Von Haifischbecken und Brennnesselsträuchern

(Thecathwalk.net) Ich halte es für unangebracht und falsch, über jede (vermeintliche) Verfehlung des Bischofs von Rom (oder anderer Bischöfe und Kardinäle) herzuziehen – und diese persönliche Meinung dann im Idealfall noch öffentlich auf facebook zu posten und breitzutreten. Und ich halte es für töricht und wenig apostolisch, wenn in der Kirche und unter Katholiken ein negativer Geist herrscht und wir letztlich nur um uns selbst kreisen – anstatt uns den Menschen „da draußen“ zuzuwenden.
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Ein Kommentar von Georg Dietlein

Im „katholischen Milieu“ (wie ich liebevoll zu sagen pflege) kann man zur Zeit jede Stecknadel fallen hören. Die Stimmung ist gereizt. Freundschaften sind angespannt. Und kaum jemand kommt über das übliche Schwarz-Weiß-Freund-Feind-Denken hinweg. Es geht um Papst Franziskus, die „Dubia“ der Kardinäle, Amoris laetitia, einen auf The Cathwalk veröffentlichten Weckruf, den einige katholische Blogger und Publizisten unterschrieben haben – und natürlich um persönliche Animositäten.

Ich sage es gleich vorweg: Man kann zu dem „Weckruf“ unterschiedlicher Meinung sein. Papst Franziskus wäre der letzte, der blinden Gehorsam fordert. Wäre ich der Redenschreiber des Pontifex, würde auch ich ihn an manchen Stellen deutlicher sprechen lassen. Ich kenne persönliches Misstrauen gegen den Papst sehr gut – zu sehr fordert er uns alle heraus. Doch dieser Misstrauens-Express kann schneller im geistigen Wittenberg ankommen, als es so manchem „differenzierten Papst-Kritiker“ lieb ist. Deswegen war der Weckruf ein begrüßenswerter Warnruf.

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Wenn es Weihnachten nicht gibt

1000plus hat es sich zur Aufgabe gemacht, mithilfe öffentlichkeitswirksamer Wort-, Bild- und Informationskampagnen einerseits auf die Not von Schwangeren im Konflikt, andererseits auf die Würde, den Wert und die Schönheit jedes Menschen aufmerksam zu machen. Eine solche Kampagne wurde vor zwei Tagen mit dem Werbeplakat „Niemals Weihnachten“ in Internet (und wohl auch im Print) lanciert.

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Zu sehen ist auf diesem Bild eigentlich recht wenig: Eine schlichte, leere Krippe. Verbunden mit den Erläuterungen dazu, dass es unvorstellbar traurig wäre, wenn Gottes Sohn nicht Mensch geworden wäre – und es kein Weihnachten, kein Fest der Liebe und des Friedens zu feiern gäbe. „In seiner unendlichen Liebe kam Gott selbst vor 2016 Jahren als kleines Menschenkind auf die Welt. Wie sähe diese Welt aus ohne diese Liebe und ohne dieses Licht, ohne Weihnachten und deshalb auch ohne Ostern?“

Von theologischer Seite aus bleibt diese Fragestellung natürlich eine Hypothese, da wir die Gewissheit haben, dass unser Heiland gesandt und die Erlösung durch seinen Tod am Kreuz vollzogen wurde. Aber belassen wir es nicht bei der abstrakten Heilsgeschichte. Das Geschehen im Stall von Bethlehem war etwas sehr Konkretes, was jedes Kind bereits verstehen kann. Gott macht sich klein, Er wird einer von uns: Ein kleines, zärtliches Wutzelchen, hilflos in einer Krippe. Wie erfreulich muss für Maria und Josef der erste Schrei nach der Geburt gewesen sein! Das mag jetzt augenscheinlich betrachtet ein rührseliger Moment voller Harmonie gewesen sein. Dabei dürfen wir nicht vergessen, in welchem Moment Maria ihr „JA“ zu der Verheißung des Engels Gabriels gegeben hat, und unter welchen Umständen Josef sein „JA“ zu Maria und zum ungeborenen Kind gegeben hat. Von Anbeginn befanden sich beide keineswegs in einer Komfortsituation. Im Gegenteil! Nicht wissend wie die Verwandten und das Umfeld auf die schwangere Verlobte reagieren und nicht wissend an welchem Ort sie das Kind zur Welt bringen konnten; sein „JA“ zu sagen, allein vertrauend auf das Heilsversprechen Gottes. Das erfüllte Heilsversprechen in der Krippe, gerade in einer einfachen Krippe könnten kein stärkeres und leuchtendes Zeichen des Glaubens sein. Und machen es für die Seele greifbar, weshalb Weihnachten ein solch großes Fest geworden ist.

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Der Sexodus

Kampf um Gleichberechtigung?

In Gesellschaft, Politik und Schule toben verschiedenste Kämpfe um Gleichberechtigung und Emanzipation. Es wird suggeriert: Die Frau kommt zu kurz und wird immer noch unterdrückt. Sie sollte die gleichen Rechte, Jobs, Privilegien und die gleiche Macht haben, wie der Mann. Mindestens! Das betrifft nicht nur die privaten, sozialen, gesetzlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Auch die Vorstände und Aufsichtsräte der großen Konzerne werden tangiert. Dass die Frauen endlich akzeptiert und vollständig emanzipiert werden sollen, wird nach wie vor in den Medien gefordert – und zwar lautstark. Mit Geschrei, bis hin zu obszönen und fragwürdigen Methoden, wird die mediale Aufmerksamkeit auf das Thema Feminismus und Frauenrechte gelenkt. Man denke hierbei bitte zurück an immer wieder in der Öffentlichkeit nackt auftretende Frauen. Sie kämpfen mit entblößter Brust um Emanzipation, sexuelle Freiheit, aber gleichzeitig auch dafür, nicht mehr als Sex-Objekt gesehen zu werden. Als Frau frage ich mich: Wer soll weibliche Stimmen ernst nehmen, die nackt darum kämpfen, nicht als Sex-Objekt behandelt zu werden?

