Was ist eigentlich „Chanukka“ und warum?

von Franziska Holzfurtner

Ich wurde gebeten, in meiner Funktion als Religionswissenschaftlerin und auch als „Die-mit-dem-Juden“ – eine Rolle, die ich einerseits als Verantwortung wahrnehme, die mich manchmal aber auch ein bisschen unangenehm festlegt (wer selbst Jude ist, kann über eine solche Beschwerde freilich nur lachen) – zu erläutern, was Chanukka, das wegen der zeitlichen Nähe oft mit Weihnachten in Verbindung gebracht wird, für ein Feiertag ist.

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Bildlizenz: 123rf.com/46992342

Wann feiern die Juden Chanukka?

Die jüdischen Feiertage folgen nicht dem gregorianischen Kalender, sondern dem jüdischen, der im Gegensatz zu diesem kein Sonnen-, sondern ein kombinierter Lunisolarkalender ist. Die Monate folgen dem Mondumlauf, um die Fehlzeit zum Sonnenjahr auszugleichen, muss regelmäßig Ausgleich durch einen Schaltmonat geschaffen werden.

Daher erscheint es so, als fiele Chanukka jedes Jahr auf einen anderen Tag im November oder Dezember. Im hebräischen Kalender beginnt es jedoch fest am 25. Kislev und dauert acht Tage bis zum 2. Tewet. In diesem Jahr wird das Fest vom 25. Dezember bis zum 1. Januar 2017 gefeiert.

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Von Kirchweih, Enten und der bayerischen Volksseele

Jedes Jahr zu Kirchweih trifft sich meine Münchner Familie zur Ente. Oberflächlich nicht sehr komplex handelt es sich aber bei genauerer Betrachtung um ein umfangreiches Ritual. Eben solch ein Ritual, von dem Herr Gallina am Donnerstag behauptete, es existiere in Bayern nicht.

Die Aufdeckung eines alten Familienrezepts und ein Versuch der Ergründung Bayerns.

Text & Bilder, Franziska Holzfurtner

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In Altbayern gibt es zur Kirchweih traditionell Entenbraten.

Man nehme zwei mittelgroße fette Enten, Salz, einen großen Kopf Sellerie, einen großen Kopf Endiviensalat, Teig für Kartoffelknödel, Kräuteressig, Sonnenblumenöl, Salz und Pfeffer.

Mehr nicht? Mehr nicht.

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Das ultimative Geheimrezept: Münchner Kirchweihente

Am morgigen dritten Sonntag im Oktober wird das Kirchweihfest gefeiert. In Altbayern gibt es zur Kirchweih traditionell Gänse- oder Entenbraten. Franziska Holzfurtner hat dem Cathwalk (in der ultra-ausführlichen Version, auch für den ungeübtesten Koch) das traditionelle Rezept ihrer Urgroßmutter verraten, wie sie morgen die perfekte Kirchweihente zubereiten können.

Von Kirchweih, Enten und der bayerischen Volksseele berichten wir dann morgen ausführlich. 

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Italien: das kleine, gallische Dorf der Esskultur

Kulturimperialismus findet auch auf dem kulinarischen Feld statt. Dort widersetzt sich der italienische David tapfer dem amerikanischen Goliath der Globalisierung. Ein paar Gedanken darüber, wie Amerika und Rom sich gleichen – und weshalb die USA scheitern (werden).

von Marco F. Gallina

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Quelle: http://www.mein-italien.info

Wer Imperien verstehen will, muss Rom begreifen. Die eigentliche Macht Roms bestand nicht im Militär, sondern im Licht seiner Kultur. Als Rom seinen Rivalen Karthago unterwarf, war es der Hegemon des Mittelmeers geworden; aber erst, da Rom das östliche Mittelmeer erobert hatte, war es eine Weltmacht. Der Vorgänger der römischen Weltmacht bildet die alexandrinische Weltmacht, die jedoch schnell zerfiel. Was von Alexander dem Großen blieb, waren die griechischen Teilreiche, in denen die griechischen Eliten das Heft in der Hand hatten und die griechische Kultur und Sprache verbreiteten – noch im Römischen Reich galt Griechisch als Amtssprache des Ostens.

Diese Hellenisierung beendete erst die Romanisierung. Die Römer übernahmen auch Teile der griechischen Kultur, keine Frage; dennoch erfolgte hier eine Zäsur, in dessen Folge Rom unangefochten für 400 Jahre den Status einer antiken Weltmacht hatte. Umliegende Völker wurden romanisiert, obwohl sie offiziell nicht zum Reich gehörten. Selbst die Germanen, die in Deutschland noch immer als Widerständler dargestellt werden, waren eher Verbündete denn Feinde. Im regen Handelsaustausch übernahmen tributpflichtige Nachbarn und die Vertreter von Klientelstaaten die römische Kultur. Die Romanisierung war damit Zeichen eines „weichen Imperialismus“.

