Catholic Art: Kunst im Auftrag des Herrn. Ein Interview mit Daniel Mitsui

photo_mitsui_bw
Daniel Mitsui

Wir beginnen im Jahr 2017 mit der neuen Serie: Catholic Art. In dieser Serie suchen wir nach Künstlern die aus unserer Sicht den Gütestempel „Katholisch!“ bekommen können. Als ersten Künstler präsentieren wir euch einen Amerikaner koreanischer Abstammung: Daniel Mitsui.

Vor einigen Monaten habe ich Daniel übers Internet kennengelernt und war sofort begeistert von ihm und seinen Werken. Mittlerweile besitze ich all seine publizierten Bücher – na ja das sind im Moment nur zwei. Kurz nach Allerheiligen erschien das jüngste Werk: „The Saints“ bei Ave Maria Press. Es ist ein Ausmalbuch für Erwachsene. Sein erstes Buch, ein Ausmalbuch über den Rosenkranz, wurde schon 2015 verlegt.

Mit Daniel Mitsui sprach Quintus N. Sachs.

The Cathwalk: Erzähl uns von dir; wer bist du?

Daniel Mitsui: Mein Name ist Daniel Paul Mitsui. Ich wurde 1982 im amerikanischen Bundesstaat Georgia geboren, und bin in Illinois aufgewachsen. Ich habe fast mein ganzes Leben in, oder in der Nähe von Chicago verbracht. Ich bin ein römisch-katholischer Laie undseit 2008 mit meiner Frau Michelle verheiratet. Sie ist eine klassische Sängerin und Chorleiterin. Wir haben vier Kinder: die Söhne Benedict und Victor, und die Töchter Alma und Lux. Ich ernähre die Familie über meine Arbeit als Künstler; ich habe mich spezialisiert auf Zeichnungen in Tinte, auf Basis von mittelalterlicher religiöser Kunst.

adelaide

„Catholic Art: Kunst im Auftrag des Herrn. Ein Interview mit Daniel Mitsui“ weiterlesen

Advertisements

Priesterausbildung: „Ich bin gescheitert, nicht die Kirche“

Benjamin Kalkum hatte sich entschieden, Priester zu werden. Zum Diakon geweiht war er schon, dann erkannte er, dass dieser Weg für ihn nicht der richtige ist. Dauerhaft alleine leben und Großgemeinden managen – so hatte er sich sein Leben als Pfarrer nicht vorgestellt. Reformen wie die Abschaffung des Zölibats lehnt der 31-Jährige ab. 

Benjamin Kalkum im Gespräch mit Christiane Florin

f6b08092096f8d22ea047a67241fe6a9v1_max_755x425_b3535db83dc50e27c1bb1392364c95a2
Das Foto vom 05.12.2015 zeigt acht Männer bei ihrer Weihe zum Diakon in Teublitz (Bayern). (dpa/picture-alliance/Bistum Regensburg)

Christiane Florin: Herr Kalkum, wir haben uns vor knapp drei Jahren, 2014, schon einmal für ein Interview getroffen. Damals standen Sie kurz vor der Weihe zum Diakon, also die Vorstufe zur Priesterweihe war das. Sie haben gesagt: „Das ist mein Weg, dessen bin ich mir sicher“. Inzwischen haben Sie das Priesterseminar verlassen. Was hat Sie nicht mehr so sicher sein lassen?

Benjamin Kalkum: Man merkt irgendwann, dass die Lebensform, für die man sich entschieden hat, anders ist als das, wofür man glaubte sich entschieden zu haben.

Florin: Klingt kompliziert. Hat es mit dem Zölibat zu tun?

Kalkum: Nein, eher damit, dass es eine Sache ist, sich mit dieser Lebensform im Priesterseminar auseinanderzusetzen, dass man diese Lebensform aber eigentlich noch nicht wirklich lebt. Natürlich lebt man ohne Sexualität auch schon im Priesterseminar.

Florin: Wenn man regelkonform lebt.

Kalkum: Wenn man sagt: „Das machen eigentlich alle, wer es nicht macht, ist selbser schuld“. Daran merkt man, dass es nicht allein um Sexualität geht. Den Schritt, aus dieser Gemeinschaft heraus, die einen ein Stück weit getragen hat, den habe ich unterschätzt: einerseits während der Ausbildung in einem Haus zu leben mit vielen anderen, mit denen man sich austauscht, mit denen man eine fast familienähnliche Gemeinschaft bildet, mit allen Höhen und Tiefen und Schwierigkeiten, die Familien mit sich bringen; andererseits auf einmal ganz auf sich alleine gestellt zu sein. Ich würde sagen, das ist ein viel entscheidenderer Unterschied als einfach die Frage: Zölibat ja oder nein? Auch der Zölibat ist Teil einer Lebensform, die viele Aspekte umfasst.

„Priesterausbildung: „Ich bin gescheitert, nicht die Kirche““ weiterlesen

Der Nonkonformist, der Katholik ist – eine Reportage

und ewig läuft der Spießer…!

Ein Archivbeitrag (Mai, 2015) von Deborah Görl

Die Betrachtung der katholischen Kirche in Deutschland deprimiert. Fast täglich liest man von Verunstaltungen von Kirchen durch ästhetisch fragwürdige Raumgestaltungskonzepte, die meist sogar die Umbaumaßnahmen im Zuge der Liturgiereform an Geschmacklosigkeit weit übertreffen. Einige Zeilen weiter wird vom Abriss einer Kirche mangels Gläubigen berichtet. An anderer Stelle glänzen kirchliche Würdenträger durch Aussagen, die – euphemistisch ausgedrückt – selbst eine Herausforderung für die eingefleischtesten Kritiker darstellen. Manchmal versteht man sie auch überhaupt nicht, denn sie klingen zu sehr nach Corporate-Social-Responsibility-Broschüre eines beliebigen Dax-Unternehmens – hohl und leer. Und nicht selten fragt man sich einfach nach den Gründen für die Vielzahl von Hirten, denen ihr Priestertum sichtlich unangenehm ist und die eigentlich lieber politikerartige Wesen oder irgendetwas anderes wie NGO-Pressesprecher wären.

„Der Nonkonformist, der Katholik ist – eine Reportage“ weiterlesen

sadhfaksdfa

Kristina Ballova: Die Frau mit Eigenschaften

Kristina Ballova hat einen eignen Blog gegründet. „Frau mit Eigenschaften“ heißt er und sie schreibt darin über Mode, Reisen und Lifestyle ebenso wie über Kunst, Kultur und Glaube. Robert Musil beschrieb in seinem berühmten Roman den „Mann ohne Eigenschaften“, den beliebigen, beflissenen und belanglosen Streber. Männer ohne Eigenschaften gibt es leider viele. Frauen mit Eigenschaften sind individuell, innovativ und inspirierend. Kristina ist so eine Frau! The Cathwalk hat sie im Sommer getroffen und ihr ein paar Fragen zu ihrem Projekt gestellt.

