ergebnis der Begegnung im vatikanischen Gästehaus Santa Marta machte das Presseamt keine Angaben. Aber die Audienz selbst zeigte, dass Franziskus durch einen direkten Kontakt bemüht ist, Barrieren zu überwinden.

Auch für Pater Franz Schmidberger (langjähriger Generalobere der Piusbruderschaft 1982-1994) scheint der „Augenblick gekommen zu sein, die Lage der Bruderschaft zu normalisieren“. 

 

 

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Pius XII. und die Shoah (2/2)

Sein „Schweigen“ zur Judenfrage im 2. Weltkrieg

von Matthias Jean-Marie Schäppi

Finanzielle Hilfsaktionen und Unterstützung jüdischer Emigranten in aller Welt

Durch unmittelbar von Pius XII. ausgehende Aktion konnten 85 % der 9600 in Rom lebenden Juden von der Kirche versteckt und so vor der Deportation bewahrt werden.1 Aber auch auf andere Weise half der Papst den römischen Juden nach Kräften.“2 …

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Papst Pius XII. während der Krönungsfeier 1939 auf der Sedia gestatoria

Nicht nur durch diese persönlichen Akte tätiger Nächstenliebe, sondern auch durch wichtige finanzielle Hilfsaktionen hat Papst Pius XII. die Juden tatkräftig unterstützt.“3 Als Oberhaupt der katholischen Kirche gab er große Summen aus dem vatikanischen Vermögen für Hilfsaktionen aus, sein Privatsekretär Robert Leiber bezeugt sogar, wie weit der Papst dabei ging: „Er gab sein gesamtes Privatvermögen zu ihren Gunsten aus […] Pius gab aus, was er als ein Pacelli selbst von seiner Familie erbte.“4 So konnte Pius XII. bereits in einem Schreiben an den Berliner Bischof Konrad Graf von Preysing vom 30. April 1943 eine erste Zwischenbilanz über seine finanziellen Hilfsaktionen ziehen: „Von den sehr hohen Summen, die Wir in amerikanischer Währung für Übersee-Reisen von Emigranten ausgeworfen haben, wollen Wir nicht sprechen; Wir haben sie gerne gegeben, denn die Menschen waren in Not; Wir haben um Gotteslohn geholfen, und haben gut daran getan, irdischen Dank nicht in Rechnung zu stellen.“5

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Pius XII. und die Shoah (1/2)

Sein „Schweigen“ zur Judenfrage im 2. Weltkrieg

von Matthias Jean-Marie Schäppi

His Holiness Pope Pius XII
Pius XII. (bürgerlicher Name Eugenio Maria Giuseppe Giovanni Pacelli; * 2. März 1876 in Rom; † 9. Oktober 1958 in Castel Gandolfo) war vom 2. März 1939 bis Oktober 1958 Papst.

Als Papst Pius XII. am 9. Oktober 1958 starb, stand er „weltweit in hohem Ansehen“, wie der christliche Schriftsteller Bret Easton Ellist schreibt. Sein Hinscheiden war deshalb auch noch mehr als das seines Vorgängers von der Würdigung und Anteilnahme der Weltöffentlichkeit begleitet, auch von jüdischer Seite. Die damalige israelische Außenministerin Golda Meir beispielsweise dankte dem verstorbenen Papst, dass er für die Verfolgten „die Stimme erhoben“ habe; Roms Oberrabbiner Elio Toaff würdigte seine „große mitfühlende Güte und Hochherzigkeit“.

Ganz andere Worte wählte der Dramatiker Rolf Hochhuth fünf Jahre nach dem Tod des Papstes in dem Drama „Der Stellvertreter“, mit dem er das Weltbild der Katholiken nachhaltig beschädigte. „Wenn er mehr mit den Menschen gesprochen hätte“, so Hochhuth, „hätten sich viele Juden retten können.“ Er nennt den Papst „einen satanischen Feigling“ und wirft ihm vor, in der Hitler-Zeit niemals öffentlich zum Holocaust-Verbrechen der Nationalsozialisten die Stimme erhoben zu haben. Sein Theaterstück wurde 1963 in Berlin uraufgeführt. Was die Öffentlichkeit damals nicht ahnen konnte, war, dass die Hauptquellen des Autors der Nazi-freundliche Bischof Alois Hudal (1885-1963) und der Leiter der deutschen Sektion im Staatssekretariat, Msgr. Bruno Wuestenberg, waren, die sich beide auf diese Weise an Pius XII. rächen wollten: Hudal, weil er vom Papst zum Rücktritt als Rektor der „Anima“ abgesetzt worden war, nachdem seine Tätigkeit u.a. als Fluchthelfer für Nazigrößen nach dem Krieg publik wurde (Ein Vorgang, der heute absurder Weise meist Pius XII. von seinen Gegnern zur Last gelegt wird!), Wuestenberg, da ihn der Papst – angeblich wegen Homosexualität – nicht befördert hatte.1

