Let’s talk about Sex oder warum Papst Franziskus Seelen rettet!

(TheCathwalk.net) Nicht Papst Franziskus, sondern der Hl. Johannes Paul II. war der große Revolutionär, der der Kirche eine neue Sicht auf die Sexualität des Menschen geschenkt hat!
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Papst Johannes Paul II. umarmt den damaligen Kardinal Jorge Mario Bergoglio

Ein Kommentar von Benjamin Kalkum und Friedrich Reusch.

Vieles ist in den letzten Tagen geschrieben worden über Sex-Besessenheit und Moraltheologie, über das ewige Rom und das geistige Wittenberg, über Rigidität und Frigidität. Über was sich die verschiedenen Kommentatoren aber nicht einig waren, das war die Weise, wie wir Sexualität in unseren Diskussionen überhaupt wahrnehmen, definieren, in das Gesamtdasein des Menschen kontextualisieren.

Wir möchten deshalb einen Ausgangspunkt für die theologische Betrachtung in Erinnerung rufen, die aus der Theologie des Leibes des Hl. Johannes Paul II. stammt, der von vielen, die jetzt auf Papst Franziskus einprügeln, auch gerne „der Große“ genannt wird.

Vielen, die Papst Franziskus für den großen Revolutionär halten, ist eines nicht bekannt: Nicht Papst Franziskus, sondern der Hl. Johannes Paul II. war der große Revolutionär, der der Kirche eine neue Sicht auf die Sexualität des Menschen geschenkt hat!

Großartig ist in der Tat sein Perspektivwechsel, den er in seiner Sexualmoral vollzieht: Am Anfang steht die Überlegung, was Gott sich bei der menschlichen Sexualität gedacht hat. Seine Antwort: Weil der Leib die Außenseite der Seele bildet, ist Sexualität (zwischen zwei) immer  Kommunikation. Körper-Sprache von Seele zu Seele. Und sie ist von Gott dazu gedacht, die Liebe auszudrücken (vielleicht auch: zu inkarnieren), die zwei Menschen miteinander verbindet. Diese Liebe wiederum zielt naturgemäß auf Einzigkeit und Treue. Diese Liebe soll und will Abbild der Liebe sein, die Christus uns vorgelebt hat bis ans Kreuz.

Als Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz darüber sprach, dass Männer auch für die Lust ihrer Frauen verantwortlich seien und mit dem Orgasmus gefälligst warten sollten, bis ihre Frau auch zum Höhepunkt gekommen sei, fanden das auch viele anstößig. Dabei war es prophetisch.

Und auch durch seine Abschaffung der automatischen Exkommunikation beim Eingehen einer zweiten Zivilehe hat der Hl. Johannes Paul II.  letztendlich lediglich einen Weg vorgezeichnet, den Franziskus nur weitergegangen ist:

„Früher waren die wiederverheirateten Geschiedenen exkommuniziert und aus dem Leben der Kirche ausgeschlossen. Durch den neuen Codex des kanonischen Rechtes und durch Familiaris consortio wird die Exkommunikation aufgehoben, und sie werden ermutigt, am Leben der Kirche teilzunehmen und ihre Kinder christlich zu erziehen. Dies war eine außerordentlich mutige Entscheidung, die mit einer jahrhundertelangen Tradition brach. Familiaris consortio sagt uns jedoch, dass die wiederverheirateten Geschiedenen nicht die Sakramente empfangen können. Der Grund dafür ist, dass sie öffentlich im Stand der Sünde leben und man es vermeiden muss, Anstoß zu erregen. Diese Gründe sind so stark, dass eine Überprüfung eventueller mildernder Umstände nutzlos zu sein scheint. Jetzt sagt uns Papst Franziskus, dass es sich lohnt, diese Überprüfung durchzuführen.“ – Rocco Buttiglione*

Der Papst macht es sich nicht leicht mit seiner neuen Strategie im Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen. Scheinbar leichter wäre es, zumindest, wenn man Angst vor einem selbstgerechten konservativen Mob hat, einfach auf dem Status Quo zu beharren und die Wirklichkeit zu ignorieren. Eine Gewissensentscheidung ist ohnehin nötig, wenn man sich als gläubiger Mensch in einer „irregulären Situation“ wiederfindet (ob verschuldet oder unverschuldet, ob schon immer Christ oder erst seit kurzem). Dabei machen sich viele mehr Gedanken, als man denken könnte, wenn man sich unsere Kultur oberflächlich anschaut. Und wir sollen nicht ihr Gewissen formen dürfen? Es wäre zu wünschen, dass wir mehr darüber sprechen, was Gott sich mit der Sexualität gedacht hat. So wie es der Hl. Johannes Paul II. gemacht hat. Und so den Gläubigen zu helfen, angeleitet durch ihren Seelsorger echte Gewissensentscheidungen zu treffen, und nicht nur mit dem Strom zu schwimmen.

Bleibt nur noch eine Frage: Warum ist Amoris Laetitia denn eigentlich ein Geschenk des Heiligen Geistes? Na zum Beispiel, weil Papst Franziskus mit seiner neuen Strategie Seelen rettet, die ohne sakramenten Halt seelisch verdursten würden:

„Die neue Regel schafft Probleme und bringt Gefahren mit sich? Gewiss. Es besteht die Gefahr, dass einige frevelhaft die Kommunion empfangen, ohne im Stand der Gnade zu sein? Wenn sie es tun, ziehen sie sich das Gericht zu, indem sie essen und trinken. Aber brachte die alte Regel nicht auch Gefahren mit sich? Bestand nicht die Gefahr, dass einige (oder viele) verlorengingen, weil ihnen ein sakramentaler Halt verwehrt blieb, auf den sie ein Recht hatten? Es ist Aufgabe der Bischofskonferenzen der einzelnen Länder, eines jeden Bischofs und letztlich jedes einzelnen Gläubigen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Vorteile dieser pastoralen Linie zu maximieren und die Gefahren, die sie mit sich bringt, zu minimieren. Das Gleichnis von den Talenten lehrt uns, im Vertrauen auf die Barmherzigkeit das Risiko einzugehen.“ – Rocco Buttiglione*
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WIR haben #SineDubiis unterschrieben, weil…

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Am vergangen Samstag hat The Cathwalk den Weckruf für 2017: „#SineDubiis – Wir gehen mit Papst Franziskus“ veröffentlicht. Die Initiatoren möchten sich bei all denjenigen bedanken, die uns durch Ihrer Unterschrift unterstützt und so ein wichtiges Zeichen in einer Zeit gesetzt haben, in der viele denken, „katholisch“ gehe auch ohne das vorgeschaltete „römisch“.