Liebe Kristina, überforderst du mit sinnlichen Bildern vom Canale Grande in Venedig und Artikeln über Melania Trump eigentlich absichtlich den typisch biedermeierlich-spröden deutschsprachigen Katholiken, der viel lieber über Freimaurer, den kommenden Weltuntergang und die jüngste Gesangsleistung seines örtlichen Kirchenchores diskutiert? Ist dein Blog mehr ars gratia artis, oder verfolgst du eine Mission und ein Ziel?

Ja, ich überfordere gern. Nicht als Selbstzweck, sondern als Anregung zum Denken. Gerade bei den von Dir angesprochenen konservativen Katholiken ist das wichtig; sie sind oft gut gebildet, aber denken bisweilen sehr eng. Da kann etwas Provokation inspirierend sein: Speak in extremes, it will save you timetextete David Bowie. Beim persönlichen Blog ist auch etwas Selbstdarstellung unverzichtbar. Dabei achte ich darauf, mir selbst treu zu bleiben. Von einer „Mission“ kann ich noch nicht sprechen, da sich „Frau mit Eigenschaften“ in den nächsten Monaten erst herauskristallisieren muss. Es verläuft noch spontan und spielerisch, und ich bin selbst gespannt, was herauskommen wird.

2016-07-10-19-33-26-1024x678
Überfordert gerne: Kristina Ballova

Wesentliche theologische Prägungen hast du im Zisterzienserstift Heiligenkreuz bekommen. Welche Erlebnisse, Aufenthalte und Lektüren haben sonst noch dein Denken geprägt?

Spirituell bietet Heiligenkreuz fast alles. Dies wird mir immer klarer. Zu viel Theologie als rein intellektuelle Tätigkeit benebelt den Verstand und schwächt den Glauben. Die Hochschule in Heiligenkreuz legt viel Wert auf Spiritualität, Liturgie und Gebet. Das ist dort das Fundament der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Gott. In Wien und Dresden vermisse ich das. Balthasars „kniende Theologie“ überzeugt mich mehr als eine Theologie, die nur von den Menschen und nicht mehr von Gott spricht.

Geprägt wurde ich in meiner katholischen Familie als ältestes von acht Geschwistern, aber auch im bischöflichen Internatsgymnasium in Nitra. Der gelebte Glaube ist eine gute Schule. Die Philosophie habe ich bei Kierkegaard entdeckt, für ihn habe ich geschwärmt. Inspirierend sind für mich Menschen mit Brüchen im Leben, über die sie reflektieren. In der Theologiegeschichte fällt mir dazu Abelard ein. Aber es gibt die Abelards auch in der Gegenwart. Wir pflegen Kontakte zu sehr verschiedenen Typen, mit ganz unterschiedlichen Überzeugungen und Prägungen. Das bringt uns voran. Wichtig ist, sich immer wieder selbst neu zu erfinden, sagt Karl Lagerfeld, aber dazu muss man eben wissen, was dieses „sich“ ist. Ich hoffe, es gelingt mir.

Bilder: Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz im Wienerwald. Spirituelles Zentrum seit 1133.

Wie denkst du über Liturgie als besonderes ästhetisches Signum unseres katholischen Glaubens? Bist du eine Verfechterin der tridentinischen Messe? Oder sieht man dich sonntags eher wie Ministerpräsident Tillich in der Dresdner Hofkirche?

Über alte und neue Messe habe ich vor meiner Zeit in Heiligenkreuz nie nachgedacht. In der Slowakei hatten wir eben die Heilige Messe, das war die nachkonziliare. Ich habe sogar Gitarre in der Schulmesse gespielt. Mit meiner Familie sind wir manche Jahre täglich zur Messe gegangen und waren dabei sehr fromm.

Entdeckt habe ich die tridentinische Messe zum ersten Mal in Heiligenkreuz durch Pater Dominicus, der sie im alten Zisterzienser Ritus zelebrierte. Diese Art von Liturgie war das, wonach ich mich innerlich lange sehnte. Es ist aber für mich keine Glaubensfrage. Ein offenes Herz schätze ich mehr als makellos durchgeführte Riten.

Dresden fühlt sich manchmal wie eine religiöse Wüste an. Sonntags sieht man uns in der Regel in der Hofkirche. Als ein ästhetisches und spirituelles Erlebnis würde ich das nicht einstufen, aber immerhin trifft man die bürgerliche Gesellschaft und meinen Yoga-Lehrer. Wenn wir liturgisch auftanken wollen, fahren wir nach Prag. Dort zelebriert ein Theologieprofessor tridentinisch, der in seinem ganzen Auftritt und Wesen das alte, katholische Europa verkörpert. Er hat auch unseren Sohn Sixtus getauft. In der Osternacht hatte er drei französische Patres vom Institut Christus König eingeladen, die ein levitiertes Hochamt zelebrierten; wir hatten alle Gänsehaut.

c816ea9337
Bildquelle: Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz im Wienerwald. Spirituelles Zentrum seit 1133.

Stört es dich, mit Maximilian Krah in Verbindung gebracht zu werden? Was müsste ein Mann für körperliche und intellektuelle Fähigkeiten haben, den du heiraten würdest?

13227583_10201653945066422_7169726291098306340_o
Familienglück mit Sohn Sixtus

Nein, es stört mich nicht. Er ist ein toller Mann, auch wenn es kaum jemand außer ihn schafft, mich wütend zu machen. Liebe bedeutet für mich Eins sein zu wollen. Zu verstehen, was der andere macht, was ihn treibt, Gemeinsames zu schaffen. Das heisst nicht, dass ich ihn nie skeptisch betrachte. Frau mit Eigenschaftenist mein Projekt, da gehe ich meinen eigenen kreativen Weg. Klar frage ich ihn auch nach einer Meinung und schätze ihn vor allem als Fotografen. Er hat ein Auge für mich, da mich auch keiner sonst so kennt. Meine Sehnsüchte, Leidenschaften, aber auch Nöte.

Ein Mann, den ich heiraten würde, muss stark sein, um mich auszuhalten. Und darf mich nicht langweilen. Das ist das Wichtigste. Was das Körperliche angeht, bin ich nicht festgelegt. Ich mag Maximilian als den sehr großen Mann im Anzug, dessen Gesicht man sich merkt, aber diese Sachen sind zweitrangig. Es um Charisma und Intellekt, Momente, in denen man merkt, dass die Herzen im gleichen Rhythmus schlagen. Den Glauben an Gott möchte ich bei ihm auch nicht missen.

idsfhdsafhdioWenn man deine Artikel zum Thema Mode liest, merkt man, dass es dir ein Anliegen ist, Mode aus der versnobten und allzu exklusiven Ecke herauszuholen. Was empfiehlst du Frauen, die mit ihrem Äußeren total unzufrieden sind und es deshalb aufgegeben haben, sich chic zu kleiden? Was empfiehlst du Frauen, die sich gerne chic anziehen würden, denen es aber am nötigen Kleingeld mangelt?