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Der Veganer

Eine Bewandtnis von Marco F. Gallina

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Es war an einem Frühlingstag, irgendwann zwischen Nieselregen und zahmen Mittagssonnenlicht, dass ich auf einer Bank der Bonner Hofgartenwiese saß, und ein nur wenige Minuten zuvor gekauftes Süßmandelrosinenbrot verspeiste. Den Schirm hatte ich noch in der anderen Hand, da das Wetter sich als äußerst wechselhaft erwies, was insbesondere zwei junge Frauen auf der anderen Seite des Parks immer wieder erfahren durften, wenn plötzlich für Sekunden der Eisregen neuerlich ausbrach. Nun könnte der Leser an dieser Stelle mein selten ungentlemanhaftes Verhalten rügen, was so ganz und gar nicht zum Typus des hier Schreibenden passen wollte; allein, bei Studentinnen bin ich mittlerweile der Ansicht, dass, wer auf Gleichberechtigung pocht, auch einen gleichberechtigten Verstand besitzt, und ein solcher bei Regenwetter durchaus einen irgendwie gearteten Regenschutz mitnehmen kann. Doch dergleichen soll hier nicht das Thema sein.

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Beim Kaufen der Agnolotti

Ich esse, also bin ich. Was Sie schon immer über Agnolotti und die italienische Glockenturmmentalität erfahren wollten, aber niemals zu fragen wagten

von Marco F. Gallina

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Bildquelle: http://rk.wsimgs.com

Agnolotti sind eine durchaus problematische Pastasorte. Diese piemontesische Teigware ist zwischen Ravioli und Tortellini anzusiedeln; sie zeichnet sich durch eine quadratische Form mit gezackten Rändern und einer rundlichen Erhöhung im Zentrum aus, in welcher die jeweilige Füllung ruht. Von verschiedenen Fleischsorten und Pilzen bis hin zu Gemüse kennt der Variantenreichtum keine Grenzen. Dabei existiert neben der Version im Montferrat und in der Langhe des südlichen Piemonts auch noch eine im Südwesten der Lombardei, namentlich in Pavia. Der Begriff „Agnolotto“ soll sich entweder vom lateinischen anellus (Ring) oder einem Koch aus dem Montferrat herleiten.

Um die Wissenschaft abzurunden: die Herstellung von Agnolotti gestaltet sich etwas einfacher als die von Tortellini oder Ravioli. So wird bei der Herstellung ein großer Teigstreifen ausgebreitet, dann mit Füllung bestrichen und ein weiterer darüber geklappt. Anschließend schneidet man aus diesem Teig die einzelnen Agnolotti heraus; Tortellini dagegen fertigt man stattdessen Stück für Stück an, eine Arbeit, welche früher eine gute emilianische Hausfrau auszeichnete und von Können, Beharrlichkeit und Fleiß zeugte.

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Sylt: Insel mit Charme, Flair und Kostbarkeiten

Echte Cathwalker essen beim Fischladen Matthiesen in Hörnum zur Vorspeise 6 Austern Sylter-Royal und als Hauptspeise Elsas-Fischteller mit Bratkartoffeln. 

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„Die Abendsonne am Strand wird auf Sylt zum wahren Genuss für die Seele“

Ein Reisebericht von Patrick Junge.

Wenn Menschen Sylt hören, dann denken sie an Geld, Glamour, schwerreiche Rentner und an eine Insel, die irgendwie von Jahr zu Jahr an geographischer Substanz verliert. Vielleicht wird bei Sylt auch an Christian Krachts Roman Faserland gedacht. Sylt kann allerdings mehr als Schicki-Micki und bietet interessante Reise-Erkenntnisse.

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Beim Schneiden der Tomaten

Warum Küche, Kunst und Kultur als Teil unserer Identität zusammenhängen

Tomatenschneiden gilt mit Sicherheit nicht als eine der unterhaltsamsten Beschäftigungen. Aber muss alles, was gut und schön ist, zugleich unterhaltsam sein? Ist Caravaggios Ungläubiger Thomas unterhaltsam? Beethovens 7. Sinfonie ist es mit Sicherheit. Aber Michelangelos Pietà?

von Marco F. Gallina

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„Stillleben mit Spargel und Tomaten“ von Paul LaCroix

Irgendwie erscheint heute alles, was keinen „Spaß“ macht, grundsätzlich weniger wertvoll. Ich habe mir sagen lassen, dass mittlerweile Tomatenschneidemaschinen existieren oder andere, die Arbeit erheblich verkürzende Mittel. Und mit Recht wird man die Frage stellen, weshalb ich eine solch redundante Zweckarbeit wie das Tomatenschneiden auf eine Stelle mit Meisterwerken der europäischen Zivilisation stelle.Die Frage kann nur jemand stellen, der entweder nicht aus dem romanischen Kulturkreis stammt, oder – noch schlimmer – aus dem romanischen Kulturkreis stammt und keinerlei Bezug zu seinen Wurzeln hat. Vielleicht kann sie auch bei einem Nicht-Romanen vorkommen, der überdies seine Wurzeln verloren hat.