Unser Manifest hat ans Licht gebracht, wie fortgeschritten die im Weckruf genannten Symptome sind. Die Diskussion um #SineDubiis hat sehr deutlich gezeigt, dass – und wir übertreiben nicht, wenn wir dies sagen –, gerade bei den betont frommen Katholiken momentan eine Erosion des Glaubens stattfindet – eine Erosion des Glaubens an die hierarchische Verfasstheit der Kirche!

Unser Weckruf sollte ein kleines, aber nicht zu überhörendes Zeichen sein gegen die papstfeindlichen Schürer im Hintergrund. Ob wir effektiv gegensteuern können? Wir wissen es nicht. Aber es geht um nicht weniger als um die Aufrechterhaltung des Glaubens unter denjenigen, die sich als gläubig bezeichnen. Pharisäismus und Argwohn sind eine Pest.

Die Initiatoren Matthias Jean-Marie Schäppi & Friedrich Reusch (Chefredaktion The Cathwalk)

Hier eine Auswahl der Berichterstattung und der Auseinandersetzung mit unseren Positionen:

Wir veröffentlich im Folgenden anonymisiert ein paar Statements von Unterstützern, die uns in den letzten Tagen erreicht haben.

Ich unterzeichne diesen Weckruf, weil ich es unerträglich finde, wie einige Katholiken, die sich als rechtgläubig und sogar papsttreu bezeichnen, mit dem Hl. Vater umgehen, ihn sogar mehr oder weniger offen der Häresie beschuldigen. Man kann über Amoris laetitia geteilter Meinung sein und natürlich seine Zweifel auch sachlich äußern, schließlich leben wir in einer Demokratie mit Meinungsfreiheit, was übrigens manchem der Kritiker noch nicht bekannt ist, aber wie auch sonst macht der Ton die Musik.

Es muß eine Stimme im katholischen Lager geben, die ohne Wenn und Aber zur Kirche, zu ihrer Lehre und zum Papst steht. Das sind wir dem Zeugnischarakter des Leibes Christi und seiner Einheit schuldig. Es kann und darf nicht sein, daß die Kirche sich in Humanitaristen und Progressisten einerseits (die genausogut Frau Käßmann sein könnten) und Traditionalisten und Papstkritiker andererseits (die von ihrer Art und Weise, von ihrem Selbstverständnis nicht weit weg sind von Pius X) spaltet.

Ich habe den Aufruf gelesen gelesen und möchte mich voll und ganz damit identifizieren. Der ‚Weckruf‘ ist der Sache nach sehr stimmig und kommt zur rechten Zeit. Ich freue mich zudem für euch, dass das Ganze so breites Echo hervorruft.

Ich bin durch Radio Vatikan auf Ihren Blog gestoßen und bin sehr positiv überrascht über die klare Ansage in „sine dubiis“. Bitte nehmen Sie mich als Mitunterzeichner auf.“

Ich freue mich über Eure klare Stellungnahme zu Papst Franziskus und schließe mich ihr voll inhaltlich an.

Ihr veröffentlichter „Weckruf“ spricht mir aus tiefstem Herzen und tiefster Seele. Daher möchte ich mich diesem gerne anschließen und so meiner Unterstützung von Papst Franziskus Ausdruck verleihen.

Ich habe es mir lange durchgelesen und überlegt. Mir sind ein paar Punkte zu scharf. Ich unterzeichne es trotzdem. Denn die Ehepastoral ist zu wichtig und um die geht es.

Ich habe gerade das „Manifest/Aufruf“ gelesen und muss Euch wirklich loben, weil ihr das Anliegen vieler konservativer Katholiken aufgegriffen und auf den Punkt gebracht habt. Zwar muss ich jetzt in Kauf nehmen, dass ich von einigen Journalisten-Kollegen, die das sehen, in eine Schublade reingeschoben werde in die ich nicht hinein möchte, aber das ist mir jetzt einfach egal, weil auch mir das Anliegen einfach zu wichtig erscheint, ein Zeichen zu setzen, für Papst Franziskus.

Danke für Ihren „Weckruf“! Sie sprechen mir aus dem Herzen. Ein großer Wurf, wahrhaft römisch-katholisch.

Ich möchte mich Ihrer Aktion ausdrücklich anschließen. Ich gehe mit Papst Franziskus und möchte gerne Ihren Aufruf unterzeichnen. Als engagiere Laiin in unserer Kirche sehe ich mit Bestürzung, wie gerade sich selbst als ‚romtreue‘ Christen verstehende Menschen in bösartiger Weise gegen den Papst schießen, sobald er Ihnen unbequeme Wege beschreitet. Wir brauchen keine herrschaftliche, vor allem autoritäre und dogmatische Kirche. Wir müssen den Geist des Evangeliums wieder unter die Menschen tragen. Auf diesem Weg geht uns Franziskus voran, weist uns den Weg.

