Fastenimpuls: Mit der Bibel und den Wüstenvätern schlechte Gedanken bekämpfen!

Das schaffe ich nie!“ – „Ich bin doch zu nichts zu gebrauchen!“ – „Keiner mag mich!“: Wie oft reden wir uns mit solchen Sätzen Lustlosigkeit oder (unnötige) Ängste ein. Und stehen uns damit selbst im Weg.

Andere Sätze hingegen, die wir manchmal vor uns hersagen, geben uns Kraft und Energie: „Take it easy!“ –  „Halb so wild!” –  „Davon geht die Welt nicht unter.“ – „Was dich nicht umbringt macht dich stärker.“

Von Stefan Ahrens, Bistum Regensburg

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Lateinischer Wüstenvater und „Vater des abendländischen Mönchtums“: Der hl. Johannes Cassian (360-435). Er brachte die Spiritualität der Wüstenväter ins Abendland und beeinflußte unter anderem die Ordensregel des Hl. Benedikt von Nursia. In dieser ruft Benedikt seine Mönche auf, beständig die Werke Cassians zu lesen.

Sowohl um die negative als auch um die positive Kraft der Gedanken und Einredungen wussten auch schon die frühen Christen. Wie  beispielsweise die Begründer des christlichen Mönchtums: Die „Wüstenväter“, die, nachdem das Christentum im Römischen Reich zur Staatsreligion avancierte, sich für eine besonders radikale Nachfolge Christi entschieden und dafür buchstäblich „in die Wüste gingen“. Ihr biblisch begründetes Wissen um den konstruktiven Umgang mit den eigenen Gedanken weckt heutzutage das Interesse von Psychotherapeuten und sinnsuchenden Menschen gleichermaßen. Ein Impuls zur Fastenzeit.

Wer waren die Wüstenväter?

Die Wüstenväter lebten seit dem späten 3. bis zum 5. Jahrhundert in der sketischen Wüste Ägyptens.  Sie führten dort entweder als Einsiedler oder mit anderen in Gemeinschaft lebend ein an der Heiligen Schrift orientiertes sowie von den Weisungen von Mönchsvätern wie dem hl. Antonius dem Großen (251-356), dem hl. Makarios dem Großen (300-390) oder dem hl. Pachomios (292-346) inspiriertes Leben.

Die Vorbilder der Wüstenväter waren hierbei Persönlichkeiten wie  Johannes der Täufer, der hl. Paulus sowie Jesus Christus selbst, der, nachdem er die Taufe im Jordan empfangen hatte, zu Beginn seines öffentlichen Wirkens vierzig Tage in der Wüste fastete und dabei den Versuchungen des Satans widerstand. (Mt 4, 1-11, Mk 1,12 f., Lk 4, 1-13).

Um in der unwirtlichen Wüste körperlich und auch geistig überleben zu können (denn manche, die „ihr Glück“ in der Wüste versuchten, bezahlten dieses Unterfangen mit ihrem Leben oder mit ihrer geistigen Gesundheit) führten die Mönche unter Anleitung eines geistlichen Begleiters eine asketische, aber dennoch von Abwechslung geprägte Lebenspraxis: In dieser erhielten Gottesverehrung, Schriftlektüre, Liturgie, Nächstenliebe, (immerwährendes) Gebet, (Psalmen-)Gesang und Arbeit ihr richtiges Maß. Dieses Wissen gaben sie auch an andere Menschen weiter, die sie in der Wüste aufsuchten und um ihren Rat baten.

Der hl. Johannes Cassian (360-435), ein lateinischer Christ, der sich von der Donau aus zu den Wüstenvätern aufmachte, um sich ihnen anzuschließen und später die Spiritualität der Wüstenväter im Abendland bekannt machte, schrieb im Rückblick über diese: „In der ödesten Einsamkeit leben sie, fernab von jeder Begegnung mit Menschen. Dadurch im Besitz erleuchteter Sinne betrachten und reden sie, was den Unerfahrenen und nicht Eingeweihten entsprechend ihren Voraussetzungen und der Mittelmäßigkeit ihres Lebenswandels vielleicht unmöglich erscheinen wird.“ (Collationes Patrum Teil 1, Prolog -> siehe Literaturliste)

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Olympia-Spezial: Sport und Wettbewerb für Christen

Treibt uns Sport von Gott weg oder zu ihm hin

“Interessiert sich Gott für Fußball Na klar! Er liebt uns Menschen nämlich so sehr, dass er sich für alles und jedes interessiert, was uns wichtig ist“ – (Kurt Warner, Spieler der „St Louis Rams“)

„Fußball und Religion passen nicht zusammen.“ – (John Riggins, ehemaliger Spieler bei den „New York Jets“ und den „Washington Redskins“)

von Alex Bryan

c8b5eb417fUnd wir sagen mit geistlicher Autorität (und gleichzeitig ein bisschen zurechtgebogen): „Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem einen hängen und den anderen verachten. Man kann nicht Gott dienen und dem Sport“ (vgl. Mt 6,24). Lässt sich die Frucht des Geistes – Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung – mit Torschuss, Rekordversuch, Wettkampf und Foul auf einen Nenner bringen?

