Aus dem SPIEGEL-Archiv 1957: Katholische Damenmode

Tugendhafte Eleganz

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Bildquelle: DER SPIEGEL 42/1958 Alle Rechte vorbehalten.

Papst Pius XII., der unter dem Stirnrunzeln der konservativen Würdenträger seines Hofstaates schon manche Neuerung eingeführt hat, überraschte jüngst die Ewige Stadt mit einer neuen sensationellen Geste. Erstmals in der Geschichte des Papsttums wurden die 200 Angehörigen eines römischen Modehauses vom Heiligen Vater in Privataudienz empfangen. Dieser ungewöhnliche Gnadenerweis wurde den drei Schwestern Fontana aus Anlaß des fünfzigjährigen Bestehens ihres Salons gewährt. Für die heilige Stadt war diese Begegnung zwischen dem Stellvertreter Christi und der weltlichen Eitelkeiten verhafteten Haute Couture ein revolutionäres Ereignis.

In der zweitausendjährigen Geschichte des Christentums haben die Launen der weiblichen Bekleidung selten Gnade vor den Augen der Kirche gefunden. Wie schon die alttestamentarischen Propheten gegen die Eitelkeit der Töchter Israels wetterten, so sind auch christliche Kirchenväter, Heilige und Päpste mit Bußpredigten, Verboten und Verdammungsurteilen gegen das Blendwerk der weiblichen Mode zu Felde gezogen. Weiterlesen 

Quelle: DER SPIEGEL 29/1957. Alle Rechte vorbehalten

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Papst Pius XII – sein Tod und Testament

Nachdem der 82jährige Pius XII. sich seit Ende September 1958 nicht mehr wohlgefühlt hatte, war er am Sonntag, dem 5. Oktober ernsthaft erkrankt. Seit einem ersten Gehirnschlag am Morgen des 6. Oktober lag er im Sterben; sein Mitarbeiter P. Wilhelm Hentrich spendete ihm bei vollem Bewusstsein die Letzte Ölung. Im Laufe dieses Tages fanden sich Tausende von Menschen und – wie man im Film sieht – auch Reporter, Rundfunk und Fernsehen in Castel Gandolfo ein, wo sie drei Tage und Nächte bis zum Tod des Papstes in der Morgenfrühe des 9. Oktober verharrten.

Am Morgen des 8. Oktober erlitt Pius XII. einen weiteren Gehirnschlag und fiel ins Koma, aus dem er nicht mehr erwachte. Sein Privatsekretär P. Robert Leiber SJ spendete ihm nochmals die Letzte Ölung.

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Ein fünftes Mariendogma? – Falls ja, welches?

Maria Corredemptrix oder Immortalitas Immaculatae BMV?

von Christoph Matthias Hagen, Innsbruck

12818_0Wenn man die Theologie unserer Tage betrachtet, wird man bemerken, daß eine eigenständige, systematische Mariologie schon seit Jahrzehnten in kontinuierlichem Schwinden begriffen ist. Dieser Befund kann ganz sicher nicht ohne Zusammenhang mit der Tatsache erklärt werden, daß das II. Vaticanum es vorgezogen hatte, in LG 52-69 (= DH 4172-4179) von Maria zu sprechen und sie damit in seine dogmatische Betrachtung der Wirklichkeit und des Geheimnisses der Kirche einzubeziehen, statt ihre Person, Stellung und Sendung in der Erlösungs- und Heilsordnung als eigenen Aspekt der Lehre der Kirche über Maria zu behandeln. Man kann sich fragen, ob die jungfräuliche Gottesmutter dadurch nicht, sicher unter vielerlei Hinsichten bleibend exemplarisch und einzigartig, dennoch im Prinzip als eine Glaubende unter Glaubenden in das Volk Gottes eingegliedert worden war und aufgehört hatte, als Person und Gestalt Thema und Gegenstand gesonderter, theologischer Bemühung zu sein. In diesem anhaltenden Klima ist das soeben erschienene Buch: Stärker als der Tod. Warum Maria nicht gestorben ist des 1974 geborenen Regensburger Diözesanpriesters und Theologen Florian Kolfhaus ein mariologischer Versuch, die Gestalt Mariens von neuem ins Licht zu stellen – zu einem Zeitpunkt und in einer Situation, in denen nach wie vor die Tendenz beherrschend ist, Maria als Randfigur der Theologie und des Glaubens mehr und mehr einem Schattendasein oder einer emotionalisierten, nicht weiter theologisch verantworteten, rein subjektivistisch-gefühlsbasierten Volksfrömmigkeit zu überlassen.