 

 

 

 

 

 

 

Von Haifischbecken und Brennnesselsträuchern

(Thecathwalk.net) Ich halte es für unangebracht und falsch, über jede (vermeintliche) Verfehlung des Bischofs von Rom (oder anderer Bischöfe und Kardinäle) herzuziehen – und diese persönliche Meinung dann im Idealfall noch öffentlich auf facebook zu posten und breitzutreten. Und ich halte es für töricht und wenig apostolisch, wenn in der Kirche und unter Katholiken ein negativer Geist herrscht und wir letztlich nur um uns selbst kreisen – anstatt uns den Menschen „da draußen“ zuzuwenden.
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Ein Kommentar von Georg Dietlein

Im „katholischen Milieu“ (wie ich liebevoll zu sagen pflege) kann man zur Zeit jede Stecknadel fallen hören. Die Stimmung ist gereizt. Freundschaften sind angespannt. Und kaum jemand kommt über das übliche Schwarz-Weiß-Freund-Feind-Denken hinweg. Es geht um Papst Franziskus, die „Dubia“ der Kardinäle, Amoris laetitia, einen auf The Cathwalk veröffentlichten Weckruf, den einige katholische Blogger und Publizisten unterschrieben haben – und natürlich um persönliche Animositäten.

Ich sage es gleich vorweg: Man kann zu dem „Weckruf“ unterschiedlicher Meinung sein. Papst Franziskus wäre der letzte, der blinden Gehorsam fordert. Wäre ich der Redenschreiber des Pontifex, würde auch ich ihn an manchen Stellen deutlicher sprechen lassen. Ich kenne persönliches Misstrauen gegen den Papst sehr gut – zu sehr fordert er uns alle heraus. Doch dieser Misstrauens-Express kann schneller im geistigen Wittenberg ankommen, als es so manchem „differenzierten Papst-Kritiker“ lieb ist. Deswegen war der Weckruf ein begrüßenswerter Warnruf.

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#SineDubiis – Wir gehen mit Papst Franziskus!

Ein Weckruf für 2017

Ubi Petrus, ibi Ecclesia – wo Petrus ist, da ist die Kirche. Gemäß dieser Maxime glaubten und handelten Generationen katholischer Christen. Dieses Vertrauen in Petrus und seine Nachfolger ist kein Vertrauen in menschliche Gestalten, sondern Vertrauen in den Heiligen Geist selbst, der die Kirche Jesu Christi leitet und ihr beisteht. Dieses Vertrauen bedeutete immer auch ein liebevolles, aber dennoch selbstbewusstes Einstehen gegenüber den christlichen Strömungen der Reformation. Doch ausgerechnet im sogenannten „Luther-Jahr“ 2017 schüren die ihrem Selbstverständnis nach „romtreuen“ Kreise Misstrauen und Argwohn gegenüber dem Papst in einer Weise, die Luther alle Ehre gemacht hätte. Dagegen wenden sich die Unterzeichner dieses Weckrufs: Wir wollen keine Reformation reloaded – Wir gehen mit Papst Franziskus!

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I. Ein guter und rechtgläubiger Papst

  • Das Pontifikat von Papst Franziskus ist ein großer Segen für die Kirche. In epochaler Weise rief uns der Pontifex im vergangenen Jubeljahr die Bedeutung der Barmherzigkeit Gottes wieder ins Gedächtnis, den Schatz der Beichte und Gewissenserforschung, und die Notwendigkeit, den Geist der Barmherzigkeit auch dem scheinbar verlorenen Sünder gegenüber zu bezeugen. Gerade in einer Zeit, die sich leicht tut mit vorschnellen Verurteilungen, die eine Verrohung der Sprache und Sitten sowie einen grenzenlosen Egoismus ihr eigen nennt, ist die vom Papst angemahnte radikale Barmherzigkeit DAS Gegenmittel, welches der Heilige Geist durch den Heiligen Vater seiner Gemeinde kundgetan hat.
  • Diese radikale Barmherzigkeit zieht notwendig auch den Neid des vermeintlich „gerechten Sohnes“ auf sich, weil der barmherzige Vater bis in die Selbstdemütigung hinein nichts unversucht lässt, um den „verlorenen Sohn“ zu finden.
  • Papst Franziskus fördert in segensreicher Weise die Sakramenten-Pastoral. So erteilte er den Priestern der FSSPX die ordentliche Beichtvollmacht mit dem Wunsch, dass die Gläubigen dort gut und eifrig praktizieren können. Besonderes Feingefühl bewies er mit seinen Regelungen zur Absolution nach Abtreibung. Er setzte damit ein eindrucksvolles Zeichen dafür, dass die Barmherzigkeit Gottes groß genug ist, auch diese größte soziale Wunde unserer Zeit zu heilen. Der pastoralen Taten von Franziskus gibt es noch viele mehr. Wir nehmen diese dankbar an und preisen Gott dafür.
  • Wir distanzieren uns davon, die guten Akzente dieses Papstes ständig argwöhnisch zu beachten und fühlen uns dabei an einen Ausspruch von Berti Vogts erinnert: „Wenn ich übers Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker: ‚Nicht mal schwimmen kann der!’“

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„Stimme des Herzens“: Diese Frauen geben ihren ungeborenen Kindern eine Stimme

Die „Reivindica“-Bewegung kam auf die Idee der Aktion #LaVozDelCorazón, zu Deutsch #StimmeDesHerzens.

Die Aktion soll klarmachen: Wer über Abtreibung spricht, der spricht über menschliches Leben. Das tiefe Band, das Mütter mit ihren Kindern verbindet, wird so sichtbar, wie auch die Tatsache, dass die Abtreibungs-Debatte nicht leichtfertig geführt werden kann.

Vor allem aber bekommen die eigentlichen Protagonisten eine Stimme: die Mutter und ihr Kind.