Wer mit seinem Äußeren unzufrieden ist, sollte eine kleine Veränderung wagen. Eine andere Frisur, vielleicht eine neue Sportart, die zu einem besseren Körperbewusstsein führt und die Figur formt. Eleganz beginnt mit sich selbst, nicht mit Kleidung. Wenn es um den Kleiderschrank geht, empfehle ich in hochwertige Basics zu investieren. Das Beste ist, anders zu sein und kreativ zu kombinieren. Dann hat man einen eigenen Stil und steht nicht im direkten Vergleich mit wohlhabenden Mädchen.

Was für Pläne hast du beruflich in der nächsten Zeit? Sehen wir dich in ein paar Jahren als selbstbewusste Hausfrau, EKD-Bischöfin oder Politikerin im Europaparlament?

Als Mutter eines Kleinkindes kann ich zwar viele Pläne haben, aber der Alltag erlaubt wenig davon umzusetzen. So sehr ich es genieße, mich ganz intensiv um Sixtus zu kümmern, weiß ich doch, dass es mich nicht dauerhaft ausfüllen wird. Kurzfristig stehen mein Studienabschluss und die Entwicklung von „Frau mit Eigenschaften“ an. Der Blog ist meine Visitenkarte und mein Bewerbungsschreiben für die Aufgaben, die auf mich warten, ohne dass ich sie heute schon kennen würde.

2016-07-10-19-48-29

Ein Jahr „Cathwalk“ – Jetzt spricht der katholische Dr. Mabuse!

„The Cathwalk ist auch der ‚Wake-Up-Call‘ für die selbstzufriedenen, selbstverliebten und selbstgerechten Katholiken.“ Gründer und Herausgeber von The Cathwalk Matthias Jean-Marie Schäppi über 1 Jahr www.thecathwalk.net

Lieber Matthias, was ist dein Lieblings-Artikel aus 365 Tagen The Cathwalk?

Me
Herausgeber und Gründer: Matthias Jean-Marie Schäppi

Eine schwierige Frage. Ein Jahr Cathwalk bedeutet auch 365 Artikel. Wir haben zwar mit der Devise angefangen, nur einmal in der Woche einen Artikel zu publizieren, aber nach wenigen Monaten schon konnten wir dieses Angebot so ausbauen, dass wir nun mindestens einen Artikel pro Tag veröffentlichen. Einen Lieblingsartikel hab ich als Chefredakteur natürlich nicht. Am meisten Gefallen finde ich an literatur- oder kulturwissenschaftlichen Abhandlungen, weil ich mich persönlich dadurch auch weiterbilde und neue Dinge erfahre. Am meisten Spaß machen die provokanten Artikel, die schon manche Eiferer zur Weißglut treibt und den Pharisäer in ihnen aufblitzen lässt.

Der Beginn von Cathwalk war ja sehr turbulent. Warum diese deutlichen Worte zu Beginn?

Wenn man die publizistische Bühne betritt und den Anspruch hat von einer breiten Leserschaft zur Kenntnis genommen zu werden, muss man dies mit einem Coup tun. Ein solcher Effekt ist uns sicherlich mit dem inzwischen berühmt-berüchtigten „Krah-Interview“ gelungen. Nichts ahnend sprach der Dresdener Rechtsanwalt frei von der Leber, weshalb er lange Wickelröcke hässlich findet. Das mediale Echo (mit inzwischen über 70.000 Klicks) war enorm. Über Nacht wurden wir von katholischen Medien und Bloggern zitiert und als „Mitspieler“ akzeptiert.

In der ersten Zeit ging es dann zunächst darum, unserem Ruf als „Skandal-Portal“, wie wir genannt wurden, gerecht zu werden. Also viel „Trümmer-Literatur“, wie ich es nennen würde. Aufräumen mit dem alten traditionalistischen Mief, der völlig haltlos ist. Mit der Zeit hatten wir dann auch wieder die Masse der „Protestleser“ vertrieben und konnten beginnen, Artikel über das Gute, Wahre und Schöne zu bringen. Das hatte zur Folge, dass wir anfangs 30.000 regelmäßige Leser hatten und dann wieder bis auf 5.000 „gesunken“ sind. Aber seither bauen wir unsere Leserschaft wieder kontinuierlich auf, so dass ich stolz bin, für den Monat September einen neuen Leserrekord mit 32.000 (Unique-)Lesern erzielt zu haben. Damit liegen wir noch vor dem Onlineangebot der Tagespost 😉

Manche Kritiker sprechen schon mal von „Boulevard“, wenn sie von The Cathwalk sprechen. Stört dich das?

Nein, das stört mich überhaupt nicht! Selbstverständlich machen wir mitunter auch Boulevard-Katholizimus. Man muss nicht immer den hl. Thomas oder Rahner zitieren, wenn man sich zu theologischen Fragen äußert. Damit erreicht man nicht die Masse. Man muss einfach und verständlich argumentieren. Man muss laut sein, Krach machen, steile Thesen aufstellen und provozieren. Es muss auch nicht alles richtig sein. Das ist gar nicht unser Anspruch. Unser Anspruch ist: Diskussionen entfachen, Leser dazu zu bringen, das, was ihnen bisher selbstverständlich erschien, auch mal in logische Argumente zu verpacken. The Cathwalk ist nicht die „Akte des Lehramts“, wir sind der „Wake-Up-Call“ für die selbstzufriedenen, selbstverliebten und selbstgerechten Katholiken.

Bilder aus einem Jahr Cathwalk 

Welche der wüsten Beschimpfungen aus der Leserschaft hat dich persönlich getroffen?

Ich bin seit über zehn Jahren im publizistischen Bereich tätig und trage Verantwortung. Kritische Leserkommentare sind für mich keine Neuigkeit. Die Diffamierung erreichte allerdings zu Beginn eine – auch mir – neue Dimension. Ich hatte nicht auf Zustimmung gehofft, aber dass viele Rechtskatholiken, verschrobene Puritaner und Krypto-Calvinisten einen derartigen Offenbarungseid leisteten, war nicht zu erwarten. Von daher war dies auch wieder eine gute Nachricht. An uns scheiden sich die Geister und das ist gut so!

