WIR haben #SineDubiis unterschrieben, weil…

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Am vergangen Samstag hat The Cathwalk den Weckruf für 2017: „#SineDubiis – Wir gehen mit Papst Franziskus“ veröffentlicht. Die Initiatoren möchten sich bei all denjenigen bedanken, die uns durch Ihrer Unterschrift unterstützt und so ein wichtiges Zeichen in einer Zeit gesetzt haben, in der viele denken, „katholisch“ gehe auch ohne das vorgeschaltete „römisch“.

Unser Manifest hat ans Licht gebracht, wie fortgeschritten die im Weckruf genannten Symptome sind. Die Diskussion um #SineDubiis hat sehr deutlich gezeigt, dass – und wir übertreiben nicht, wenn wir dies sagen –, gerade bei den betont frommen Katholiken momentan eine Erosion des Glaubens stattfindet – eine Erosion des Glaubens an die hierarchische Verfasstheit der Kirche!

Unser Weckruf sollte ein kleines, aber nicht zu überhörendes Zeichen sein gegen die papstfeindlichen Schürer im Hintergrund. Ob wir effektiv gegensteuern können? Wir wissen es nicht. Aber es geht um nicht weniger als um die Aufrechterhaltung des Glaubens unter denjenigen, die sich als gläubig bezeichnen. Pharisäismus und Argwohn sind eine Pest.

Die Initiatoren Matthias Jean-Marie Schäppi & Friedrich Reusch (Chefredaktion The Cathwalk)

Hier eine Auswahl der Berichterstattung und der Auseinandersetzung mit unseren Positionen:

Wir veröffentlich im Folgenden anonymisiert ein paar Statements von Unterstützern, die uns in den letzten Tagen erreicht haben.

Ich unterzeichne diesen Weckruf, weil ich es unerträglich finde, wie einige Katholiken, die sich als rechtgläubig und sogar papsttreu bezeichnen, mit dem Hl. Vater umgehen, ihn sogar mehr oder weniger offen der Häresie beschuldigen. Man kann über Amoris laetitia geteilter Meinung sein und natürlich seine Zweifel auch sachlich äußern, schließlich leben wir in einer Demokratie mit Meinungsfreiheit, was übrigens manchem der Kritiker noch nicht bekannt ist, aber wie auch sonst macht der Ton die Musik.

Es muß eine Stimme im katholischen Lager geben, die ohne Wenn und Aber zur Kirche, zu ihrer Lehre und zum Papst steht. Das sind wir dem Zeugnischarakter des Leibes Christi und seiner Einheit schuldig. Es kann und darf nicht sein, daß die Kirche sich in Humanitaristen und Progressisten einerseits (die genausogut Frau Käßmann sein könnten) und Traditionalisten und Papstkritiker andererseits (die von ihrer Art und Weise, von ihrem Selbstverständnis nicht weit weg sind von Pius X) spaltet.

Ich habe den Aufruf gelesen gelesen und möchte mich voll und ganz damit identifizieren. Der ‚Weckruf‘ ist der Sache nach sehr stimmig und kommt zur rechten Zeit. Ich freue mich zudem für euch, dass das Ganze so breites Echo hervorruft.

Ich bin durch Radio Vatikan auf Ihren Blog gestoßen und bin sehr positiv überrascht über die klare Ansage in „sine dubiis“. Bitte nehmen Sie mich als Mitunterzeichner auf.“

Ich freue mich über Eure klare Stellungnahme zu Papst Franziskus und schließe mich ihr voll inhaltlich an.

Ihr veröffentlichter „Weckruf“ spricht mir aus tiefstem Herzen und tiefster Seele. Daher möchte ich mich diesem gerne anschließen und so meiner Unterstützung von Papst Franziskus Ausdruck verleihen.

Ich habe es mir lange durchgelesen und überlegt. Mir sind ein paar Punkte zu scharf. Ich unterzeichne es trotzdem. Denn die Ehepastoral ist zu wichtig und um die geht es.

Ich habe gerade das „Manifest/Aufruf“ gelesen und muss Euch wirklich loben, weil ihr das Anliegen vieler konservativer Katholiken aufgegriffen und auf den Punkt gebracht habt. Zwar muss ich jetzt in Kauf nehmen, dass ich von einigen Journalisten-Kollegen, die das sehen, in eine Schublade reingeschoben werde in die ich nicht hinein möchte, aber das ist mir jetzt einfach egal, weil auch mir das Anliegen einfach zu wichtig erscheint, ein Zeichen zu setzen, für Papst Franziskus.

Danke für Ihren „Weckruf“! Sie sprechen mir aus dem Herzen. Ein großer Wurf, wahrhaft römisch-katholisch.

Ich möchte mich Ihrer Aktion ausdrücklich anschließen. Ich gehe mit Papst Franziskus und möchte gerne Ihren Aufruf unterzeichnen. Als engagiere Laiin in unserer Kirche sehe ich mit Bestürzung, wie gerade sich selbst als ‚romtreue‘ Christen verstehende Menschen in bösartiger Weise gegen den Papst schießen, sobald er Ihnen unbequeme Wege beschreitet. Wir brauchen keine herrschaftliche, vor allem autoritäre und dogmatische Kirche. Wir müssen den Geist des Evangeliums wieder unter die Menschen tragen. Auf diesem Weg geht uns Franziskus voran, weist uns den Weg.