Peppone: „Das Volk bin ich!“

von Marco F. Gallina

Der dritte Film in der Reihe von Guareschis Werk, „Die große Schlacht des Don Camillo“ ist den meisten Zuschauern bis heute aufgrund einer Szene im besonderen Gedächtnis verblieben: die Fahrt der beiden Rivalen in einem US-Panzer kann man mit Sicherheit zu einer der Ikonen der italienischen Filmgeschichte zählen. Aber wie viele wissen eigentlich noch, warum die beiden überhaupt eine wilde Panzerfahrt durch die Po-Ebene unternehmen?

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Laut der Erzählung ließen die Amerikaner (fälschlich geht man zuerst von den Deutschen aus) das Gefährt 1945 zurück, nachdem man sich im nahen Hof des Kommunisten Tascha mit Wein betrunken hatte, und darüber den Panzer wohl vergaß. Peppones Leute bergen das Gerät für „spezielle Anlässe“ in der Zukunft – ob für Paraden, einen Umsturz oder die Weltrevolution lässt man wohl aus gutem Grund offen. Fakt bleibt, dass der Tank jahrelang unter einem Haufen Reisig versteckt wird.

Tascha ist allerdings nicht Besitzer, sondern nur Pächter des Hofs. Der arme Bauer Bezzi, der sein ganzes Leben lang gespart hat, erwirbt das Land vom eigentlichen Besitzer. Tascha muss den Hof daher räumen. Doch weil der Panzer dort immer noch versteckt ist, und der Verwaltung nie gemeldet wurde, könnte ein Prozess drohen. Illegaler Waffenbesitz – oder so ähnlich. So ein M24 Chaffee ist ja doch etwas mehr als eine gewöhnliche Schrotflinte.

Bürgermeister Peppone hält daher seine schützende Hand über Tascha, als der Bauer Bezzi einziehen will, nicht zuletzt, da die ganze Sache auf ihn zurückfallen könnte. Zweimal gibt es einen Aufschub für Tascha, damit Bezzi den Hof nicht beanspruchen kann. Solange ist Bezzi allerdings samt Familie und Vieh ohne Obdach. Don Camillo nimmt sich daher des Obdachlosen an, um seinen Fall beim Bürgermeister durchzusetzen. Man will sich gütlich einigen und nicht gleich vor Gericht gehen – schließlich ist das Italien und nicht Amerika, wo jeder sofort mit dem Anwalt um die Ecke kommt. Insbesondere, da die Kommunistenbande um Tascha auch nicht davor zurückschreckt „ihren“ Hof im Zweifelsfall mit Gewalt zu verteidigen (so viel im Übrigen zu Abschaffung des Privatbesitzes!).

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5 Parallelen zwischen Präsident Trump und Papst Franziskus

(TheCathwalk.net) Ob Dubia-Pharisäer oder CNN-Lügner, Malteser-Separatisten oder CIA-Verschwörer: Sowohl Präsident Trump als auch Papst Franziskus haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Der Cathwalk zeigt exklusiv, warum die beiden sich ähnlicher sind, als viele denken…

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Make the Catholic Church great again!

I. „No, I´m not gonna give you a question!“ – Dubia-Pharisäer und CNN-Lügner 

Beide Staatsoberhäupter haben mit einer wahrhaftigen Schlangenbrut zu kämpfen. Dabei zeigen sie lobenswertes Durchsetzungsvermögen: Während Trump weiß, dass es CNN nicht um eine ernsthafte Suche nach der Wahrheit geht, sondern darum, den ungeliebten Polit-Quereinsteiger zu desavouieren, gibt auch Papst Franziskus den pharsäischen Dubia-Dubbeln keine Antwort. Weiß er doch, dass die Dubia nichts anderes sind als moderne pharisäische Fangfragen. Und auf die ist Jesus Christus auch nicht eingegangen. Jeder Papstfreund wünscht sich indes eine Pressekonferenz im Vatikan, in der der Pontifex dem Sektierer Roberto de Mattei und dem plötzlich aus der Unterwelt aufgetauchten Giuseppe Nardi entgegenschleudert: „No, not you – not you! Your organisation is terrible! You are fake news!“

II. Ein Herz für den kleinen Mann – Skepsis gegenüber dem Freihandel

Die Floskeln von der alternativlosen Globalisierung, bei denen die Konzerne die einzigen entscheidenden Akteure sind, ziehen weder beim mächtigsten Christen noch beim mächtigsten Politiker der Welt. Beide betonen, dass uns die am besten vernetzte Globalisierung nichts nützt, wenn der kleine Mann dabei auf der Strecke bleibt – Trump mag dabei in erster Linie an den Arbeitslosen im Rust Belt, Franziskus an die Slums von Lateinamerika, Afrika und Indien denken. 

III. Amoris Laetitia und Great again! – Die Ränder im Blick

Sowohl das Pontifikat von Franziskus als auch die Amtszeit Trumps sind als ausdrückliche Re-Integrations-Perioden gedacht. Trump möchte die Verlierer der elitären Establishment-Politik á la Clinton und Obama wieder aufrichten, Papst Franziskus geht es mehr um die sprichwörtlichen „Zöllner und Sünder“, welche eine pharisäische Jansenistenfront inner- und außerhalb des Vatikans lieber stigmatisieren als absolvieren will.

IV. CIA-Verschwörung oder Malteser-Separatismus – Kein Bock auf Polykratie

Papst Franziskus gilt als wahrer Monarch auf dem Papstthron – so wie es die Pius-Päpste angeblich waren und wie es viele Konservative gerne bei Benedikt XVI. gesehen hätten. Für erfahrene Vatikan-Beobachter gilt es als sicher, dass der Pontifex auch den momentanen Stellvertreterkrieg um die Führung des Malteserordens für sich entscheiden wird – zum Ärger derer, die sonst nicht müde werden, mehr Autorität und mehr Rom-Zentrismus von der kirchlichen Hierarchie einzufordern!  Trump hätte auch gerne so weitreichende Machtbefugnisse, das Gewicht der Geheimdienste wird er aber aufgrund der amerikanischen Verfassung nicht ändern können. Was er aber tun könnte, wäre durch seine Social Media – Community die Geheimdienste beim einfachen Amerikaner so unbeliebt zu machen, dass ihnen keiner mehr glaubt.