Damit sei ausdrücklich keine Geringschätzung echter, gediegener Volksfrömmigkeit ausgesprochen. Indes: Um als echt und gediegen anerkannt zu sein und bestehen zu können, muß sich jede Volksfrömmigkeit vor den beiden Polen von Fides und Ratio zugleich rechtfertigen können und sich widerspruchsfrei in deren Spannungsfeld entfalten. Dies gilt in besonderer Weise für eine Marienfrömmigkeit, die mit dem Glauben der Kirche in Einklang stehen soll, da in ihr ein dezidiert fraulich-mütterliches Motiv anklingt, das naturgemäß die Emotion anspricht, sich darin aber nicht erschöpfen darf.

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Zum Herz-Jesu-Fest

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Ausschnitt aus dem berühmten Gemälde von Pompeo Batoni, das in einem Seitenaltar der Kirche Il Gesù in Rom hängt Foto: Foto: Lloyd Baltazar via Wikimedia (Gemeinfrei; Ausschnitt bearbeitet)

Jedes Kind weiß, was ein Herz bedeutet. Es ist Zeichen der Liebe. Wer ein Herz malt, sagt mit diesem Bild: „Ich liebe Dich“. Am Kreuz zeigt uns Jesus sein Herz, um uns Gottes Liebe zu offenbaren. Er enthüllt am Kreuz sein Innerstes, weil Er hier den Preis für unsere Sünden zahlt und uns wissen lässt, dass Er uns trotz all unserer Fehler und Vergehen liebt.

An diesem Herzen dürfen wir ausruhen, wie Johannes, der im Abendmahlsaal sein Haupt auf die Brust Christi legt. In dieses Herz, das immer offensteht, können wir eintreten, um Gnade und Heil zu erfahren. Schon die Kirchenväter sahen in der durchbohrten Seite des Gekreuzigten (vgl. Joh 19,34) die Pforte des Heils, durch die wir zu Gott finden. Das offene Herz Jesu ist der Quell, aus dem die Sakramente der Kirche als wirksame Zeichen der Gnade fließen, wie das reinigende Wasser der Taufe und das allen Durst nach Liebe stillende Blut der Eucharistie.

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Ballett in der Kirche – Nudismus oder Transzendenz?

 Wenn etwas nicht zusammenzupassen scheint, dann ist es Kirche und Ballett. Unsere Autorin zeigt, dass es doch Verbindungen zwischen beiden gibt und diese weiterentwickelt werden sollten.

von Deborah Görl

Vor zwei Jahren feierten die Jesuiten das 200 jährige Jubiläum der Wiedererrichtung ihres Ordens mit dem Ballett Lauda mit den Tänzern des Bayerischen Staatsballett II (Choreographie: S. Sandroni, Musik: G. Bryars). Lauda wurde in St. Michael in München uraufgeführt (und ist nebenbei bemerkt am 20. und 21. Mai wieder in München zu sehen).

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Autorin und Balletttänzerin Deborah Görl: „Balletttrikots sind sinnvoll um Fehlstellung und falsche Bewegungsabläufe frühzeitig zu erkennen. Darüber hinaus ist Ballettbekleidung ästhetisch ansprechend und es wäre eine Schande sie nicht zu tragen.“

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Die Mantilla – einfach Spitze

Warum Kopftücher zu einem katholischen Life- und Faithstyle gehören

von Anna Diouf

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Die Mantilla schafft den „Spagat“, bei einem Maximum an Prachtentfaltung gleichzeitig maximal „bescheiden“ und „demutsvoll“ zu sein. Ein luxuriöser Stoff, der ein bisschen verrucht, dekadent und ziemlich durchsichtig ist, wird, so in den Dienst Gottes gestellt, zum Zeichen für Würde, Schönheit, Reinheit und Erwählung.