 

 

 

 

 

 

 

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Von Haifischbecken und Brennnesselsträuchern

(Thecathwalk.net) Ich halte es für unangebracht und falsch, über jede (vermeintliche) Verfehlung des Bischofs von Rom (oder anderer Bischöfe und Kardinäle) herzuziehen – und diese persönliche Meinung dann im Idealfall noch öffentlich auf facebook zu posten und breitzutreten. Und ich halte es für töricht und wenig apostolisch, wenn in der Kirche und unter Katholiken ein negativer Geist herrscht und wir letztlich nur um uns selbst kreisen – anstatt uns den Menschen „da draußen“ zuzuwenden.
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Ein Kommentar von Georg Dietlein

Im „katholischen Milieu“ (wie ich liebevoll zu sagen pflege) kann man zur Zeit jede Stecknadel fallen hören. Die Stimmung ist gereizt. Freundschaften sind angespannt. Und kaum jemand kommt über das übliche Schwarz-Weiß-Freund-Feind-Denken hinweg. Es geht um Papst Franziskus, die „Dubia“ der Kardinäle, Amoris laetitia, einen auf The Cathwalk veröffentlichten Weckruf, den einige katholische Blogger und Publizisten unterschrieben haben – und natürlich um persönliche Animositäten.

Ich sage es gleich vorweg: Man kann zu dem „Weckruf“ unterschiedlicher Meinung sein. Papst Franziskus wäre der letzte, der blinden Gehorsam fordert. Wäre ich der Redenschreiber des Pontifex, würde auch ich ihn an manchen Stellen deutlicher sprechen lassen. Ich kenne persönliches Misstrauen gegen den Papst sehr gut – zu sehr fordert er uns alle heraus. Doch dieser Misstrauens-Express kann schneller im geistigen Wittenberg ankommen, als es so manchem „differenzierten Papst-Kritiker“ lieb ist. Deswegen war der Weckruf ein begrüßenswerter Warnruf.

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Catholic Art: Kunst im Auftrag des Herrn. Ein Interview mit Daniel Mitsui

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Daniel Mitsui

Wir beginnen im Jahr 2017 mit der neuen Serie: Catholic Art. In dieser Serie suchen wir nach Künstlern die aus unserer Sicht den Gütestempel „Katholisch!“ bekommen können. Als ersten Künstler präsentieren wir euch einen Amerikaner koreanischer Abstammung: Daniel Mitsui.

Vor einigen Monaten habe ich Daniel übers Internet kennengelernt und war sofort begeistert von ihm und seinen Werken. Mittlerweile besitze ich all seine publizierten Bücher – na ja das sind im Moment nur zwei. Kurz nach Allerheiligen erschien das jüngste Werk: „The Saints“ bei Ave Maria Press. Es ist ein Ausmalbuch für Erwachsene. Sein erstes Buch, ein Ausmalbuch über den Rosenkranz, wurde schon 2015 verlegt.

Mit Daniel Mitsui sprach Quintus N. Sachs.

The Cathwalk: Erzähl uns von dir; wer bist du?

Daniel Mitsui: Mein Name ist Daniel Paul Mitsui. Ich wurde 1982 im amerikanischen Bundesstaat Georgia geboren, und bin in Illinois aufgewachsen. Ich habe fast mein ganzes Leben in, oder in der Nähe von Chicago verbracht. Ich bin ein römisch-katholischer Laie undseit 2008 mit meiner Frau Michelle verheiratet. Sie ist eine klassische Sängerin und Chorleiterin. Wir haben vier Kinder: die Söhne Benedict und Victor, und die Töchter Alma und Lux. Ich ernähre die Familie über meine Arbeit als Künstler; ich habe mich spezialisiert auf Zeichnungen in Tinte, auf Basis von mittelalterlicher religiöser Kunst.

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Das ist das Geheimnis einer guten Ehe: 5 konkrete Tipps für alle Paare

  1. Eine richtige, richtig gute Verlobungszeit

Wenn Pater Ángel Espinosa de los Monteros empfiehlt, sich um eine richtige, richtig gute Verlobungszeit zu bemühen, dann unterstreicht er dabei die Notwendigkeit, den anderen in dieser Zeit gut kennenzulernen.

„Man muss sehr ehrlich sein, du musst dich so präsentieren, wie du bist und nicht, wie du sein willst oder möchtest, aber nicht bist. Du musst du selbst sein. So wirst du „die richtige Person finden.“

  1. Daran denken, dass die Ehe für immer ist

Pater Espinosa sagte, dass du „wissen musst, dass es vom Moment deiner Hochzeit an kein Zurück gibt, denn es ist eine Verpflichtung für das ganze Leben.“

Er betonte, dass es wichtig sei, sich bewusst zu werden, dass es für das ganze Leben ist. Wenn das nicht so ist, dann soll jemand nicht heiraten und auch nicht sagen „ich werde dich immer lieben.“

Er warnte auch davor, dass zerbrochenen Ehen „Kinder ohne Väter zurücklassen.“

  1. Sich um den anderen sorgen und kümmern

Nach der Hochzeit und den Flitterwochen, so der Priester, muss man sich um die eheliche Verbindung sorgen und kümmern. Die Ehe sei wie ein eigenes Haus, das man pflegt. „Du bist nicht in einer Mietwohnung, aus der du an irgendeinem Tag ausziehst, wenn du willst, und deshalb keine Reparaturen durchführst, weil du ja kein Geld in Dinge steckst, die dir nicht gehören.“

„Man muss sagen: Das ist mein Haus, das ist mein Heim, das sind meine Kinder, das ist der Mensch, der mich liebt; das ist für immer und daher investiere ich, kümmere ich mich, sorge ich mich darum.“

Zu den Dingen der „Pflege“ der Ehe, zu denen der Priester rät, gehört es, den Partner mit „größtmöglicher Güte“ zu behandeln, ihm Vorrang vor den Kindern zu geben, oft als Paar auszugehen und: verzeihen zu können.