V. Pro Life: Abtreibungen effektiv verhindern

Planned Parenthood dürfte es schwer haben in der Amtszeit Trumps, der die Wahl wohl ohne sein Bekenntnis „I´m Pro Life!“ und die Versprechung, staatliche Subventionen für Planned Parenthood zu streichen, nicht gewonnen hätte. Papst Franziskus setzt viele Zeichen für den Schutz des Lebens, die zeigen, dass er Notleidenden wirklich helfen will. Beispiele für diese integrale Barmherzigkeit sind seine Bestimmungen zur Absolution nach Abtreibung und seine Privataudienz für das Projekt 1000plus („HILFE statt Abtreibung“).

Gedicht zum Sonntag: „Fliegenbitte“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 – 1874)

„Weihnachten soll’s für mich auch sein“

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Gönnt doch dem kleinen Wintergast
Im warmen Zimmer Ruh und Rast.
Da draußen ist gar schlimme Zeit,
Es stürmt und regnet, friert und schneit.

Ach, mein Begehren ist nur klein,
Ich nehme wenig Raum nur ein!
Im Blumenbusch am Fenster hier,
Da such‘ ich mir ein Nachtquartier.

Und wird es mir darin zu kalt,
So ist mein liebster Aufenthalt
Beim alten Fritzen auf dem Hut,
Da sitz‘ ich sicher, warm und gut.

Und kommt der heil’ge Christ heran,
Dann freu‘ ich mich wie Jedermann,
Weihnachten soll’s für mich auch sein,
Ein Kuchenkrümchen wird schon mein.

Drum laß die arme Flieg‘ in Ruh,
Sie hat ein Recht zu sein wie du.
Nun, liebes Kind, nun freue dich
Und sei noch lustiger als ich!

hoffmann_von_fallerslebenAugust Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) wurde am 2. April 1798 in Fallersleben in der Nähe von Braunschweig geboren. Nach dem Abitur begann Hoffmann ein Studium der Theologie, dann der Germanistik und deutschen Philologie in Göttingen. 1821 nahm er ihn Berlin eine Stelle als Bibliothekar an; 1823 folgte eine Anstellung als Kustos der Zentral-Bibliothek in Breslau. 1830 wurde er außerordentlicher Professor in Breslau und habilitierte sich 1835 zum ordentlichen Professor der deutschen Sprache und Literatur. Nachdem Hoffmann wegen seiner liberalen Haltung aus dem Staatsdienst entlassen worden war, begab er sich auf Reisen. Von 1860 bis zu seinem Tod war er als Bibliothekar des Herzogs von Ratibor zu Corvey tätig. Hoffmann von Fallersleben starb am 19. Januar 1874.

Quelle: Britta Dörre, zenit.org

 

Schönheitsoperationen – Gut oder überflüssig?

Ein Kommentar von M. Jeanette Karbig

Schönheitsoperationen

Bei unseren „Liebe Leben“-Vorträgen über das Frau-Sein sprechen wir auch das Thema Schönheitsoperationen an. Daraufhin fragte mich eine beunruhigte Mutter, ob denn alle Schönheits-OPs problematisch seien.

Ich glaube das nicht. Für mich ist die Frage entscheidend, ob der Eingriff die Lebensqualität entscheidend verbessern kann. Es gibt Schönheitsdefizite, deren Korrekturen z.B. auch von den Krankenkassen übernommen werden. Dann ist es ein Eingriff, der sinnvoll sein könnte. Dennoch bleibt das Risiko von Nach-/Nebenwirkungen, wie ein dauerhafter Schmerz oder unbefriedigendes Ergebnis groß.

Vielmehr aber noch kann jede Frau, die mit einem solchen Eingriff liebäugelt, prüfen, was sich danach denn wirklich verändern würde und ob sich dieses Problem nicht anders lösen ließe. Damit meine ich nicht das Wegreden von Problemen oder die Annahme „schicksalhafter“ Schönheit, sondern ganz praktische, einfache Lösungen. Könnte nicht durch gut gewählte Kleidung das Problem abgemildert oder behoben werden? Könnte man sich von dem sozialen Druck befreien, dem man ausgesetzt ist? Ein schwaches Selbstwertgefühl oder mangelnde Selbstannahme könnten ebenso Ursachen für den Wunsch nach einem medizinisch-kosmetischen Eingriff sein. Und diese Mangelzustände blieben auch nach der OP bestehen.

Überlegenswert sind auch folgende Fragen: Was hat sich Gott gedacht, als er mich schuf – mit genau den Stärken und Schwächen, die jede Frau an ihrem Körper findet? (der Psalm 139 kann hier auch weiterhelfen!) Was stört mich denn wirklich? Was ist denn das Ende aller Frageketten? Und – gibt es in der Welt wirklich die von der Werbung und den Medien suggerierte Perfektion? Barmherzigkeit mit sich selbst ist ein Schlüssel zur Selbstannahme, zur Selbstliebe.

Schönheit die von Ihnen kommt

In Deutschland wird vergleichsweise wenig kosmetisch operiert. Anders sieht das in Ländern aus, in denen die äußere Erscheinung sehr wichtig ist, z.B. in Spanien, Italien, USA oder Brasilien. Dort ist der Sozialdruck größer, jedoch gilt auch dort das Prinzip der Schönheit, die von Innen kommt:

  • die Natürlichkeit
  • die (emotionale) Intelligenz, verbunden mit
  • körperlicher Attraktivität.