Der Hauptvorwurf gegen Pius XII. […], er habe zur Massenvernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten geschwiegen und ihr tatenlos zugesehen – sei es aus Feigheit wegen drohender Konsequenzen, aus Gleichgültigkeit aufgrund wirtschaftlicher Interessen, aus Staatsräson oder gar aus antisemitischen Motiven –,“2 hat sich derweil seit Hochhuth hartnäckig in den Köpfen der Menschen festgesetzt und vielfach auch Eingang in die Geschichtsbücher gefunden. Er basiert auf der aus heutiger Sicht nur naiv zu nennenden Annahme, der Papst hätte durch einen eindeutigen öffentlichen Protest das unsägliche Leid verhindern oder zumindest begrenzen können; „somit sei er gemäß dem Sprichwort ‚Wer schweigt, stimmt zu‘ an den Verbrechen mitschuldig geworden.“3 Der vorliegende Artikel geht diesem Vorwurf des „Schweigens“ nach und versucht, im Spiegel von Selbstzeugnissen und Äußerungen sowohl Pius’ XII. als auch seiner Mitarbeiter und Vertrauten Licht hinter diesen Vorwurf zu bringen.

Beginn des Pontifikats und Kriegsausbruch

Die Wahl Eugenio Pacellis zum Pontifex Maximus am 2. März 1939, seinem 63. Geburtstag, wurde damals begeistert aufgenommen – übrigens auch von jüdischen Medien –, vom NS-Regime indes kritisiert, weil der Neugewählte als Gegner des Nationalsozialismus bekannt war. Im Völkischen Beobachter hieß es am 3. März 1939 dazu: „Wir in Deutschland haben von diesem Papst nichts zu erwarten! […] Die Kirche unter Pius XII. wird mehr als sonst Politik machen, aber nicht so roh und polternd wie unter Pius XI., feiner, diskreter und steiler.“4 Gleich zu Beginn seines Pontifikats wurde Pius XII. mit der Kriegsgefahr konfrontiert. Am 31. August erwog er, direkt nach Berlin und Warschau zu reisen, musste diesen Plan aber wieder aufgeben und appellierte von Rom aus an die deutsche und polnische Regierung, keine Zwischenfälle zu provozieren und die Spannungen nicht zu verschlimmern. Zu spät – denn beide Seiten hatten die Mobilmachung ihrer Armeen schon eingeleitet.5

Wie sein Vorgänger Benedikt XV. im Ersten, so veröffentlichte Pius XII. im Zweiten Weltkrieg zahlreiche allgemeine Friedensappelle, wobei er klare Schuldzuweisungen konsequent vermied und keine Kriegspartei namentlich nannte. „Man darf jedoch auch die Pflicht des Papstes zur politischen Neutralität nicht vergessen, die ihm von der Natur seines Amtes her auferlegt ist; schließlich ist er nicht nur Oberhaupt eines militärisch neutralen Staates, sondern in erster Linie Priester und Pontifex maximus“.6

Am 14. September 1939 beklagte Pius XII. erstmals den Kriegsausbruch und erklärte seine Absicht, einen für alle Beteiligten ehrenhaften Frieden zu vermitteln. Dies wiederholte er bis zum Kriegsende öfter. Am 26. September 1939 nannte er den Krieg eine „entsetzliche Gottesgeißel“ und hoffte auf Frieden durch „versöhnenden Ausgleich“, der auch der katholischen Kirche künftig „größere Freiheit“ schenken möge.

Stellungnahmen und Proteste zugunsten der Juden

Als 1941 die ersten Informationen von der Deportation tausender Juden an den Heiligen Stuhl vordrangen, benutzte Pius XII. die Gelegenheit der jährlich in aller Welt beachteten Weihnachtsbotschaft zu einer ersten öffentlichen Stellungnahme, indem er sagte: „Unser Segen […] dringe in herzlicher Innigkeit zu all denen, welche die Hauptleidträger dieser Notzeit sind.“7 Noch deutlicher wurde er in der Weihnachtsbotschaft des folgenden Jahres vom 24. Dezember 1942. Der Papst spricht darin von „den Hunderttausenden, die persönlich schuldlos bisweilen nur um ihrer Volkszugehörigkeit oder Abstammung willen dem Tode geweiht oder einer fortschreitenden Verelendung preisgegeben sind“.8 Auch das Naziregime konnte sich nicht über diese unmissverständliche öffentliche Kritik hinwegtäuschen. Ein Meisterwerk „klerikaler Verfälschung“ sei diese päpstliche Rede, und es sei klar, dass Pius XII. hier als Fürsprecher der Juden auftrete, so ein interner Bericht des Reichssicherheitshauptamts vom 22.1.1943.