  1. Immer verzeihen können

Pater Espinosa sagt, die Vergebung sei ein Prozess. Es gebe Menschen, denen es schwerer fällt, zu vergeben; auch hänge es davon ab, wer uns verletzt habe, und wie schwer.

„Was am meisten weh tut ist, wenn man nach einer schweren Beleidigung nicht um Verzeihung bittet. Wenn du tust, als wäre nichts passiert. Statt dass mein Herz heilt, wird es härter, trauriger, bis der Moment kommt, an dem ich sage: ´Was er mir angetan hat, reut ihn gar nicht´.“

Es gibt in der katholischen Kirche viele Hilfen, um verzeihen zu können, wie die Sakramente, die Eucharistie, den Rosenkranz, den Barmherzigkeitsrosenkranz, so der Priester.

„Einem Menschen, der Gott und seiner Gnade nahe ist, fällt es leichter, zu verzeihen. Aber ich sage immer – denn es kann sein, dass mir Leute zuhören, die Gott nicht nahe sind – dass die Vergebung ein Prozess ist. Verzeihe sofort, aber erwarte nicht, sofort geheilt zu werden“ fügte er hinzu.

Der Priester betonte, dass es eine große Hilfe sei, „um Vergebung zu bitten und zu versichern, dass so etwas nicht mehr passieren wird.“

  1. Den Kinder eine richtige Erziehung geben

Pater Espinosa betont, dass Eltern irren, wenn sie glauben, ein Kind zu erziehen bestehe darin, ihm Anstand und gutes Verhalten beizubringen. Das greift viel zu kurz, denn:

„Wenn das auch ein Teil der Arbeit ist, so besteht die Erziehung doch darin, die Person in ihrer Ganzheit zu formen: ihre Intelligenz, ihr Bewusstsein, ihre Spiritualität, ihren Willen, ihr Herz und ihren Charakter.“

Das sei alles andere als nur ein paar vage Benimmregeln zu vermitteln. „Eines Tages wirst du deinen Sohn oder deine Tochter an einen anderen Menschen übergeben. Was wirst du ihm geben? Eine Person, die sich kontrollieren kann, oder eine Person die beleidigen wird, oder schlagen, drohen, und so weiter?“

Der Priester fügte hinzu, dass in der Erziehung der eigenen Kinder wichtig sei, dass die Eltern dafür sorgen, dass diese die Werte der eigenen Familie gut kennen.

Zugänge zum Glauben – oder: der kritische Blick in den Spiegel

Die Kolumne von Georg Dietlein

15909489_10208080450305076_1440240424_nJeder Mensch hat seinen individuellen Zugang zum Glauben. Jeder Mensch „glaubt“ anders, weil sich der Glaube nicht auf das Für-wahr-Halten von Dogmen beschränkt (fides quae), sondern letztlich in einer ganz persönlichen Beziehung zu Jesus Christus wurzelt (fides qua). Deshalb ist das Gottesbild, aber auch das Bild von Kirche und vom Menschen bei jedem Christen unterschiedlich nuanciert und akzentuiert (worüber man nun so oder so denken mag). Diese unterschiedlichen Nuancierungen haben übrigens praktische Konsequenzen, welche wiederum einen Rückschluss auf unser Gottesbild erlauben.

Dazu zwei anschauliche Beispiele. Szenario 1: Gehen wir einmal davon aus, ich setze mich für eine Liberalisierung der katholischen Sexual- und Ehemoral ein. Das hohe Ideal, das die Kirche heute noch den Menschen predigt, das kann doch keiner mehr leben!? Dieses Engagement sagt viel über mein Gottes- und Menschenbild aus. Positiv gesagt: Ich betone sehr stark die Barmherzigkeit und Vergebungsbereitschaft Gottes. Eigentlich will Gott unser Bestes (weshalb die Kirche ja gerade bestimmte Handlungsempfehlungen bereit hält). Aber die Güte Gottes geht dann sogar so weit, dass er das alles nicht so „ernst nimmt“ – und uns das alles ein bisschen „egal“ sein kann.

Negativ gewandt: Diese Haltung sagt auch etwas aus über mein Bild vom Menschen. Ich fordere eine Liberalisierung der Moral, weil ich dem Menschen dieses Ideal nicht mehr zu-traue oder zu-mute. Weil der Mensch so schwach ist (oder unser Glaube an die Güte und Allmacht Gottes so verdrängt), brauchen wir Abstriche – eben ein „Christentum light“. Zugleich sagt das ganz schön viel über unser Bild von Gott aus.