„Leibliche Übung“ ist gemäß dem Apostel Paulus zwar „wenig nütze“ (1 Tim 4,8), aber gleichzeitig gilt: Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge …“ (1 Kor 9,25) Kann ich also am Sabbat für Jesus Christus jubeln und am Sonntag bei der Formel Eins für Nick Heidtfeld?

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Ein GPS System, auf das sich jeder Katholik verlassen kann

Euro-Spezial: Was sagt die Bibel zum Sport?

Heute beginnt die 15. Austragung der Fußball-Europameisterschaft

Der Monat Juni steht im Zeichen des Fussballs. Nirgendwo im Sport wird das Auf und Ab des Siegens und Verlierens so deutlich verspürt wie bei diesem alle vier Jahre stattfindenden Turnier. Zumindest fiebern ganze Nationen mit, heben ab im kollektiven Jubelrausch oder versinken im Schmerz derjenigen, die ausgeschieden sind. Eine Niederlage wird zur nationalen Tragödie. Ein Siegestor gebiert neue Helden, während die Sterne anderer “Fussballgötter” versinken. Ihre Statuen fallen zu Boden, sobald sie selbst mit ihrer Leistung ins Straucheln geraten. Nur wenigen ist der Aufstieg in den “sportlichen Olymp” beschieden.

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Frömmigkeit gegen Sportlichkeit?

Die Gemeinde der Fussballfans verehrt und vergöttert die Sieger und sie dreht sich enttäuscht von denen weg, die nicht mehr zu den Siegern gehören. Die “Liturgie” des Fussballsports hat ihre eigenen harten Regeln. Der Zweite ist und bleibt der erste Verlierer.

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Der Mantilla-Wahn (3/3)

Die Mantilla führt zu einer unguten und pseudo-liturgischen Beschäftigung der Frau mit sich selbst

Von Hanna Maria Jüngling

Viele traditionalistische Frauen tragen das Argument vor, Mantillen seien doch so weiblich, so hübsch und so reizvoll. Und so sieht man zunehmend junge Damen in den Heiligen Messen, manche sogar inzwischen in NO-Messen, die die gesamte heilige Messe über an ihrer Mantilla herumnesteln, denn diese billigen, durchsichtigen Polyestertücher verrutschen, weil sie ja nur über den Kopf gelegt werden, ständig auf den eitlen Weibsköpfen, sind natürlich komplett durchsichtig, verdecken also ohnehin gar nichts, sondern betonen das Haar sogar noch. Eine Frau ohne dieses Tuch wird gar nicht beachtet. Wenn eine aber dieses Stück Stoff auf ihr Haupt drapiert, wird sie garantiert von jedem offen oder heimlich begafft. Dieselben Damen zupfen auch sonst auffallend viel an ihren Kleidern herum. Ich muss zugeben , dass mich das sogar stört, wenn eine solche Braut direkt neben mir sitzt und in kurzen Zeitabständen ihr Tuch wieder zurechtrückt, den Pullover herunterzieht, an ihrem Röckchen herumzettelt und ständig an sich selbst hinabschaut. Ich bin auch eine Frau und würde mich so gerne ausschließlich auf das Geschehen am Altar konzentrieren … durch dieses Spitzentuch wäre ich aber gezwungen, ständig über meine Haare nachzudenken, und genau das will ich nicht! Die Mantilla hat uns jedenfalls die vorige Andachtsruhe um ein erhebliches Stück beraubt, und nur einer kann daran Interesse haben. Sein Name ist es nicht wert, ausgesprochen zu werden.

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Oben ohne und dennoch eine gute Andacht? Quelle: http://www.connieclay.com/uncovered-in-the-sanctuary/woman-in-church/

War es das, was man unbedingt wollte? Endlich Aufmerksamkeit für die Frau? Und das während des heiligsten Geschehens?