Das macht wahre Schönheit aus.

Quelle: http://www.liebeleben.com

Don Camillo und die Madonna

von Marco F. Gallina
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Wer sich mit der Filmreihe um Guareschis berühmteste Figuren auskennt, der weiß, dass es zwei Versionen gibt: Gino Cervi und Fernandel spielten ihre Rollen gleich zweimal, die Filme wurden doppelt abgedreht. Warum? Die Frage ist bis heute nicht völlig geklärt, denn Cervi sprach auch in der französischen Version Italienisch, Fernandel Französisch im italienischen Pendant. Fakt bleibt, dass einige Szenen anders modelliert sind; die Aufzählung der Details würde die Bandbreite sprengen. So singen die Kommunisten bei den Franzosen die „Internationale“, bei den Italienern „Bandiera rossa“.
Neben gestalterischen Kleinigkeiten gibt es aber auch Dialoge und ganze Szenen, die der italienischen Version fehlen. Ironischerweise ist die französische die werktreuere, und beinhaltet Aufnahmen, die der italienischen Zensur zum Opfer fielen. Ein Beispiel ist die Beerdigung von Signora Cristina – die alte Königsflagge war noch in den Fünfzigern ein Politikum, weswegen diese nur ganz kurz gezeigt wird; in der französischen Beerdigungsszene wird dem Tuch und dem Leichenzug größerer Platz eingeräumt. Ebenso erschien der Selbstmordversuch des Liebespaares Gino und Mariolino im ersten Film den Sittenwächtern unangemessen; und der Kreuzweg Don Camillos im zweiten Film wurden von einigen Kritikern als mögliche Parodie (und damit: Blasphemie) gewertet, weswegen dieser in der italienischen Version deutlich kürzer ausfällt.
Wer des Italienischen oder Französischen mächtig ist, kann kurz einen Blick in dieses halbstündige Video werfen, welches einige prägnante Beispiele bezüglich des Unterschieds der beiden Filmversionen zeigt:

„Don Camillo und die Madonna“ weiterlesen

Der Ablass – Den gibt’s doch gar nicht mehr! Ein Kommentar zum Reformationsfest

Lifestyle-Spiritualität

Von Dr. Eckhard Bieger SJ

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Wer eine benediktinische Spiritualität lebt, für den ist das Stundengebet wichtig, er wird sich öfters in Abteien aufhalten oder um Aufnahme in eine Gemeinschaft von Mönchen oder Nonnen bitten.

In der Konsumgesellschaft verwirklichen Menschen ihren Lifestyle, indem sie eine bestimmte Automarke fahren, sich durch eine Moderichtung in besonderer Weise in der Öffentlichkeit zeigen, indem sie eine bestimmte Musik hören, sich in Discos oder Konzertsälen treffen. Man gibt dem Tagesablauf, dem eigenen Auftreten eine bestimmte Form und beschäftigt sich mit bestimmten Medien, die alle Informationen enthalten, wie man die Vorstellungen vom Leben verwirklicht. Wenn man nicht in Konzerte geht, mit dem Auto keine Tour gemacht hat, nicht in einem Lokal gegessen, auf einer Insel Urlaub nicht gemacht hat, diese Musik nicht hört, dieses Zeitschrift nicht liest, dann verwirklicht man die Vorstellungen nicht, die man vom eigenen Leben mit sich herumträgt. Man muss im Leben etwas umsetzen, um den gewählten Lifestyle auch u verwirklichen.

Die gleichen Kriterien werden von religiösen Menschen auch in Bezug auf die Verwirklichung ihrer Religiosität beachtet. Wer eine benediktinische Spiritualität lebt, für den ist das Stundengebet wichtig, er wird sich öfters in Abteien aufhalten oder um Aufnahme in eine Gemeinschaft von Mönchen oder Nonnen bitten. Wer sich der ignatianischen Spiritualität verschrieben hat, wird die Exerzitien des Ignatius von Loyola machen und sich im Tagesablauf an die Vorgaben des Ignatius halten, die u.a. einen Tagesrückblick mit Gewissenserforschung  vorsieht. Zur Verwirklichung der Spiritualität gehört auch die Lektüre einer Zeitschrift, dass man sich über Neuerscheinungen zum Themengebiet informiert und im Fernsehen oder auf Video bestimmte Filme gesehen hat, die sich mit der jeweiligen Spiritualität beschäftigen. Wer es nicht tut, gehört nicht dazu und prägt die gewählte Spiritualität nicht in seinem Leben aus. Lifestylekonzepte und spirituelle Lebensformen haben gemeinsam, dass sie sich in eine bestimmte Praxis umsetzen. Weiter gehört die Nutzung bestimmter Medien, die sich mit dem Lifestyle bzw. der Spiritualität beschäftigen, dazu.

„Lifestyle-Spiritualität“ weiterlesen

Film zum Wochenende: Rose’s Song – Glaube und Hoffnung!

Budapest im Herbst 1944. In einer alten Villa in den Hügeln der Stadt halten sich der 14-jährige Timmy und seine Familie, zusammen mit andern jüdischen Familien, vor den Nazies versteckt. Die Lage ist verzweifelt, aber der Besitzer der Villa, der weltberühmte Opernsänger Imre Rose, gibt den Eingeschlossenen, wenn auch nur für ein paar Minuten in der Woche, Hoffnung. Imre Rose, selber Jude, weigert sich, trotz der Gefahr, Budapest zu verlassen. Er hat geschworen, sein Turmzimmer nicht zu verlassen, bis die deutschen Besatzer wieder abgezogen sind. Einmal in der Woche öffnet er die Fenster und singt ein Arie. Solange Imre Rose noch am Leben ist und jede Woche singt, ist die Situation nicht völlig aussichtslos. Während die eingeschossenen Menschen seinem Lied lauschen, versucht der neugierige Tommy, mehr zu erfahren und kommt hinter das Geheimnis des berühmten Sängers.