Ein zweites Beispiel: Ich setze mich für eine „Öffnung“ der Kirche ein. Das Ziel ist dabei, Kirche wieder „attraktiv“ zu machen und möglichst viel Sympathie für die Kirche zu wecken. Weil das offensichtlich nicht mit den „Kernkompetenzen“ von Kirche funktioniert (Gebet, Eucharistie, Sakramente), probiere ich es mit kleinen Aktionen und „Reförmchen“: Abschaffung des Zölibates, Öffnung der Weihe für Frauen, „arme Kirche“, Entfernung aller Kniebänke. Möglicherweise bleibt der gewünschte Erfolg für die Kirche aus – aber dann hat man es immerhin mal versucht.

Analyse: Ich will eigentlich nur das Best(gemeint)e für die Kirche. Ich will, dass das kirchliche Leben wieder so funktioniert wie im 19. Jahrhundert (eigentlich ein ziemlich verstaubtes Kirchenbild, oder?). Ich will möglichst viele Kirchenmitglieder und Kirchgänger (und das um jeden Preis). Ich möchte, dass die Kirche wieder zum Mittelpunkt in jedem Dorf und jeder Stadt wird – ein Ort, um sich auszutauschen und sich zu vernetzen. – Negativ gewandt: Mir sind die Inhalte eigentlich egal. Es geht bloß um Zahlen und ums Image. Es geht um Likes auf facebook und eine gute Publicity beim SPIEGEL. Das aber führt zu einem Gesichtsverlust vor dem Spiegel. Die Kirche wird zu einer bloßen NGO, bestenfalls zu einem Verein von #gutmenschen, vermutlich aber einfach zu einem Netzwerk oder einem netten Club. Ein leicht religiöser Anstrich trägt dabei zur Erleichterung des Gewissens bei (oder ist einfach très chic): strahlende Christbäume, ab und zu die Mystik einer weihraucherfüllten Kirche, das lateinische Hochamt als „Event“ und natürlich die kleine Opferkerze als postmoderner Glücksbringer. Ist doch cool – sagen die einen. Ist aber nicht mehr die Kirche Jesu Christi – sagen die anderen.

Priesterausbildung: „Ich bin gescheitert, nicht die Kirche“

Benjamin Kalkum hatte sich entschieden, Priester zu werden. Zum Diakon geweiht war er schon, dann erkannte er, dass dieser Weg für ihn nicht der richtige ist. Dauerhaft alleine leben und Großgemeinden managen – so hatte er sich sein Leben als Pfarrer nicht vorgestellt. Reformen wie die Abschaffung des Zölibats lehnt der 31-Jährige ab. 

Benjamin Kalkum im Gespräch mit Christiane Florin

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Das Foto vom 05.12.2015 zeigt acht Männer bei ihrer Weihe zum Diakon in Teublitz (Bayern). (dpa/picture-alliance/Bistum Regensburg)

Christiane Florin: Herr Kalkum, wir haben uns vor knapp drei Jahren, 2014, schon einmal für ein Interview getroffen. Damals standen Sie kurz vor der Weihe zum Diakon, also die Vorstufe zur Priesterweihe war das. Sie haben gesagt: „Das ist mein Weg, dessen bin ich mir sicher“. Inzwischen haben Sie das Priesterseminar verlassen. Was hat Sie nicht mehr so sicher sein lassen?

Benjamin Kalkum: Man merkt irgendwann, dass die Lebensform, für die man sich entschieden hat, anders ist als das, wofür man glaubte sich entschieden zu haben.

Florin: Klingt kompliziert. Hat es mit dem Zölibat zu tun?

Kalkum: Nein, eher damit, dass es eine Sache ist, sich mit dieser Lebensform im Priesterseminar auseinanderzusetzen, dass man diese Lebensform aber eigentlich noch nicht wirklich lebt. Natürlich lebt man ohne Sexualität auch schon im Priesterseminar.

Florin: Wenn man regelkonform lebt.

Kalkum: Wenn man sagt: „Das machen eigentlich alle, wer es nicht macht, ist selbser schuld“. Daran merkt man, dass es nicht allein um Sexualität geht. Den Schritt, aus dieser Gemeinschaft heraus, die einen ein Stück weit getragen hat, den habe ich unterschätzt: einerseits während der Ausbildung in einem Haus zu leben mit vielen anderen, mit denen man sich austauscht, mit denen man eine fast familienähnliche Gemeinschaft bildet, mit allen Höhen und Tiefen und Schwierigkeiten, die Familien mit sich bringen; andererseits auf einmal ganz auf sich alleine gestellt zu sein. Ich würde sagen, das ist ein viel entscheidenderer Unterschied als einfach die Frage: Zölibat ja oder nein? Auch der Zölibat ist Teil einer Lebensform, die viele Aspekte umfasst.

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Diese Christen sitzen in Trumps Kabinett

Im Kabinett von Donald Trump sitzen mehrere überzeugte Christen. Auch zwei Botschafter des neuen US-Präsidenten deuten auf eine richtungsweisende Personalentscheidung hin. pro stellt sie vor.