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Der Mantilla-Wahn (2/3)

Das Decretum Gratiani, die Aberkennung der Gottebenbildlichkeit der Frau und der Schleier

Von Hanna Maria Jüngling

Die postmodernen Schleierfreunde übersehen, dass der Schleier, wenn er propagiert wurde, im Zusammenhang mit der Bestreitung der Gottebenbildlichkeit der Frau geschah:

Gratian (12. Jh) schrieb:

Hec imago Dei est in homine, ut unus factus sit ex quo ceteri oriantur, habens inperium Dei, quasi uicarius eius, quia unius Dei habet imaginem, ideoque mulier non est facta ad Dei imaginem. Sic etenim dicit: „Et fecit Deus hominem; ad imaginem Dei fecit illum.“ Hinc etiam Apostolus: „Vir quidem,“ ait, „non debet uelare caput, quia imago et gloria Dei est; mulier ideo uelat, quia non est gloria aut imago Dei.“

(http://geschichte.digitale-sammlungen.de/decretum-gratiani/kapitel/dc_chapter_3_3661)

Deutsch übersetzt:

Dieses Abbild Gottes ist im Menschen, wie einer dazu ausersehen ist, aus den übrigen sich zu erheben, um das Reich Gottes innezuhaben, gewissermaßen als sein Stellvertreter, weil ja nur ein einziger Abbild Gottes sein kann; deswegen ist die Frau nicht nach dem Abbild Gottes geschaffen. So heißt es nämlich: „Und der Herr schuf den Menschen; zum Bild Gottes schuf er ihn.“ So auch der Apostel: „Der Mann“, sagt er. „Darf sich das Haupt nicht verhüllen, denn er ist Abbild und Glanz Gottes; die Frau dagegen bedecke sich, denn sie ist weder Glanz noch Abbild Gottes.“

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Oben ohne und dennoch eine gute Andacht? Quelle: http://www.connieclay.com/uncovered-in-the-sanctuary/woman-in-church/

Weiterlesen „Der Mantilla-Wahn (2/3)“

Der Mantilla-Wahn (1/3)

Warum Kopftücher zu einem katholischen Life- und Faithstyle gehören, war im Beitrag "Die Mantilla - Einfach Spitze" zu lesen. Als Debattenmagazin holen wir nun in einer dreiteiligen Serie zum fundierten Gegenschlag aus.

Ist die Frau kein Ebenbild Gottes?

Von Hanna Maria Jüngling

In den letzten Jahren tobt auf dem Traditionalisten-Schlachtfeld der Kampf um einen speziellen Kommunion-Schleier für katholische Frauen, die „Mantilla“.

Ich muss sagen, dass ich, bevor ich mit Traditionalisten in Berührung kam, noch nie von einer „Mantilla“ gehört habe. Dieses Accessoire gab es hierzulande noch niemals, wurde von niemandem verlangt und auch niemals offiziell vorgeschrieben. Ich habe diesbezüglich viele einheimische hochbetagte Katholiken, darunter auch Priester, befragt. Es ist definitiv niemals „Tradition“ gewesen.

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Oben ohne und dennoch eine gute Andacht? Quelle: http://www.connieclay.com/uncovered-in-the-sanctuary/woman-in-church/

Fast alle betagten, keineswegs progressiven Frauen reagierten mit dem Satz „Mantilla – was ist das?“

Und auf die Beschreibung hin, dass es sich um durchsichtiges Spitzentuch handle, das Frauen in der Hl. Messe tragen sollten, um eine besondere Frömmigkeit zur Schau zu stellen, schüttelten sie den Kopf und sagten, davon hätten sie noch nie gehört. Allenfalls könne es sein, dass solche Bräuche in Südeuropa üblich seien und bei Papstmessen vielleicht, aber hier in Deutschland? Eine weit über Achtzigjährige wusste, dass das die „Lefebvristen“ eingeführt hätten, dass man das aber in ihrer Kindheit unter Pius XI. und XII. niemals so gehandhabt hätte.

Nun wird aber in den letzten beiden Jahren eine so penetrante Propaganda für dieses Tuch gemacht, als sei das eine “Tradition“, die „immer“ und überall gegolten habe und vorgeschrieben gewesen sei und aus „feministischen“ Gründen verweigert werde. Es ist auffallend, dass derselbe Kampf prinzipiell auch im Islam und verschiedenen protestantischen Sekten und evangelikalen Freikirchen tobt. Als Bestätigung für die Richtigkeit dieses Tuchs verweist man auf die orthodoxe Praxis – als ob uns die schismatische Orthodoxie hier etwas zu sagen hätte oder gar der ohnehin aus katholischer Sicht häretische Protestantismus! Ganz zu schweigen vom Islam.

Weiterlesen „Der Mantilla-Wahn (1/3)“