12 Tipps zum Rosenkranzmonat

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(CNA Deutsch).- In der Neuzeit war es immer wieder das Rosenkranzgebet so vieler Christen, das ihnen Frieden und Freiheit gebracht hat.

Denken wir nur an die Schlachten von Lepanto und Wien oder an den friedlichen Abzug der russischen Besatzung in Österreich. Papst Leo der XIII. hat in mehreren Enzykliken, die dieses Gebet in der Kirche fördern sollten, den Oktober zum Rosenkranzmonat erklärt. Durch die Erscheinungen der Muttergottes in Fatima, die sich im kommenden Jahr zum hundertsten Mal jähren, hat die kleine Perlenschnur neue, noch größere Bedeutung bekommen. Die Mutter Jesu bittet um das tägliche Gebet des Rosenkranzes, der in der Hand selbst kleiner Kinder oder kranker und alter Menschen zur Schleuder Davids wird – zu einer Waffe, mit der, wie die hl. Theresa von Kalkutta zu sagen pflegte, alle Probleme dieser Welt bezwungen werden können.

„12 Tipps zum Rosenkranzmonat“ weiterlesen

Ein Jahr „Cathwalk“ – Jetzt spricht der katholische Dr. Mabuse!

„The Cathwalk ist auch der ‚Wake-Up-Call‘ für die selbstzufriedenen, selbstverliebten und selbstgerechten Katholiken.“ Gründer und Herausgeber von The Cathwalk Matthias Jean-Marie Schäppi über 1 Jahr www.thecathwalk.net

Lieber Matthias, was ist dein Lieblings-Artikel aus 365 Tagen The Cathwalk?

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Herausgeber und Gründer: Matthias Jean-Marie Schäppi

Eine schwierige Frage. Ein Jahr Cathwalk bedeutet auch 365 Artikel. Wir haben zwar mit der Devise angefangen, nur einmal in der Woche einen Artikel zu publizieren, aber nach wenigen Monaten schon konnten wir dieses Angebot so ausbauen, dass wir nun mindestens einen Artikel pro Tag veröffentlichen. Einen Lieblingsartikel hab ich als Chefredakteur natürlich nicht. Am meisten Gefallen finde ich an literatur- oder kulturwissenschaftlichen Abhandlungen, weil ich mich persönlich dadurch auch weiterbilde und neue Dinge erfahre. Am meisten Spaß machen die provokanten Artikel, die schon manche Eiferer zur Weißglut treibt und den Pharisäer in ihnen aufblitzen lässt.

Der Beginn von Cathwalk war ja sehr turbulent. Warum diese deutlichen Worte zu Beginn?

Wenn man die publizistische Bühne betritt und den Anspruch hat von einer breiten Leserschaft zur Kenntnis genommen zu werden, muss man dies mit einem Coup tun. Ein solcher Effekt ist uns sicherlich mit dem inzwischen berühmt-berüchtigten „Krah-Interview“ gelungen. Nichts ahnend sprach der Dresdener Rechtsanwalt frei von der Leber, weshalb er lange Wickelröcke hässlich findet. Das mediale Echo (mit inzwischen über 70.000 Klicks) war enorm. Über Nacht wurden wir von katholischen Medien und Bloggern zitiert und als „Mitspieler“ akzeptiert.

In der ersten Zeit ging es dann zunächst darum, unserem Ruf als „Skandal-Portal“, wie wir genannt wurden, gerecht zu werden. Also viel „Trümmer-Literatur“, wie ich es nennen würde. Aufräumen mit dem alten traditionalistischen Mief, der völlig haltlos ist. Mit der Zeit hatten wir dann auch wieder die Masse der „Protestleser“ vertrieben und konnten beginnen, Artikel über das Gute, Wahre und Schöne zu bringen. Das hatte zur Folge, dass wir anfangs 30.000 regelmäßige Leser hatten und dann wieder bis auf 5.000 „gesunken“ sind. Aber seither bauen wir unsere Leserschaft wieder kontinuierlich auf, so dass ich stolz bin, für den Monat September einen neuen Leserrekord mit 32.000 (Unique-)Lesern erzielt zu haben. Damit liegen wir noch vor dem Onlineangebot der Tagespost 😉

Manche Kritiker sprechen schon mal von „Boulevard“, wenn sie von The Cathwalk sprechen. Stört dich das?

Nein, das stört mich überhaupt nicht! Selbstverständlich machen wir mitunter auch Boulevard-Katholizimus. Man muss nicht immer den hl. Thomas oder Rahner zitieren, wenn man sich zu theologischen Fragen äußert. Damit erreicht man nicht die Masse. Man muss einfach und verständlich argumentieren. Man muss laut sein, Krach machen, steile Thesen aufstellen und provozieren. Es muss auch nicht alles richtig sein. Das ist gar nicht unser Anspruch. Unser Anspruch ist: Diskussionen entfachen, Leser dazu zu bringen, das, was ihnen bisher selbstverständlich erschien, auch mal in logische Argumente zu verpacken. The Cathwalk ist nicht die „Akte des Lehramts“, wir sind der „Wake-Up-Call“ für die selbstzufriedenen, selbstverliebten und selbstgerechten Katholiken.

Bilder aus einem Jahr Cathwalk 

Welche der wüsten Beschimpfungen aus der Leserschaft hat dich persönlich getroffen?

Ich bin seit über zehn Jahren im publizistischen Bereich tätig und trage Verantwortung. Kritische Leserkommentare sind für mich keine Neuigkeit. Die Diffamierung erreichte allerdings zu Beginn eine – auch mir – neue Dimension. Ich hatte nicht auf Zustimmung gehofft, aber dass viele Rechtskatholiken, verschrobene Puritaner und Krypto-Calvinisten einen derartigen Offenbarungseid leisteten, war nicht zu erwarten. Von daher war dies auch wieder eine gute Nachricht. An uns scheiden sich die Geister und das ist gut so!