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Ben Carson, Nikki Haley und Rick Perry: Sie wollen gemeinsam mit Trump die amerikanische Politik prägen / Foto: Gage Skidmore, flickr; Office of the President-elect | greatagain.gov; Disney | ABC Television Group, flickr/ Montage pro

Donald Trump übernimmt am Freitag das Amt des US-Präsidenten. Während der Vereidigungszeremonie wird der Sohn des Evangelisten Billy Graham, Franklin, ein Gebet sprechen. Auch der Erzbischof von New York, Kardinal Timothy Michael Dolan, Pastor Samuel Rodriguez und der Gründer und Vorstand des Simon-Wiesenthal-Zentrums, Rabbi Marvin Hier, sollen einen Beitrag zur Amtseinführung leisten.

In den vergangenen Tagen wurden Trumps designierte Kabinettsmitglieder vor dem US-Senat befragt. Unter ihnen sind mehrere überzeugte Christen. pro stellt einige Regierungsmitglieder des 45. US-Präsidenten vor.

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Neuer US-Vizepräsident: Mike Pence  / Foto: Mike Pence, flickr | CC BY-SA 2.0
Mike Pence soll Trumps Vizepräsident werden. Der Gouverneur des Bundesstaates Indiana und langjährige Parlamentarier im Repräsentantenhaus beschreibt sich selbst als „evangelikalen Katholiken“. Der 57-Jährige gilt als vehementer Gegner von Abtreibung und Forschung an embryonalen Stammzellen. Von ihm stammt das Zitat: „Ich bin ein Christ, ein Konservativer und ein Republikaner, und zwar in dieser Reihenfolge.“ 2015 unterzeichnete er in Indiana ein „Gesetz zur Wiederherstellung der Religionsfreiheit“, das beispielsweise Restaurantbetreiber vor Klagen schützte, wenn sie keine Homosexuellen-Hochzeit ausrichten wollen. Viele warfen Pence daraufhin „Homophobie” vor. Wegen massiver öffentlicher Proteste und Boykottandrohungen großer Unternehmen wurde das Gesetz ein Jahr später entschärft.

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Religion und Moderne (Teil 3): Warum die Religion verliert und wie sie gewinnen kann

Ob man sich als religiös bezeichnet oder nicht, unabhängig von der eigenen Zuschreibung ist kaum bestreitbar, dass Religion einen massiven Bedeutungsverlust erfährt. Besonders seit den letzten Jahrzehnten findet ein stetiger Rückgang statt. Doch dieser hat seine Gründe. Warum verliert und die Religion und wie kann sie wieder gewinnen?

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von Josef Jung

Religion verliert, wo sie im Gegensatz zur Moderne steht

Was ist Moderne? Für den Bereich den Bereich der Religion kann man sagen: Religion wird als eine Angelegenheit der individuellen Sinn- und Bedürfnisorientierung betrachtet. Verschwunden sind weitgehend objektive Kriterien, Disziplin und Vergesellschaftung. Damit einher geht, dass Fragen nach Moral und Glaubensführung nicht mehr von außen vorgegeben werden können. Wenn Religion mit Lebens- und Moralansprüchen herantritt, die dem widersprechen, was eigene Bedürfnissen und Vorstellungen sind, wird Religion mit dem Argument der „Heteronomie“, also der Fremdbestimmung, zurückgewiesen. Modern hingegen heißt von „Autonomie“ zu sprechen, vom „moralischen Gesetz in mir“, wie es Kant nennt.

Nun bietet das 21. Jahrhundert eine Fülle an Entfaltungsmöglichkeiten, die zwar von traditionellen religiösen Normen abweichen – in Bereichen der Sexualität, Familie, Lebensführung, Identiät usw. – aber dennoch gesellschaftlich vollkommen akzeptiert werden. Dies ist so, weil sich die abweichenden Positionen auf eine Art „säkulares Naturrecht“  berufen, nämlich auf die  „Autonomie“ oder auf etwas wie die „conditio humana“ und diese gelten als unaufgebbare Errungenschaften. Es geht um die Selbstwerdung nach dem, was im Inneren als das Ureigene, das eigentliche Selbst wahrgenommen wird. Hier verbittet man sich einen Verweis auf Gott, Kirche usw. da dies als unberechtiger, fremder Eingriff gegen die eigene Entfaltung, das eigene Glück gesehen wird.

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Der Nonkonformist, der Katholik ist – eine Reportage

und ewig läuft der Spießer…!

Ein Archivbeitrag (Mai, 2015) von Deborah Görl

Die Betrachtung der katholischen Kirche in Deutschland deprimiert. Fast täglich liest man von Verunstaltungen von Kirchen durch ästhetisch fragwürdige Raumgestaltungskonzepte, die meist sogar die Umbaumaßnahmen im Zuge der Liturgiereform an Geschmacklosigkeit weit übertreffen. Einige Zeilen weiter wird vom Abriss einer Kirche mangels Gläubigen berichtet. An anderer Stelle glänzen kirchliche Würdenträger durch Aussagen, die – euphemistisch ausgedrückt – selbst eine Herausforderung für die eingefleischtesten Kritiker darstellen. Manchmal versteht man sie auch überhaupt nicht, denn sie klingen zu sehr nach Corporate-Social-Responsibility-Broschüre eines beliebigen Dax-Unternehmens – hohl und leer. Und nicht selten fragt man sich einfach nach den Gründen für die Vielzahl von Hirten, denen ihr Priestertum sichtlich unangenehm ist und die eigentlich lieber politikerartige Wesen oder irgendetwas anderes wie NGO-Pressesprecher wären.