Um es vorweg zu sagen – ich halte Bekleidungsfragen nicht für Marginalien. Andererseits ist das Vermeiden eines Dekolletés sicher nicht heilsnotwendig. Die Intention des Trägers ist wichtiger als die Tiefe des Ausschnitts und ich wundere mich über Menschen, die sich angesichts des Glaubensverfalls, der Christenverfolgung, des Krieges und der eigenen Sündhaftigkeit theologische Streitgespräche über die maximal verantwortbare Rocklänge leisten können. Durchaus soll Kleidung mit Bedacht und dem Anlass gemäß gewählt werden. Sicherlich sollen Mann und Frau gleichermaßen keinen Anstoß geben und auf der anderen Seite diesem auch nicht nachgehen, sollte er einmal erregt werden. Prüderie allerdings erscheint mir keine sonderlich katholische Eigenschaft zu sein und das Einsickern von puritanischer Leibfeindlichkeit ist ebenso ärgerlich wie alle Protestantismen, die innerhalb der letzten Jahrzehnte Eingang in die katholische Kirche gefunden haben.

Nun möchte ich aber eine Lanze brechen für ein zu Unrecht in Vergessenheit geratenes Accessoire: Die Mantilla. Kommen wir gleich zum Kern der Sache: Die Mantilla ist einfach schön und steht jeder Frau. Ein feiner Spitzenstoff, den man sich um Kopf und Schulter winden kann, und man fühlt sich wie eine Prinzessin. Und das ist eine Frau ja auch, oder, wie Johannes Hartl sagt: Ein „Königskind“. Wer sich königlich fühlt, dem fällt es auch leichter, sich königlich zu verhalten – die Mantilla erinnert uns an unsere eigene Berufung und Erwählung zum Gotteskind und sie erinnert uns auch an die Würde dessen, dem wir im Gottesdienst gegenübertreten. Sich zu verhüllen ist seit jeher ein Zeichen für Respekt vor dem Angesicht Gottes. Mose und Eliah haben sich verhüllt, wenn sie Gott gegenübertraten und ich empfinde es als Auszeichnung, dass man als Frau bis heute die Möglichkeit hat, es den Vätern gleichzutun und an diese uralte Frömmigkeitsform anzuknüpfen. Verhüllung ist ein Zeichen der Absonderung von der Welt, ein Zeichen dafür, dass man sich Gott ganz zur Verfügung stellen will. Verhüllung ist auch ein Zeichen der Heiligkeit – Katholiken verhüllen das Allerheiligste mit einem Schleier, Orthodoxe schützen das heilige Geschehen durch die Ikonostase – und machen damit die einmalige Würde des Verhüllten deutlich: Einen sehr schönen Artikel über den Zusammenhang zwischen der Heiligkeit der Frau/Mutterschaft und dem Schleier liefert der Catholic herald.  Und weit kurzweiliger als ich dazu Stellung nehmen könnte, tut es Laura McAlister in ihrem Blog. Natürlich ist der Schleier auch eine Erinnerung daran, dass wir alle auch „Braut“ sind und bräutlich durch dieses Leben gehen in der Erwartung des himmlischen Hochzeitsmahles des Lammes. Verhüllung fördert auch ganz praktisch die Konzentration, hilft, Äußeres auszublenden und sich ganz auf das Gebet zu konzentrieren – soweit die Theorie. Ich weiß nur allzu gut, dass die Mantilla auch Ablenkungsmittel par excellence sein kann: „Sitzt noch alles?“ „Wow, ich sehe gerade bestimmt aus wie die Jungfrau Maria…unwiderstehlich tugendhaft!“ – aber unrechter Gebrauch hebt den rechten Gebrauch nicht auf!

Pope Pius XII, Prince Rainier, and Princess Grace
Von anmutiger Schönheit und zurückhaltender Eleganz: Bis heute gilt Grace Kelly als Stilvorbild und Mode-Ikone. 1957 empfing sie der Heiligen Vater Papst Pius XII.

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