Was mich persönlich vielleicht am meisten getroffen hat, ist, dass ich sehen konnte, wie viele traditionalistischen Menschen mit großem Eifer eine Religion betreiben, die sie nicht verstehen und die mit dem Katholizismus nichts zu tun hat. Das war wirklich erschreckend. Da gehen diese „frommen“ Menschen (teilweise sogar täglich) in die Kirche, beten bis es raucht und ziehen dann bei nächster Gelegenheit vom Leder über andere Katholiken, die es nicht genauso machen.

Was sind das für Leute?

Das sind, wie Dr. Tobias Klein bei uns auf dem Cathwalk einmal passend schrieb, „Menschen, die den Eindruck erwecken, sie könnten sich nicht so richtig auf den Himmel freuen, wenn sie dabei nicht die zusätzliche Genugtuung haben, dass möglichst viele andere Leute in die Hölle kommen.“ Es gibt viel zu viele Pharisäer unter den Katholiken…

Zurück zu Deinem Onlinemagazin. Hat sich durch Cathwalk etwas in der katholischen Medien-„Szene“ geändert?

Mit Cathwalk ist zumindest ein „Game-Changer“ im Rennen. Wir haben mittlerweile über 30.000 Cathwalk-Leser im Monat, überwiegend aus der Altersgruppe 18-34. Wir erreichen diese Menschen und wer dies als katholisches Medium ebenfalls tun möchte, muss sich an unseren Methoden zumindest orientieren. Ich sage damit nicht, dass wir alles richtig machen und dass wir der einzige Weg sind; was ich sage, ist: wir haben zweifelsohne Erfolg und werden von unserer Zielgruppe auch gelesen.

Junge Menschen bei uns interessieren sich für Mode, Musik, Kino, vielleicht Literatur, oder sagen wir es allgemein: Lifestyle. Wir bieten ihnen diese Themen garniert mit einer Portion Spiritualität und Glaubensimpulsen. Wenn man nur Kino macht, hat man keinen Erfolg. Wenn man nur die Pressemeldungen des Vatikans veröffentlicht, ebensowenig. Und moralinsaure Höllenpredigten haben auch geringe Erfolgsaussichten. Eine ausgewogene Mischung ist entscheidend.

Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass wir versuchen ganz nahe an den Leser zu gehen. Wir veröffentlichen viel über Erotik und Sexualität und die Pervertierung davon: Pornographie. Wir tun dies aber nicht mit erhobenem Zeigefinder, sondern mit rationalen Argumenten, und das erkennen junge Leser schnell: Ob man ihnen ein schlechtes Gewissen einreden oder ihnen Hilfestellung anbieten will.

Für kontroverse Diskussionen sorgt ja auch stets die 7 Vorurteile – Reihe. Ist katholische Dialektik nicht gefährlich heutzutage? Wäre ein klarerer Kurs nicht besser?

Die Glaubwürdigkeit der Medien liegt am Boden. Als hauptsächlicher Grund würde ich die selbstverschuldete einseitige Berichterstattung anführen. Auch katholische Medien berichten sehr einseitig. Entweder konservativ oder progressiv. Als wir unser Onlineportal gegründet haben, war einer unserer Grundsätze: Wir wollen Katholizismus in all seinen Lebensrealitäten abbilden. Selbstverständlich hat unsere Redaktion Grundsätze und publizistische Leitlinien. Aber ich sag mal so: Über alles was die katholische Kirche nicht als Dogma verkündet hat, darf gerne leidenschaftlich diskutiert werden. Das Schöne am Katholizismus ist doch gerade seine Vielfältigkeit, und die wollen wir auch voll ausspielen.

Wir sind mit Sicherheit nicht das Medium der Konservativen, aber auch von den Progressisten mit dem „Hurra-Katholizimus“ lassen wir uns nicht anstecken. Aber wir bringen – nach Möglichkeit – immer beide Seiten zu einem Thema. Die 7-Vorurteile-Reihe ist als solches Tool ideal. In der einen Woche freuen sich die einen und von den anderen werden wir als „einseitig“ verurteilt und in der Woche danach dreht sich der Spieß um. So gewinnt man vielleicht keine Freunde, aber dafür Leser…

Katholiken sollen sich ja auch gegenseitig heiligen. Tut der Cathwalk das: Menschen heiligen und in den Himmel führen? Ist das Portal nicht viel eher ein Jahrmarkt der Eitelkeiten?

Unser Portal will die Freude und Schönheit des katholischen Glaubens aufzeigen. Nicht immer ist uns das gelungen, nicht immer wird uns das gelingen. Muss es auch nicht! Aber selbstverständlich muss es unser Ziel sein, Menschen zu Christus zu führen. Alles andere wäre irrelevantes Glasperlenspiel und dafür wäre die stundenlange Arbeit einfach zu schade.

Cathwalk ist als Projekt angelegt, von dem man nie wissen kann, wie lange es währen wird. Aber auf was dürfen sich deine Leser in der unmittelbaren Zukunft freuen?

FullSizeRenderDas stimmt. Wir sind nach wie vor ein „Projekt“. Ursprünglich auf 3 Monate angelegt, dann auf ein halbes Jahr ausgedehnt und nun beginnen wir ab heute das zweite Jahr. Das Engagement der Leser, uns Artikel zuzusenden, ist sehr lobenswert. Täglich erreichen mich neue Zuschriften. Es sind folglich viele weitere, spannende Artikel geplant. Die gewünschte Aufmerksamkeit haben wir ja jetzt, d.h. also: Vielleicht nicht mehr ganz so provokant, dafür mit umso mehr Gehalt.

Die Fragen stellte Friedrich Reusch.

Johannes Hartl: „Katholische Sexualmoral ist eine Hymne an die Schönheit der menschlichen Erotik.“

Der Cathwalk-Artikel „7 Vorurteile gegen die Abschaffung des Pflichtzölibats“ hat viele berechtigte(!) Diskussionen ausgelöst. Da wir explizit Dr. Johannes Hartl darin erwähnten, haben wir es uns nicht nehmen lassen, ihm persönlich ein paar Fragen zum Thema Zölibat und Ehe zu stellen.
13415369_1433097823382877_4755040229898998265_o

Johannes Hartls Herz brennt dafür, die Faszination und Schönheit und Gottes auf mitreißende Art und Weise zu kommunizieren. Der promovierte katholische Theologe wurde 1979 geboren und studierte Germanistik und Philosophie, bevor er mit seiner Frau 2005 das Gebetshaus Augsburg gründete, in dem seit 2011 Tag und Nacht das Gebet nicht mehr verstummen und zu dessen Veranstaltungen Tausende Besucher kommen. Er ist Autor zahlreicher Bücher und international gefragter Konferenzredner, der es versteht, geistlichem Tiefgang mit Humor, Intellekt und hoher Praxisrelevanz zu verbinden. Johannes lebt mit seiner Frau Jutta und ihren vier Kindern in Augsburg.