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Religion und Moderne (Teil 2): Moderne Religion im Gegensatz zur traditionellen

Die Moderne als Epoche geht mit neuen Ideen und Interpretationen an die Welt heran, bisher Geltendes wird dabei in Frage gestellt. Im ersten Teil ging es um die Problematisierung, hier geht es nun darum, wie moderne Religion, das heißt Religion, die die Moderne idealistisch akzeptiert, aussieht und welche Veränderungen und Spannungen damit verbunden sind.

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von Josef Jung

Die Trennung von Staat und Religion

Während die vormoderne Zeit – ideengeschichtlich verstanden als Zeit vor der Aufklärung, politisch als Zeit vor der Französischen Revolution – den Menschen in das System einer kosmisch-gottgewollten Ordnung eingebettet sah, deren politische Umsetzung auf der gottgefälligen Koalition von Thron und Altar bestand, ändert sich mit der Moderne der Ordnungsgedanke grundlegend. Politische Ordnung und Moral werden nicht mehr von Gott hergeleitet, sondern – je nachdem, welcher Schule der Aufklärung man folgt – von widerspruchsfreier Vernunft, Bedürfnissen, Nutzen oder dem Gemeinwillen.

Die Trennung von Staat und Kirche heißt aber auch: Die Politik braucht Gott nicht. Dieses „Nichtbrauchen“ ist ein Kernmerkmal der Moderne gegenüber der Religion. Während in der Vormoderne Gott als Allherrscher über alle Bereiche des Lebens, seien sie politisch oder privat, gesehen wurde, ist es nun eine Frage der persönlichen Anschauung und Meinung geworden. Die Skeptiker der Religionsfreiheit sehen nun diese als Entmachtung Gottes an, als Ungehorsam Gott gegenüber, während die Verteidiger der Religionsfreiheit diese als legitime Trennung zweier Reiche bzw. Bereiche sehen: Politik sei weltlich-säkular und habe damit nichts mit Religion zu tun. Gebetet werde in der Kirche bzw. der Moschee, Politik finde im Parlament statt.

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Jugendportal von ARD & ZDF: Sex-Tipps und linke Wutreden

Deftige Sex-Tipps und linker politischer Aktionismus – dafür werden die Rundfunkgebühren beim Jugendportal „Funk“ ausgegeben. Gute Ansätze kommen beim jungen Angebot von ARD und ZDF zu kurz.

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Funken nun auf öffentlich-rechtlichen Wellen: Moritz Neumeier (links unten) und Rayk Anders (rechts oben) besprechen die politische Lage, Suzie Grime (links oben) und Mai (rechts unten) führen derweil Interviews. Foto: http://www.funk.net

Eine Web-Kritik von Moritz Breckner

45 Millionen Euro im Jahr. Das ist das Budget des Jugendportals „Funk“, das ARD und ZDF seit dem 1. Oktober betreiben. Es lohnt sich, diese Zahl im Kopf zu haben, wenn man sich näher betrachtet, was genau da aus dem Geld der Gebührenzahler finanziert wird.

„Fickt euch!“ heißt eines der Formate, das auf Funk beweisen soll, dass die GEZ-Gebühren auch für Leute zwischen 14 und 29 Jahren, so die Zielgruppe, ausgegeben werden. Die YouTuberin Kristina Weitkamp erklärt dort zum Beispiel, wie man sich am besten selbst befriedigt. Erklärtes Ziel dabei: Aufzeigen, wie vielfältig Sex sein kann und Fragen klären, die man sich sonst nicht zu stellen traut.

Politisch hat Funk unter anderem den Kabarett-Kanal „Auf einen Kaffee mit Moritz Neumeier“ im Angebot. Zu sehen ist der „Stand-Up-Künstler“ Moritz Neumeier, der in etwa fünfminütigen Clips beispielsweise gegen das Burka-Verbot, „bescheuerte“ CSU-Politiker oder die AfD wettert. „Irgendwann haben sich die Menschen abgehängt gefühlt“, referiert er anlässlich des Tages der Deutschen Einheit über die Menschen im Osten Deutschlands. „Und dann wurden sie ein bisschen depressiv, und fanden das alles doof, dann wurden die ersten wütend, und heute laufen sie alle der verfickten AfD hinterher.“

Originell soll wohl sein, dass Neumeier etwa alle 40 Sekunden aus einem Kaffeebecher schlürft und seine Weisheiten vorträgt wie jemand, der sich schon recht spät am Abend zu einem ungebetenen Vortrag am Stammtisch erhebt. Ausdrücke wie „Kacke“, „beschissen“ oder das F-Wort natürlich inklusive.

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Glaube(n) in der Gegenwart

Die neue Kolumne von Georg Dietlein

15909489_10208080450305076_1440240424_n„Glauben in der Gegenwart“, so lautet der Titel dieser (nunmehr regelmäßig erscheinenden) Kolumne, deren erster Beitrag pünktlich zum neuen Jahr online geht. Es geht also in erster Linie um den Glauben, um das, was uns bewegt, was uns antreibt, was unserem Leben Sinn und Orientierung gibt. Der christliche Glaube ist keine Ideologie. Er ist noch nicht mal eine Idee (weshalb man ihn auch eigentlich nicht für sich vereinnahmen kann). Er ist etwas ganz anderes, oder vielmehr noch: jemand ganz anderes. Nämlich: eine Person, Jesus Christus, Gott selbst, der die ganze Schöpfung, die ganze Realität, die ganze Zeit und den ganzen Raum durchzieht und durchtränkt.