Pius XII. aber war fest entschlossen, auch in Zukunft seine Stimme zu erheben, wo dies möglich war, ohne das Leid nicht zu vergrößern. So nahm er am 2. Juni 1943 die Gelegenheit wahr, „in seiner Dankansprache für die Namenstagsglückwünsche der in Rom versammelten Kardinäle nochmals ‚mit besonders inniger und bewegter Anteilnahme‘ für die Juden Stellung zu nehmen, um ‚den Bitten derjenigen Gehör [zu] schenken, die sich mit angsterfülltem Herzen flehend an Uns wenden. Es sind dies diejenigen,‘ so der Papst weiter in ganz ähnlichen Worten wie an Weihnachten 1942, ‚die wegen ihrer Nationalität oder ihrer Rasse von größerem Unheil und stechenderen und schwereren Schmerzen gequält werden und auch ohne eigene Schuld bisweilen Einschränkungen unterworfen sind, die ihre Ausrottung bedeuten.‘9 An diese war die Ansprache zwar nicht gerichtet, jedoch zur Veröffentlichung in den Actae Apostolicae Sedis bestimmt und somit für jedermann einsehbar.

Hilfsaktionen für die römischen Juden

In erster Linie sah aber der Papst auf Grund des bestialischen Ausmaßes der Judenverfolgung

für sich und seine Mitarbeiter die Verpflichtung, alles zu tun, ‚was in unseren Kräften steht, um das Volk Israel zu retten.‘10 Doch angesichts der Wirkungslosigkeit des größten Teils seiner Proteste erkannte er schnell: ‚Nicht klagen, sondern handeln ist das Gebot der Stunde.‘1112

Diese Erkenntnis erwies sich als besonders wirksam, als nach dem Sturz Mussolinis deutsche Truppen unter Feldmarschall Kesselring am 10. September 1943 Rom besetzten, „was für die ca. 9600 Juden, die damals in der Stadt lebten […] eine immense Gefahr bedeutete.“13 Bis zum 4. Juni 1944 (D-Day, Landung der Alliierten) setzte sich Pius XII. persönlich in vielfältiger Weise für die verfolgten Juden in Rom ein, wobei vor allem die Öffnung der Klöster und kirchlichen Einrichtungen für alle Verfolgten hervorzuheben ist.14 „Nach dem Einmarsch der Deutschen in Rom traf der Papst angesichts der drohenden Gefahr für die Juden eine sehr wichtige Schutzmaßnahme: ‚Pius XII. hatte wissen lassen, die kirchlichen Häuser könnten und sollten flüchtigen Juden Unterschlupf gewähren‘15, und hob dazu die Klausur der Klöster und Konvente auf, zwei Wochen später auch die kanonischen Schranken, sodass ‚Männer in Nonnenklöstern bzw. Frauen in Männerklöstern aufgenommen werden konnten.‘16 So haben 100 Frauen- und 45 Männerklöster sowie zehn Pfarreien Roms, aber auch zahlreiche andere kirchliche Einrichtungen wie die Päpstliche Universität Gregoriana oder das Päpstliche Bibelinstitut, vor allem aber die exterritorialen, zum Vatikanstaat gehörenden Gebäude im Lateran, in Santa Maria Maggiore und St. Paul vor den Mauern, den Verfolgten ihre Türen geöffnet und ‚während der ganzen deutschen Besatzungszeit etwa 5000 Juden Obdach‘17 geboten.

Im Vatikan selbst ‚gewährte der Heilige Vater persönlich für einige Dutzend römische Juden Schutz und Hilfe‘18; offenbar kamen dort aber noch wesentlich mehr unter, deren Zahl jedoch nicht mehr ermittelt werden kann, da sie dort ‚nur illegal sein konnten und man deshalb nicht von ihnen sprach‘19. Sogar den Apostolischen Palast in Castel Gandolfo, seine Sommerresidenz, ließ der Papst für die Verfolgten öffnen, sodass dort etwa 3000 Juden unterkommen konnten. Im Großen und Ganzen wurde die Exterritorialität der Gebäude von den Nationalsozialisten respektiert, sodass die Juden dort wirklich in Sicherheit waren. Durch diese unmittelbar von Pius XII. ausgehende Aktion konnten somit 85 % der 9600 in Rom lebenden Juden von der Kirche versteckt und so vor der Deportation bewahrt werden.20 Aber auch auf andere Weise half der Papst den römischen Juden nach Kräften.“21

Fortsetzung folgt. 

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Buchempfehlung: Markus Schmitt: Das „Schweigen“ Pius’ XII. zur Judenverfolgung im Spiegel von Selbstzeugnissen und Äußerungen seiner Mitarbeiter und Vertrauten, Aadorf 2008

Rezension hier: http://www.kath.net/news/25384 Weiterlesen „Pius XII. und die Shoah (1/2)“