Die Antwort ist simpel: Kochen ist eine Kunst und so ein immanenter Teil jeder Kultur, sodass Tomatenschneiden dieselbe Bedeutung besitzt, wie für einen Maler das Mischen seiner Farben, bevor er den Pinsel auf der Leinwand ansetzt.

Unsere traditionelle Kochkultur ist ein offensichtliches Bindeglied zur Geschichte unserer Vorfahren und mit deren Leben. Wir stehen damit in Kontinuität zu unseren Eltern, Großeltern und Urgroßeltern, wenn wir ihr Erbe forttragen – und mag es nur ein Rezept sein, das sich in Familienbesitz befindet. Auf der nächsten Ebene folgt die Kultur, ob nun regional oder national; und wer einen Sinn hat für das eigene Sein, das auf dieser Ebene besteht, der kocht prinzipiell anders als die Veggie-Lifestyle-Fraktion.

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Leseprobe: „Einführung in die Spiritualität des Whiskys“

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Was den Umgang mit Genussmitteln anbelangt, muss man nicht unbedingt dem Beispiel jenes schottischen Vaters folgen, der eines Tages seine Kinder zu sich rief und ihnen feierlich eine Tafel Schokolade präsentierte. Vor ihren erwartungsvoll glänzenden Augen packte er die Schokolade aus, brach mehrere kleine Stücke davon ab und reichte jedem der Kinder eines davon. Die Kinder griffen begierig danach und beeilten sich, ihr Schokoladenstück zu verzehren, um ihren Vater schon nach wenigen Augenblicken erneut voller Erwartung anzublicken. Der jedoch packte die Schokolade wieder sorgfältig ein und erklärte den erstaunten Kleinen feierlich: „Der Rest schmeckt genauso!“

Das Ideal liegt selten im Extrem, aber dafür umso häufiger in der Mitte, in Maß und Mäßigung. Weder Verschwendung noch Geiz, weder Leichtsinn noch Ängstlichkeit, weder Genusssucht noch völlige Entsagung entsprechen dem Beispiel Jesu und damit dem Ideal des christlichen Glaubens. Das gilt ganz allgemein und darum umso mehr vom Umgang mit alkoholischen Getränken und hier vor allem vom Umgang mit einer geradezu „spirituellen“ Spirituose wie einem guten schottischem Single Malt Whisky. […] Wenn es denn stimmt, dass Whisky eine wie auch immer geartete „Spiritualität“ innewohnt, dann muss und wird sie sich nämlich als wohltuend erweisen – und zwar als wohltuend für die Seele ebenso wie für den Leib.

Alles andere wäre nichts weniger als ein Widerspruch in sich, denn Seele und Leib bilden, zumal nach christlichem Verständnis, eine von Gott geschaffene und von ihm für gut befundene Einheit (Gen 1,26-31). Erst die Einheit von Seele und Leib ist es, die Leben ermöglicht und Leben ausmacht. Darum verheißt die christliche Heilsbotschaft auch nicht nur eine wie auch immer geartete geistige Weiterexistenz in einem substanzlosen Jenseits. Im Glaubensbekenntnis ist vielmehr von einer „Auferstehung der Toten“ – wörtlich übersetzt sogar von einer „Auferstehung des Fleisches“ – die Rede. Das bedeutet nichts anderes, als dass Gott einst, am so genannten Jüngsten Tag, wenn die Welt in ihrer derzeitigen Gestalt vergeht, nicht nur „einen neuen Himmel und eine neue Erde“ (Offb 21,1) erschaffen, sondern zudem die Menschen mit einem je neuen, unvergängliches Leben und umfassenden Genuss ermöglichenden Leib ausstatten wird.

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Whisky wird von alters her als „Wasser des Lebens“ bezeichnet – ein Begriff, der ursprünglich aus der Bibel stammt. Tatsächlich ist Whisky mehr als nur ein Getränk oder Genussmittel: Mit Bedacht und in Maßen genossen ist er beinahe so etwas wie eine flüssige Predigt, da er die Fülle und Vielfalt der Schöpfung ebenso wie die Zuwendung des Schöpfers zum Menschen mit allen Sinnen erfahrbar zu machen vermag. „Whisky-Vikar“ Wolfgang F. Rothe schlägt in diesem Buch den Bogen von den Ursprüngen des Whiskys im iro-schottischen Mönchtum über dessen Herstellung, Auswahl und Verkostung bis hin zu einer ebenso sinnenfreudigen wie lebensbejahenden christlichen Alltagsspiritualität.

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