Was mich persönlich vielleicht am meisten getroffen hat, ist, dass ich sehen konnte, wie viele traditionalistischen Menschen mit großem Eifer eine Religion betreiben, die sie nicht verstehen und die mit dem Katholizismus nichts zu tun hat. Das war wirklich erschreckend. Da gehen diese „frommen“ Menschen (teilweise sogar täglich) in die Kirche, beten bis es raucht und ziehen dann bei nächster Gelegenheit vom Leder über andere Katholiken, die es nicht genauso machen.

Was sind das für Leute?

Das sind, wie Dr. Tobias Klein bei uns auf dem Cathwalk einmal passend schrieb, „Menschen, die den Eindruck erwecken, sie könnten sich nicht so richtig auf den Himmel freuen, wenn sie dabei nicht die zusätzliche Genugtuung haben, dass möglichst viele andere Leute in die Hölle kommen.“ Es gibt viel zu viele Pharisäer unter den Katholiken…

Zurück zu Deinem Onlinemagazin. Hat sich durch Cathwalk etwas in der katholischen Medien-„Szene“ geändert?

Mit Cathwalk ist zumindest ein „Game-Changer“ im Rennen. Wir haben mittlerweile über 30.000 Cathwalk-Leser im Monat, überwiegend aus der Altersgruppe 18-34. Wir erreichen diese Menschen und wer dies als katholisches Medium ebenfalls tun möchte, muss sich an unseren Methoden zumindest orientieren. Ich sage damit nicht, dass wir alles richtig machen und dass wir der einzige Weg sind; was ich sage, ist: wir haben zweifelsohne Erfolg und werden von unserer Zielgruppe auch gelesen.

Junge Menschen bei uns interessieren sich für Mode, Musik, Kino, vielleicht Literatur, oder sagen wir es allgemein: Lifestyle. Wir bieten ihnen diese Themen garniert mit einer Portion Spiritualität und Glaubensimpulsen. Wenn man nur Kino macht, hat man keinen Erfolg. Wenn man nur die Pressemeldungen des Vatikans veröffentlicht, ebensowenig. Und moralinsaure Höllenpredigten haben auch geringe Erfolgsaussichten. Eine ausgewogene Mischung ist entscheidend.

Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass wir versuchen ganz nahe an den Leser zu gehen. Wir veröffentlichen viel über Erotik und Sexualität und die Pervertierung davon: Pornographie. Wir tun dies aber nicht mit erhobenem Zeigefinder, sondern mit rationalen Argumenten, und das erkennen junge Leser schnell: Ob man ihnen ein schlechtes Gewissen einreden oder ihnen Hilfestellung anbieten will.

Für kontroverse Diskussionen sorgt ja auch stets die 7 Vorurteile – Reihe. Ist katholische Dialektik nicht gefährlich heutzutage? Wäre ein klarerer Kurs nicht besser?

Die Glaubwürdigkeit der Medien liegt am Boden. Als hauptsächlicher Grund würde ich die selbstverschuldete einseitige Berichterstattung anführen. Auch katholische Medien berichten sehr einseitig. Entweder konservativ oder progressiv. Als wir unser Onlineportal gegründet haben, war einer unserer Grundsätze: Wir wollen Katholizismus in all seinen Lebensrealitäten abbilden. Selbstverständlich hat unsere Redaktion Grundsätze und publizistische Leitlinien. Aber ich sag mal so: Über alles was die katholische Kirche nicht als Dogma verkündet hat, darf gerne leidenschaftlich diskutiert werden. Das Schöne am Katholizismus ist doch gerade seine Vielfältigkeit, und die wollen wir auch voll ausspielen.

Wir sind mit Sicherheit nicht das Medium der Konservativen, aber auch von den Progressisten mit dem „Hurra-Katholizimus“ lassen wir uns nicht anstecken. Aber wir bringen – nach Möglichkeit – immer beide Seiten zu einem Thema. Die 7-Vorurteile-Reihe ist als solches Tool ideal. In der einen Woche freuen sich die einen und von den anderen werden wir als „einseitig“ verurteilt und in der Woche danach dreht sich der Spieß um. So gewinnt man vielleicht keine Freunde, aber dafür Leser…

Katholiken sollen sich ja auch gegenseitig heiligen. Tut der Cathwalk das: Menschen heiligen und in den Himmel führen? Ist das Portal nicht viel eher ein Jahrmarkt der Eitelkeiten?

Unser Portal will die Freude und Schönheit des katholischen Glaubens aufzeigen. Nicht immer ist uns das gelungen, nicht immer wird uns das gelingen. Muss es auch nicht! Aber selbstverständlich muss es unser Ziel sein, Menschen zu Christus zu führen. Alles andere wäre irrelevantes Glasperlenspiel und dafür wäre die stundenlange Arbeit einfach zu schade.

Cathwalk ist als Projekt angelegt, von dem man nie wissen kann, wie lange es währen wird. Aber auf was dürfen sich deine Leser in der unmittelbaren Zukunft freuen?

FullSizeRenderDas stimmt. Wir sind nach wie vor ein „Projekt“. Ursprünglich auf 3 Monate angelegt, dann auf ein halbes Jahr ausgedehnt und nun beginnen wir ab heute das zweite Jahr. Das Engagement der Leser, uns Artikel zuzusenden, ist sehr lobenswert. Täglich erreichen mich neue Zuschriften. Es sind folglich viele weitere, spannende Artikel geplant. Die gewünschte Aufmerksamkeit haben wir ja jetzt, d.h. also: Vielleicht nicht mehr ganz so provokant, dafür mit umso mehr Gehalt.

Die Fragen stellte Friedrich Reusch.