The Cathwalk: Lieber Johannes Hartl, würden Sie gerne in wenigen Jahren die MEHR-Konferenz mit einer von Ihnen zelebrierten Messe eröffnen?

Nein. Ich kann sehr gut damit leben, dass ich kein Priester bin und dass es geweihte Amtsträger gibt, die der Hl. Messe vorstehen und darin als Ehelose Jesus als Bräutigam verkörpern, der sich uns in der Eucharistie selbst schenkt. Und außerdem neige ich zu Unpünktlichkeit und bin deshalb froh, wenn mein Beitrag nicht gleich am Anfang einer Konferenz steht 😉

The Cathwalk: Sie sind im Kontakt mit vielen freikirchlichen Pastoren, die Familie und Hirtenamt miteinander vereinigen. Haben Sie den Eindruck, die Ehe macht diese Männer zu einem schlechteren Seelsorger?

Nein, den Eindruck habe ich nicht. Den Konflikt zwischen Familienleben und den sehr anstrengenden pastoralen Verpflichtungen jedoch spürt beinahe jeder dieser Pastoren. Paulus hat schon Recht, wenn er sagt, dass sich der Verheiratete weniger ausschließlich um seinen Dienst kümmern kann als ein Eheloser. (1 Kor 7,32f.)

The Cathwalk: Was ist aus Ihrer Sicht der Sinn des Zölibats in der heutigen Zeit?

Das prophetische Zeichen gegen den Götzen schlechthin. Einer der mächtigsten Götzen heute ist der, der romantischen Liebe und der Sexualität. Wie viele Filme enden damit, dass er und sie sich endlich finden! Ja, das ist doch die höchste Erfüllung, oder? Nein, ist es nicht. Die Überhöhung des romantischen Ideals ist ein Trugbild, das mit der Realität einer treuen Ehe weniger zu tun hat, als man denken könnte. Dass ein Mensch nicht nur ohne Partnerschaft leben kann, sondern das sogar freiwillig wählt, ist ein bedeutsames Zeichen in der heutigen Zeit. Ein Zeichen dafür, dass der Mensch für Gott erschaffen ist und bei ihm eine Liebe finden kann, die alle menschliche Erotik bei weitem übersteigt.

The Cathwalk: Ist es ein Vorurteil, dass die Kirche jahrhundertelang die Sexualität verteufelt hat, oder ist da was Wahres dran?

Da ist was Wahres dran. Allerdings gibt es ein in extrem vielen Gesellschaften stark tabuisierten und reglementierten Umgang mit der Sexualität. „Offener“ Umgang mit Sexualität ist eher eine recht moderne Erfindung. Ich glaube nicht, dass das Verklemmte genuin vom Christentum kam (in der Bibel finde ich kaum stellen für jedoch viele gegen Leibfeindlichkeit), sondern eher aus dem Neuplatonismus. Die heutige katholische Sexualmoral, allem voran wie Papst Johannes Paul II sie formuliert hat, ist eine Hymne an die Schönheit der menschlichen Erotik.

The Cathwalk: Auch eine christliche Ehe ist ja oft mit sexueller Enthaltsamkeit verbunden. Hand aufs Herz: Sind Sie manchmal neidisch auf die alttestamentarischen Könige David und Salomo, die viele Frauen hatten, ohne dass Gott was dagegen hatte?

Es ist schon wahr, dass Gott da nichts Explizites dagegen hatte. Dennoch ist die Bibel selbst schon recht skeptisch und schildert ja, dass seine vielen Frauen Salomo doch zum Verhängnis wurden. Und auch bei David lief das nicht so toll. Ich sag mal so: Ich bin ein normaler Mann. Und Treue kostet etwas. Doch Untreue kostet noch viel mehr, denn sie ist immer zerstörerisch. Und ganz ehrlich: nein, mit mehreren Ehefrauen zusammenleben würde ich nicht gerne wollen. Paulus sagt, dass der Mann verpflichtet ist, seine Frau zu lieben wie Christus die Kirche liebt (Eph 5,25). Ein ganz schön forderndes Ideal! Das mit meiner einen Frau zu versuchen reicht mir eigentlich schon als Herausforderung.

The Cathwalk: Vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

Das neueste Buch von Dr. Johannes Hartl

gott_ungezaehmt_02_360x360Es gibt eine Frage, die jede andere in den Schatten stellt. Eine Frage, an der sich das Schicksal jedes Menschen entscheidet. Sind Sie bereit? „In meinem Herzen Feuer“ zeichnet eine Reise ins Gebet nach. Das neue Buch von Johannes Hartl nimmt Sie mit auf einen theologisch-philosophischen Weg in die geheimnisvollen Regionen der Herrlichkeit Gottes. Doch er ist anders. Vergessen Sie den Opa im Himmel. Gott ist fremd. Er ist gewaltig. Unsere Denkkonstrukte zerbersten wie Tongeschirr. Er ist das Erdbeben. Es ist Zeit zum Aufbruch raus aus der spirituellen Komfortzone. Gott ist überwältigend. Gott ungezähmt.  

Hier bestellen

„Schaust du eigentlich Pornos?“

Porno – viele nicken wahrscheinlich zustimmend, dass es sich dabei um ein brandheißes Thema handelt. Tabu, aktuell, fast überall präsent. Und ein Thema, bei dem kaum jemand hilfreiche Antworten hat, auch die Christen nicht. Doch wie können wir Antworten finden und uns eine Meinung bilden? Nur indem wir uns mit Pornografie, ihren Hintergründen und Folgen auseinandersetzen und aus einem Tabu-Thema ein Thema machen. Christina Rammler tut genau das und schreibt in ihrer Einführung in „Egosex“:

Angekommen im sicheren Hafen der Ehe bietet sich uns folgender Ausblick: Abenteuer Sexualität über Bord geworfen – Meuterei auf dem Traumschiff. Ein Zufall also, dass die Scheidungsrate der Deutschen bei rund 39 Prozent liegt? Mindestens ebenso berechtigt die Frage danach, was bedauernswerter ist: die Tatsache, dass sich vier von zehn Ehepaaren scheiden lassen oder dass drei von zehn Ehepaaren den Rest ihres Lebens verheiratet und dennoch sexuell unbefriedigt bleiben? Nach sexueller Freiheit klingen diese Zahlen in der Tat nicht. In festen Beziehungen unter Mitte Vierzigjährigen werden immerhin fast 50 Prozent der sexuellen Handlungen mit dem Gütesiegel „handgemacht“ versehen. Oder um es in den Worten des Paartherapeuten und Autoren Michael Mary auszudrücken: „Masturbation ist schwer im Kommen.“ Kann es sein, dass Pornografie uns dabei hilft, über dieses Gefühl von Isolation und Entfremdung hinwegzukommen – zumindest für kurze Zeit? Ein Mittel, um endlich wieder intim zu werden und mit einem anderen Menschen eins zu werden – zumindest in Gedanken? Porno – eine Möglichkeit, damit wir uns in der Fremde endlich zu Hause fühlen?