Es soll aber nicht abstrakt und unkonkret um „den Glauben“ gehen, sondern stets um den Glauben in der Gegenwart, im Jahr 2017, im Hier und Jetzt. Es wird also um einen Glauben gehen, der durch ganz unterschiedliche Faktoren immer wieder angefragt, angefochten und infrage gestellt wird: durch unseren eigenen Unglauben, durch die Zerstreuungen und Sorgen unseres Alltages, durch die schmerzliche Erfahrung des Leids – und: auch durch unsere eigene Kirche.

Das mag auf den ersten Blick überraschen. Ist es nicht gerade Aufgabe der Kirche, den Glauben zu verkündigen, ihn zu bewahren und ihm gleichsam ein Gesicht zu geben? Ja, das ist es auch. Aber es gibt eine große Differenz zwischen der „Kirche der Glaubenden“ und der Kirche der Kirchensteuerzahler und ihrer Verwalter. Hier wird geglaubt und der Glaube praktiziert. Dort wird „der Glaube“ oft missbraucht, um ihn im eigenen Sinne umzudeuten und eigene Ideen im religiösen Deckmäntelchen zu verkaufen. Schnell steht bei dem Ganzen nicht mehr Jesus Christus im Mittelpunkt, sondern eine bestimmte Ideologie, ein persönliches Herzensanliegen, der „christliche“ Traum vom Gutmenschentum, das Flüchtlingsboot aus dem Mittelmeer oder ein Wahlappell gegen die AfD. Was ist da noch vom Christentum übrig? Nicht viel.

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Religion und Moderne (Teil 1): Konflikte und Aufbrüche

Der katholischen Kirche galten und gelten gewisse Ausprägungen moderner Theologie und Philosophie als „Modernismus“ und damit als „Sammelbecken aller Häresien“. Ähnliche Ausprägungen gab und gibt es in den evangelischen Kirchen. Was fanatisch klingen mag ist aber eine Analyse von Religionsverständnissen, die tatsächlich für traditionelle Formen des Christentums vernichtende Auswirkungen haben können. Die Moderne bringt neben naturwissenschaftlichen Erkenntnissen auch eine neue Interpretation von Mensch, Religion und Gott mit sich. Die Frage, die sich seit dem durch die Geschichte zieht lautet: Sind Moderne und Religion vereinbar oder hat man als moderner Mensch keine andere Möglichkeit als der Religion abzusagen?

von Josef Jung

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Der Begriff Modernismus als Phänomen der Moderne

Der Begriff Modernismus ist eine Zuspitzung von theologischen Ansätzen, die vormals als „liberal“ gescholten worden. Erstmals fassen kann man den Begriff beim belgischen Laien und Nationalökonomen Charles Périn. Er verwendete ihn in seinem Aufsatz Le modernisme dans l’église d’après les lettres inédites de La Mennais“. Dort verstand Périn Modernismus als Begriff für die Versöhnungsversuche liberaler Katholiken mit den Ideen der Französischen Revolution und der Demokratie, weiterhin als das Eindringen humanitärer Tendenzen aus der säkularen Gesellschaft in die Kirche. Der von Périn geschaffene Neologismus Modernismuswar ganz auf der Linie des damaligen päpstlichen Katholizismus.

PÉRIN beschrieb die Essenz des Modernismus als den Versuch, Gott durch denMenschen zu ersetzen. Perins Definition lautet:

L’essence du modernisme, c’est la prétention d’éliminer Dieu de toute vie sociale. L’homme, suivant l’idée moderne, étant à lui-même son dieu et le maître souverain du monde, il faut que dans la société tout se fasse par lui et par la seule autorité de la loi qu’il porte.“ (Perin, 1881, S. 5)

Übersetzung: „Die Essenz des Modernismus beansprucht Gott aus dem ganzen sozialen Leben zu beseitigen. Da nach der modernen Idee der Mensch sich selbst sein eigener Gott und der souveräne Herr der Welt ist, muss in der Gesellschaft alles durch ihn und die alleinige Autorität des Gesetzes, die er trägt, gemacht werden.“

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Ist mit dem Beginn des neuen Jahres Weihnachten vorbei?

Mit Edith Stein und ihrem Vortrag „Das Weihnachtsgeheimnis“ ins Jahr 2017

von Rut Müller

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Bei vielen wird nach den Weihnachtsfeiertagen ein wehmütiges Bedauern Einzug eingenommen haben, dass die Zeit des Advents und der Erwartung auf das Fest vorüber ist.

Für viele mag spätestens mit der Silvesterparty, in der das alte Jahr verabschiedet und das neue Jahr ausgiebig begrüßt wurde, die Weihnachtszeit beendet sein. Beim Einkauf bemerkte ich bereits, dass die Weihnachtsdekoration aus den Regalen entfernt wurde. Schon eine Woche (wir feierten gestern den 8. Tag der Geburt des Herrn) liegt er zurück, der Heilige Abend und die Erinnerungen an ihn: Viele Stunden des Beisammenseins im Kreis der Familie bei Plätzchen, Glühwein und feiner Weihnachtskost. Einige Leser werden froh sein, dass ihnen der Balanceakt zwischen der eigenen Familie und den Schwiegereltern am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag geglückt ist. Andere Leser sind vielleicht nach all dieser Feierei erschöpft und im Stillen froh darüber, dass es vorüber ist. Wiederum andere spürten trotz des üppigen Essens eine innere Leere umgeben vom äußeren Schein weihnachtlicher Familienidylle.