Mit dem Feminismus ringt auch die Genderbewegung als sozial-politische Lobby um Beachtung. Sie macht sich bemerkbar und drängt sich in den Mittelpunkt der menschlichen Lebensbereiche. Ob Unisextoiletten oder gleichgeschlechtliche Ampelmännchen, ob grammatikalische Veränderungen der deutschen Sprache oder Sexualerziehung vom Kindergarten bis zum Abitur – überall verbreitet sie Verwirrung und Unverständnis. Es sind Neuerungen, die sich teilweise unbemerkt, andererseits aber sehr aggressiv in alle Lebensbereiche drängen. Diese Neuheiten sind „Errungenschaften“ der sogenannten Genderforschung. Diese ist sozusagen eine Erweiterung der feministischen Bewegung, welche sich aber von den Schwerpunkten her, sehr weit vom ursprünglichen Kampf um Frauenrechte entfernt hat.

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Was ist eigentlich Demut? – Gehorsam und Dienst nach Vorschrift?

Franziskus: „Konservativ“ – „Progressiv“ – oder?

Papst Franziskus polarisiert – und er lässt damit in den Reaktionen die Gräben, die das 2. Vatikanische Konzil eigentlich überwunden hat, wieder überdeutlich aufleuchten. 

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Papst Franziskus lacht bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz am 1. April 2015. Foto: CNA/Petrik Bohumil

Ein Kommentar von Dr. Robert Harsieber

Papst Franziskus wird von vielen als „liberal“ oder „progressiv“ wahrgenommen, von „Progressiven“ begrüßt und von „Konservativen“ verteufelt. Die einen sehen in ihm eine Hoffnung für die Zukunft, die anderen sehen ihn als Übergangspapst oder verfehlten Papst, um in Kürze einem anderen, erzkonservativen Platz zu machen. Aufwind und Gegenwind sorgen dabei für oft erhebliche Turbulenzen. Wobei die Gegenwindfraktion auch diejenige ist, die nicht nur den jetzigen Papst, sondern auch das Konzil mehr oder weniger ablehnt.

Es ist nicht zu überhören, dass Papst Franziskus ganz deutlich die Sprache des Konzils spricht. Das stimmt jene optimistisch, die schon lange konstatiert haben, dass die Entwicklung der Kirche nach dem Konzil wieder erheblich ins Stocken geraten ist und vieles, wofür das Konzil den Weg eröffnet hat, nicht aufgegriffen oder nicht weiterentwickelt wurde.

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Vergossene Liebe – Der Monat des kostbaren Blutes.

Ein Kommentar von Monsignore Florian Kolfhaus

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Das kostbarste Blut Foto: g215 via shutterstock.com

Kritik des reinen Unverstands

Amoris laetitia und der antikatholische Reflex

Ein Kommentar von Anna Diouf

376753e454ce8dac7_720x600Was würden die Physiker dieser Welt sagen, wenn ich mich erdreistete, einfach mal ohne jegliche Expertise darüber zu räsonieren, wie Physik eigentlich sein sollte? Was würde ein Facharzt sagen, wenn ich ihm reinquatschen würde, wie er seine Arbeit eigentlich auszuführen hätte? Und wie würde ein Profifußballer reagieren, wenn ich ihm erklären würde, wieso die Abseitsregel überholt ist und man eigentlich das gesamte Regelwerk des Fußball überarbeiten müsse, es sei doch viel besser, mit den Händen zu spielen?

Richtig, man würde mich entweder auslachen oder etwas ungehalten reagieren.

Nur bei einer komplexen Lehre, die 2000 Jahre kontinuierliche Vertiefung und Entfaltung erfahren hat, da kann jeder Hinz und Kunz sagen, was besser wäre, ohne auch nur den geringsten Schimmer zu haben, worum es geht.

Kaum ist amoris laetitia heraus, sind schon wieder alle möglichen selbstermächtigten Propheten unterwegs, die uns Katholiken erklären, wie Katholizismus sein müsse.

Dabei möchte man, mit den Worten des Augustinus und des Salafisten auf dem Marktplatz diesen Menschen zurufen: LIES! Und zwar nicht das postsynodale Schreiben. Mein Vorschlag: Lies zuerst 150 Seiten der Summa des Thomas von Aquin und verstehe sie. Dies ist mit dem üblichen relativistisch-unphilosophischen Mindset des Menschen von heute praktisch umöglich. Ziel ist auch nicht das Verstehen der Textpassage, sondern das Entwickeln wenigstens der rudimentären Einsicht, dass man viel weniger weiß und versteht, als man so gemeinhin annimmt, und dass es selbst im finsteren Mittelalter extrem schlaue Leute gegeben hat, die komischerweise meistens ziemlich katholisch waren. Ist dieser erste Lernerfolg erzielt, nimm den Katechismus der Katholischen Kirche zur Hand und tritt ein in die faszinierend andere Welt des Katholizismus.

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