Wir haben der Autorin einige Fragen gestellt, die uns bei dem Thema auf den Nägeln brannten.

rammler2

Sie sagen: „Pornos machen etwas mit uns – immer!“ In kurzen Stichpunkten: Was macht Porno denn mit uns?

In kurzen Stichpunkten pauschal etwas zu sagen, finde ich schwierig. Grundsätzlich ist es aber so: Die Bilder, die wir uns beim Pornoschauen reinziehen, hinterlassen Spuren in unserer Seele. Die Folge: Wir sehen uns selbst und andere durch die Pornobrille. „Alles kleine Luder, die immer wollen!“, so hat es ein Interviewkandidat beschrieben. Und klar füttert Porno auch sexuelle Bedürfnisse, die vorher nicht da waren, die dann aber gestillt werden wollen.

„„Schaust du eigentlich Pornos?““ weiterlesen

Ein Gespräch über den Weg zum Glück und den wahren Sinn des Lebens

Im Zeichen der Barmherzigkeit: Papst Franziskus und 1000plus!  

„Papst Franziskus verkörpert für mich die liebende Barmherzigkeit Gottes“ – „1000plus ist wie ein Achtes Werk der Barmherzigkeit“.

ROM/ROTTENBURG (The Cathwalk). – Weihbischof Thomas Maria Renz (Bistum Rottenburg-Stuttgart) nahm an der 1000plus-Privataudienz bei Papst Franziskus teil. The Cathwalk erzählte er, warum er ein großer Fan sowohl von 1000plus als auch von Papst Franziskus ist.

01968_17062016
Weihbischof Renz über Papst Franziskus: „Wir wissen aus vielen seiner Äußerungen, dass er gerade dem Einsatz für das ungeborene Leben höchste Priorität einräumt.“ (Foto: L’Osservatore Romano)

Sie unterstützen 1000plus schon seit mehreren Jahren. Was macht dieses Projekt aus Ihrer Sicht so besonders?

Ich bin von Anfang an und je länger desto mehr begeistert von der durchgehend positiven Sicht des Lebens, die 1000plus vermittelt: dass das Leben etwas ganz Wunderbares und ein riesengroßes Geschenk ist! Das fängt beim Werbematerial an, das nicht nur viele fröhliche Kindergesichter zeigt, sondern auch die eminent wichtige Botschaft vermittelt, dass jeder Mensch von Anfang an, so klein und unscheinbar er auch sein mag, unendlich kostbar, einzigartig, gottgewollt, liebenswürdig und schützenswert ist. Und es setzt sich fort durch die Art und Weise, in der die Beraterinnen von 1000plus Frauen in Schwangerschaftskonflikten helfen, nämlich verständnisvoll, zuhörend, Zeit schenkend, wertschätzend, hilfsbereit, mitfühlend, motivierend, ermutigend, humorvoll und nicht zuletzt: für sie betend. Wenn Jesus Christus das Ziel seines Kommens in unsere Welt auf den Punkt gebracht hat mit dem Wort: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10), dann dient 1000plus auf überzeugende Weise genau diesem Ziel.

„Im Zeichen der Barmherzigkeit: Papst Franziskus und 1000plus!  „ weiterlesen

Kurienerzbischof Georg Gänswein im großen EWTN-Interview mit Paul Badde

Papst Benedikt XVI. begeht in dieser Woche sein 65-jähriges Priesterjubiläum. Zu diesem Anlass sendete EWTN gestern ein exklusives Interview, welcher der Rom-Korrespondent Paul Badde mit seinem Privatsekretär und Kurienerzbischof Georg Gänswein geführt hat.

Siehe auch: Wie Papst Benedikt heute zu seinem Rücktritt steht: Interview mit Erzbischof Gänswein

Überschrift entnommen bei Petra Lorleberg, kathTube

Ein „Interview“ mit der Heiligen Edith Stein über Gender

Was die große Kirchenlehrerin, Frauenrechtlerin, Philosophin über die Thesen von „Gender“ sagen würde – Von und mit Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

Was würde diese große Intellektuelle und Heilige über die umstrittene “Gender”-Theorie sagen? Diese wird zwar verurteilt von allen Päpsten seit ihrem Aufkommen, von zahlreichen Kardinälen und Bischöfen sowie jüngst den Berichten der Familiensynode – auch dem der deutschen Gruppe. Aber Gender wird trotzdem von manchen Theologen und sogar in einer von der Deutschen Bischofskonferenz publizierten Broschüre vertreten, die behauptet, dass “Gender katholisch gelesen” werden könne.

„Ein „Interview“ mit der Heiligen Edith Stein über Gender“ weiterlesen

Neuer Kinofilm über Stefan Zweig

Interview mit Regisseurin und Mit-Drehbuchautorin Maria Schrader zum neuen Film: „Vor der Morgenröte“

Stefan Zweig emigrierte aus Österreich bereits im Februar 1934, nachdem der Einfluss der Nazis auch in Österreich spürbar und Zweigs Haus durchsucht wurde. 1935 wurde er in Deutschland in die Liste der durch die neuen Machthaber verbotenen Autoren aufgenommen. Nachdem sich Stefan Zweig 1938 von seiner ersten Frau Friderike hatte scheiden lassen, heiratete er seine Sekretärin Charlotte (Lotte) Altmann. Dennoch blieb er im freundschaftlichen Kontakt zu seiner ersten Frau. Mit Lotte reiste er von London nach Amerika: Über New York, Argentinien und Paraguay kam Stefan Zweig 1940 in Brasilien an, wo er stürmisch gefeiert wurde. Am 23. Februar 1942 nahm sich Zweig in Petrópolis bei Río de Janeiro das Leben. Lotte folgte ihm in den Tod.

„Neuer Kinofilm über Stefan Zweig“ weiterlesen

„Spiegel des Wahnsinns“

Immer rasender dreht sich die Welt, jede Sekunde rauschen unzählige Meldungen, Zahlen, Kurioses, Spektakuläres und Nebensächliches an uns vorbei. Peter und Jakob John Seewald machen den Irrsinn unserer Zeit sichtbar: Mit genauem und kritischem Blick zeigen sie Zusammenhänge auf, die uns in der Flut der täglichen Nachrichten verborgen bleiben. Ergänzt durch kluge Essays zu den drängenden Fragen unserer Zeit entsteht so ein faszinierendes Protokoll einer sich rasant verändernden Welt, ein Spiegel des Wahnsinns, der den Planeten an den Rand des Abgrunds bringt. Ein Augenöffner, ein aufrüttelnder Appell, sich um eine humanere Welt zu bemühen.