Bei vielen wird nach den Weihnachtsfeiertagen ein wehmütiges Bedauern Einzug eingenommen haben, dass die Zeit des Advents und der Erwartung auf das Fest, der Moment, in dem in der Kirche das Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ erklang, vorüber ist.

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Edith Stein um 1920

Die heilige Edith Stein (*1891 – †1942 im KZ Auschwitz-Birkenau) hielt Jahre 1931 einen Vortrag mit dem Thema: „Das Weihnachtsgeheimnis“. Zu einem Zeitpunkt, der aus heutiger und auch damaliger Sicht überrascht: am 13. Januar. Liturgisch gesehen befanden sich die Zuhörer des Vortrages zwar noch inmitten der Weihnachtszeit. (Das Ende der Weihnachtszeit markierte damals nicht das Fest Taufe des Herrn, sondern das Fest Darstellung des Herrn oder auch bekannt unter Maria Lichtmess). Und dennoch konnte Edith Stein sich kein besseres Thema vorstellen, als das Weihnachtsgeheimnis im Vortrag zu betrachten. Die Weihnachtsfeiertage vorbei und der Jahreswechsel vollzogen, so befinden wir uns – wie die Zuhörer ihres Vortrages – in einer sehr ähnlichen Situation.

Schon die Wahl des Wortes Geheimnis drückt auf treffende Weise aus, dass Weihnachten offenbar doch kein sich so einfach erschließendes Fest ist.

„Ja, wenn am Abend die Lichterbäume brennen und die Gaben getauscht werden, …die Glocken zur Christmette läuten…“ „Solches Weihnachtsglück hat wohl jeder von uns schon erlebt. Aber noch sind Himmel und Erde nicht eins geworden. Der Stern von Bethlehem ist ein Stern in dunkler Nacht, auch heute noch.“

Es mag den den Kirchgänger verwundern, weshalb schon am 2. Weihnachtsfeiertag Stephanus, der erste christliche Märtyrer, gefeiert wird. Und auch das Fest der Unschuldigen Kinder, welches an den brutalen Kindermord des Herodes erinnert, ist alles andere als idyllisch. Diese beiden Feste tragen einen scheinbaren Widerspruch in sich: „Was will das sagen? Wo ist nun der Jubel der himmlischen Heerscharen, wo die stille Seligkeit der Heiligen Nacht? Wo ist der Friede auf Erden“, fragt Edith Stein in ihrem Vortrag.

Spätestens als wir in den Weihnachtsfeiertagen die Nachrichten verfolgt und uns die Tagesschau angesehen haben, tat sich der Widerspruch auch in der Gegenwart auf: das passte so gar nicht in das friedvolle Weihnachtsfest. Diesen Widerspruch nehmen wir allerdings resigniert hin. Nicht selten versuchen wir umso verkrampfter wenigstens in der Familie Weihnachten als ein harmonisches Fest auf höchstem kulinarischem Niveau zu bewahren, reagieren empfindlich auf jegliche Disharmonien und Streitigkeiten oder verhindern diese längst auf mannigfaltige Weise vorsorglich.

Liest man das Buch Das Weihnachtsgeheimnis von Edith Stein, wird man als Leser aufgerüttelt. Hat man das Weihnachtsfest in seinem eigentlichen Kern eigentlich verstanden und wahrhaftig gefeiert?

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Den Weg zum Himmel mit guten Vorsätzen pflastern: 15 praktische Tipps für 2017

(CNA Deutsch) Nach den weihnachtlichen Schlemmereien sind viele, dank eines erschrockenen Blicks auf die Waage, stark motiviert, im Neuen Jahr endlich abzuspecken. Andere nehmen sich an Silvester vor, mehr Sport zu treiben oder das Rauchen aufzugeben. Meist geht es bei den guten Vorsätzen um den Körper, der gesünder, jünger, frischer und dynamischer werden soll.

Manchmal fasst man aber auch die Klärung einer Beziehung, einen längst fälligen Schul- oder Studienabschluss oder den Umzug in eine andere Stadt für einen radikaleren Neuanfang ins Auge. Bei den wenigsten geht es leider um gute Vorsätze für das geistliche Leben. Die „Nachfolge Christi“, das berühmte Buch des Thomas von Kempis, erinnert daran, dass wir, „wenn wir jedes Jahr auch nur einen Hauptfehler ausrotteten, bald zur Vollkommenheit gelangen“ (1. Buch, XI. Kapitel) gelangen würden.

Jeder Christ sollte spätestens am letzten Abend des alten Jahres Vorsätze fassen, wie er nicht nur seinen Leib, sondern auch seine Seele besser behandeln kann. Dabei geht es zum einen um den Kampf gegen bestimmte Fehler (die oft noch gar keine Sünden sind), vor allem aber darum, Gutes zu tun. Wer abnehmen will muss genauso diese doppelte Strategie fahren: Nein zu „Gaumensünden“, Ja zu Sport und Bewegung. Hier ein paar Vorschläge für ein entschiedenes „Ja“ zu mehr Eifer und Freude im geistlichen Leben:

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