12243503_10207877214465508_63688451208453908_n

The Cathwalk traf Jakob John Seewald zum traditionellen bayrischen Weißwurstfrühstück.

Herr Seewald, Sie haben gerade zusammen mit ihrem Vater Peter Seewald das Buch „Welt auf der Kippe“ veröffentlicht. Der Titel klingt ja ziemlich dramatisch. Steht es wirklich so schlecht um uns?

In vielen Bereichen ist tatsächlich ein point of no return erreicht. Nehmen wir den Bereich der Ökologie. Gerade findet in Paris die UN-Klimakonferenz statt. Regierungen diskutieren, wie wir unseren Planeten retten können. Um das Antlitz der Natur zu bewahren, kommen wir allerdings ein bisschen zu spät.

Wir richten uns selbst. Durch unser Verhalten. Durch unseren Mangel an Achtsamkeit – letztlich auch durch unser Denken, also unseren Glauben. Mögen wir ihn theistisch definieren oder atheistisch? Wir akzeptieren die Ausbeutung dieser Erde, die Verrohung unserer Kultur und den Schmutz, dem die Kinder heute ständig ausgesetzt sind. Der Ehrliche ist heute der Dumme, der Betrüger der Hero und der Skandalist das Vorbild. Die Schamlosen diktieren den way of live.

„„Spiegel des Wahnsinns““ weiterlesen

„Wie muss die Sexualität gelebt werden, dass sie den Menschen glücklich macht?“

Mareike Sornek über das Apostolat 2.0, Theologie des Leibes und wahre Schönheit im Gespräch mit The Cathwalk

CW: Liebe Mareike, beim Wort „Apostolat“ denken viele Katholiken an Bücherstände in Fußgängerzonen, bei denen man dann mit den Zeugen Jehovas verwechselt wird – ist die persönliche Kontaktaufnahme zu den Menschen nicht mehr zeitgemäß?

Mareike Sornek, Jahrgang 1987, Religionspädagogin, ist in der Jugend- und Studentenpastoral tätig. Journalistische Erfahrung hat sie auf verschiedenen Blogs und im You!-Magazin gesammelt. Ein Spezialgebiet von ihr ist die Lehre von der „Theologie des Leibes“.
Mareike Sornek, Jahrgang 1987, Religionspädagogin, ist in der Jugend- und Studentenpastoral tätig. Journalistische Erfahrung hat sie auf verschiedenen Blogs und im You!-Magazin gesammelt. Ein Spezialgebiet von ihr ist die Lehre von der „Theologie des Leibes“.

Das Internet ist wichtig, keine Frage. Aber ich denke dennoch, dass der persönliche Kontakt ebenfalls wichtig ist und immer zeitgemäß bleibt. Es hat ja einen Grund, warum es keine Online-Kirche gibt. Den Glauben längerfristig leben, das geht nicht virtuell. Es braucht ein Leben in der realen Welt, die Begegnung mit Menschen, die Gemeinschaft, die Messe etc. Es ist anders, wenn man Menschen persönlich begegnet als im Internet und so denke ich auch, dass auch die Mission, wie z.B. auf der Straße, echt wichtig ist und Menschen berühren kann. Allerdings gibt es verschiedene Arten, Menschen zu begegnen. Ich persönlich bin nicht so der Typ, der einfach auf fremde Leute zugeht und sie direkt mit der Frage nach Gott konfrontiert. Lieber mag ich es, wenn ich die Menschen erst einmal auf eine lockere Art kennenlerne, wie durch Sport, Musik oder sonstige Aktivitäten, und mit ihnen dann in ein Gespräch über Gott komme. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, dass sich die Menschen erst einmal angenommen und wohl fühlen, bevor man wirklich tief über den Glauben sprechen kann.

Aber ich verurteile auch andere „Missionswege“ bzw. Wege des Apostolats nicht. Ich glaube, dass es stark davon abhängt, was man persönlich für ein Typ ist. Manche können das eine, manche das andere besser. Und auch mag das eine bei einer Person gut ankommen, bei einer anderen Person eher das andere. Während sich die einen durch persönliche Gespräche berühren lassen, können andere vielleicht eher übers Internet erreicht werden. Es ist halt voll verschieden. Selbst mit Hausbesuchen, wie es die Zeugen Jehovas machen, kann man manchmal echt Menschen erreichen, auch wenn ich den Glauben der Zeugen Jehovas selbst natürlich ablehne. Aber es gibt auch Katholiken, die Hausbesuche machen und echt schöne Erlebnisse zu berichten wissen.

CW: Wie kamst Du auf die Idee zum Video „Pornografie, Fifty Shades of Grey & die wahre Liebe“? Gab es besondere Reaktionen hierauf?

Ja, es gab viele Reaktionen darauf, die alle positiv waren, was mich sehr gefreut hat.

Den Poetry Slam – Beitrag hatte ich bereits vor ein paar Jahren für das You!-Magazin geschrieben, wo er auch erschienen ist. Mir ist dann später die Idee gekommen, ihn zu filmen, da ich oft Blogs zum Thema Liebe und Sexualität schreibe und mal etwas anderes machen wollte. Und eigentlich ist ein Poetry Slam – Beitrag auch eher dafür gemacht, ihn zu hören und nicht zu lesen.

„„Wie muss die Sexualität gelebt werden, dass sie den Menschen glücklich macht?““ weiterlesen

Häresie der Hässlichkeit: Katholische Ästhetik und ihr Feind

The Cathwalk im Gespräch mit Dr. Maximilian Krah, Vollblutanwalt, Vollblutkatholik und Vollblutvater aus Dresden.

Maximilian Krah, *1977, Deutscher, lebt in Dresden, hat in Dresden Jura (Dr. iur.) und in London und New York Betriebswirtschaft studiert (M.B.A.), interessiert sich für Kunst, Literatur, Philosophie, Theologie, Mode und Politik. Verheiratet, fünf Kinder, katholisch.
Maximilian Krah *1977, Deutscher, lebt in Dresden, hat in Dresden Jura (Dr. iur.) und in London und New York Betriebswirtschaft studiert (M.B.A.), interessiert sich für Kunst, Literatur, Philosophie, Theologie, Mode und Politik. Verwitwet, fünf Kinder, katholisch, Christdemokrat.

Herr Doktor Krah, Sie prägten einst den Ausdruck „lange Wickelröcke sind unmoralisch, weil hässlich“ – durch welche Milieubeobachtungen sind Sie zu diesem Schluss gekommen?

Mir scheint, dass manchen Protagonisten dieses sonderbaren Hangs zu langen Röcken überhaupt nicht klar ist, wie abstoßend sie die ganze katholische Traditionsbewegung erscheinen lassen. Es erzeugt bei geistig gesunden Menschen einen innerlichen Widerstand, sich zu einer so demonstrativ hässlich auftretenden Gruppe hinzu zu gesellen. Die katholische Lehre assoziiert das Gute mit dem Schönen; Gott ist schön, Ästhetik, Stil, Geschmack sind deshalb positiv. Umgekehrt ist das Hässliche schlecht. Eine Moral, die zu hässlicher Kleidung aufruft, ist Widermoral.

Dr. Maximilian Krah mit Familie: Vollblutanwalt, Vollblutkatholik und Vollblutvater aus Dresden.
Dr. Maximilian Krah mit Familie: Vollblutanwalt, Vollblutkatholik und Vollblutvater aus Dresden.

Als Kenner der katholischen Szene verurteilen Sie scharf einen präpotenten, frauenfeindlichen und auf seine eigene Art und Weise unschamhaften Moralismus. Wo liegen aus Ihrer Sicht die Wurzeln dieses pathologischen Phänomens?

Es gibt viele. Wir müssen uns klar machen, dass die religiöse Welt vieler Katholiken mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zusammengebrochen ist. Diese Leute halten einfach an dem fest, was bis dahin war. Das ist nicht falsch. Aber sie dehnen es auf alle Bereiche des Lebens aus. Vor 1960 trugen Frauen keine Hosen oder kurze Röcke – also lehnen wir es auch jetzt ab. Man macht einfach aus pastoralen oder geschmacklichen Fragen dogmatische. Das ruiniert die Dogmatik, die Pastoral und den Geschmack. Schauen Sie, die Modernisten erklären jede Wahrheit zu etwas zeitabhängigem. Damit ist letztlich ein seiender Gott nicht mehr zu begründen. Die falsche Antwort zu vieler Konservativer ist es nun, jede Angelegenheit zu unveränderlichen Wahrheiten zu erklären. So wird aus Mode, die schon dem Wort nach zeitabhängig ist, plötzlich ein dogmatisches Problem. Das ist intellektuell unterirdisch und in der praktischen Konsequenz hässlich.

Hinzu tritt eine generelle Verklemmtheit Frauen gegenüber. Bis in die 1950er war wirtschaftlicher Wert eine Konsequenz aus Muskelkraft und damit männlich. Heute ist wirtschaftlicher Wert eine Konsequenz aus Intelligenz und Kommunikation, und darin sind Frauen nicht schlechter als Männer. Also hat sich auch das Rollenverhältnis neu justiert. Das vermögen aber nicht alle nachzuvollziehen und erklären nun das frühere Rollenbild zu einem Dogma, weil sie nicht begreifen wollen, dass Mode, Stil, auch Geschlechterrollen ganz praktische, irdische Ursachen haben.

Und schließlich spielt unerfüllte Sexualität eine Rolle, gerade im konservativen religiösen Milieu mit seiner Überbetonung des Sechsten Gebotes. Wer sich als Mann zu viele Gedanken über die Kleider fremder Frauen macht, sollte beichten gehen und sich eine Freundin suchen.

3. Wie könnte ein sozusagen katholisch-barocker Gegenentwurf zu derlei jansenistischen Engführungen aussehen?

Ich mochte den Versuch des Papstes Benedikt XVI. Er betonte die Vernunftmäßigkeit des Glaubens. Das ist sicher nicht für jeden ein Ansatz, aber in unserer Zeit hat er das Potential, zumindest die tonangebenden Schichten zu erreichen. Und ich würde ihn ausdehnen; nicht nur die Vernunft, auch die Ästhetik sollte Kennzeichen des Katholizismus sein. Ästhetik schützt dabei auch vor Vulgarität, und zwar viel besser als starre Kleidungsregeln, die ja nur solange halten, wie sie auch durchgesetzt werden, aber nie innerlich Wurzeln schlagen.

Die Religion hat die Kultur geschaffen, deshalb kann auch über die Kultur der hinter ihr stehende Glaube wieder erstrahlen. Gerade angesichts des Islam, der keine Musik, keine Bilder, keinen Wein und keine Miniröcke haben will, vermag der Verweis auf die katholische Hochkultur doch überzeugend die Größe unseres Gottes demonstrieren. Wer aber diese Kultur auf Sektenniveau reduziert, der reduziert auch Gott. Das ist die Häresie der Hässlichkeit.

"Alle theologischen Argumente für einen religiösen Dresscode sind leicht zu widerlegen."
„Alle theologischen Argumente für einen religiösen Dresscode sind leicht zu widerlegen.“

4. Verfechter eines engherzigen Moralismus verweisen immer wieder auf das Kirchenrecht als Argumentationsgrundlage. Wie bewerten Sie aus juristischer Sicht diese Berufung?

Alle theologischen Argumente für einen religiösen Dresscode sind leicht zu widerlegen. Und kirchenrechtlich gibt es ja nicht einmal mehr das Gebot der Kopfbedeckung in der Messe, das bereits in den 1950ern in Westeuropa keiner mehr praktiziert hat. Zu recht, denn das Christentum ist gerade keine Gesetzes-Religion, sondern eine der Liebe, Vernunft und Schönheit. Man sollte sich mit diesen Haarspaltereien auch nicht zu lange befassen, es ist verlorene Zeit. Wer immer sich über Kleiderregeln religiös absondern will, ist nicht mehr Kirche, sondern Sekte. Und mit Sektierern lohnt es nicht zu diskutieren.

5. Sie vertreten die Meinung, wer ein Problem mit aufreizender Kleidung hat, habe ein Problem in seiner Hose hängen, mehr nicht – eine bewusste Pauschalisierung?

Nein, die schlichte Wahrheit. Schon als Schüler fiel mir immer auf, dass Jungs immer die Mädchen als „Schlampe“ beschimpften, bei denen sie abgeblitzt waren. Wer sich als Mann an Schönheit, und dazu gehört nunmal ein gewisser Sex Appeal, nicht still erfreuen kann, muss an sich arbeiten. Weder aggressives Anmachen noch aggressives Ablehnen sind angemessene Reaktionen, beide sind aber Ausdruck der selben persönlichen Unreife.

"Wer immer sich über Kleiderregeln religiös absondern will, ist nicht mehr Kirche, sondern Sekte."
„Wer immer sich über Kleiderregeln religiös absondern will, ist nicht mehr Kirche, sondern Sekte.“

Wer mehr über Maximilian Krah erfahren will: https://maximiliankrah.wordpress.com