Let’s talk about Sex oder warum Papst Franziskus Seelen rettet!

(TheCathwalk.net) Nicht Papst Franziskus, sondern der Hl. Johannes Paul II. war der große Revolutionär, der der Kirche eine neue Sicht auf die Sexualität des Menschen geschenkt hat!
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Papst Johannes Paul II. umarmt den damaligen Kardinal Jorge Mario Bergoglio

Ein Kommentar von Benjamin Kalkum und Friedrich Reusch.

Vieles ist in den letzten Tagen geschrieben worden über Sex-Besessenheit und Moraltheologie, über das ewige Rom und das geistige Wittenberg, über Rigidität und Frigidität. Über was sich die verschiedenen Kommentatoren aber nicht einig waren, das war die Weise, wie wir Sexualität in unseren Diskussionen überhaupt wahrnehmen, definieren, in das Gesamtdasein des Menschen kontextualisieren.

Wir möchten deshalb einen Ausgangspunkt für die theologische Betrachtung in Erinnerung rufen, die aus der Theologie des Leibes des Hl. Johannes Paul II. stammt, der von vielen, die jetzt auf Papst Franziskus einprügeln, auch gerne „der Große“ genannt wird.

Vielen, die Papst Franziskus für den großen Revolutionär halten, ist eines nicht bekannt: Nicht Papst Franziskus, sondern der Hl. Johannes Paul II. war der große Revolutionär, der der Kirche eine neue Sicht auf die Sexualität des Menschen geschenkt hat!

Großartig ist in der Tat sein Perspektivwechsel, den er in seiner Sexualmoral vollzieht: Am Anfang steht die Überlegung, was Gott sich bei der menschlichen Sexualität gedacht hat. Seine Antwort: Weil der Leib die Außenseite der Seele bildet, ist Sexualität (zwischen zwei) immer  Kommunikation. Körper-Sprache von Seele zu Seele. Und sie ist von Gott dazu gedacht, die Liebe auszudrücken (vielleicht auch: zu inkarnieren), die zwei Menschen miteinander verbindet. Diese Liebe wiederum zielt naturgemäß auf Einzigkeit und Treue. Diese Liebe soll und will Abbild der Liebe sein, die Christus uns vorgelebt hat bis ans Kreuz.

Als Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz darüber sprach, dass Männer auch für die Lust ihrer Frauen verantwortlich seien und mit dem Orgasmus gefälligst warten sollten, bis ihre Frau auch zum Höhepunkt gekommen sei, fanden das auch viele anstößig. Dabei war es prophetisch.

Und auch durch seine Abschaffung der automatischen Exkommunikation beim Eingehen einer zweiten Zivilehe hat der Hl. Johannes Paul II.  letztendlich lediglich einen Weg vorgezeichnet, den Franziskus nur weitergegangen ist:

„Früher waren die wiederverheirateten Geschiedenen exkommuniziert und aus dem Leben der Kirche ausgeschlossen. Durch den neuen Codex des kanonischen Rechtes und durch Familiaris consortio wird die Exkommunikation aufgehoben, und sie werden ermutigt, am Leben der Kirche teilzunehmen und ihre Kinder christlich zu erziehen. Dies war eine außerordentlich mutige Entscheidung, die mit einer jahrhundertelangen Tradition brach. Familiaris consortio sagt uns jedoch, dass die wiederverheirateten Geschiedenen nicht die Sakramente empfangen können. Der Grund dafür ist, dass sie öffentlich im Stand der Sünde leben und man es vermeiden muss, Anstoß zu erregen. Diese Gründe sind so stark, dass eine Überprüfung eventueller mildernder Umstände nutzlos zu sein scheint. Jetzt sagt uns Papst Franziskus, dass es sich lohnt, diese Überprüfung durchzuführen.“ – Rocco Buttiglione*

Der Papst macht es sich nicht leicht mit seiner neuen Strategie im Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen. Scheinbar leichter wäre es, zumindest, wenn man Angst vor einem selbstgerechten konservativen Mob hat, einfach auf dem Status Quo zu beharren und die Wirklichkeit zu ignorieren. Eine Gewissensentscheidung ist ohnehin nötig, wenn man sich als gläubiger Mensch in einer „irregulären Situation“ wiederfindet (ob verschuldet oder unverschuldet, ob schon immer Christ oder erst seit kurzem). Dabei machen sich viele mehr Gedanken, als man denken könnte, wenn man sich unsere Kultur oberflächlich anschaut. Und wir sollen nicht ihr Gewissen formen dürfen? Es wäre zu wünschen, dass wir mehr darüber sprechen, was Gott sich mit der Sexualität gedacht hat. So wie es der Hl. Johannes Paul II. gemacht hat. Und so den Gläubigen zu helfen, angeleitet durch ihren Seelsorger echte Gewissensentscheidungen zu treffen, und nicht nur mit dem Strom zu schwimmen.

Bleibt nur noch eine Frage: Warum ist Amoris Laetitia denn eigentlich ein Geschenk des Heiligen Geistes? Na zum Beispiel, weil Papst Franziskus mit seiner neuen Strategie Seelen rettet, die ohne sakramenten Halt seelisch verdursten würden:

„Die neue Regel schafft Probleme und bringt Gefahren mit sich? Gewiss. Es besteht die Gefahr, dass einige frevelhaft die Kommunion empfangen, ohne im Stand der Gnade zu sein? Wenn sie es tun, ziehen sie sich das Gericht zu, indem sie essen und trinken. Aber brachte die alte Regel nicht auch Gefahren mit sich? Bestand nicht die Gefahr, dass einige (oder viele) verlorengingen, weil ihnen ein sakramentaler Halt verwehrt blieb, auf den sie ein Recht hatten? Es ist Aufgabe der Bischofskonferenzen der einzelnen Länder, eines jeden Bischofs und letztlich jedes einzelnen Gläubigen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Vorteile dieser pastoralen Linie zu maximieren und die Gefahren, die sie mit sich bringt, zu minimieren. Das Gleichnis von den Talenten lehrt uns, im Vertrauen auf die Barmherzigkeit das Risiko einzugehen.“ – Rocco Buttiglione*
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5 Gedanken zu “Let’s talk about Sex oder warum Papst Franziskus Seelen rettet!

  1. der Hofrat

    Es ist symptomatisch welche Aufregung ausbricht wenn über dieses Thema diskutiert wird man könnte meinen der Papst würde eine Revolution in sachen Sexualmoral auslösen übrigens würde mich einmal interessieren wie viele jener die meinen Papst Franziskus sei der Antichrist wegen AL haben das Dokument überhaupt gelesen, ich verkneife es mir jetzt Spekulationen über die Sexualität der Kritiker an zu stellen , was aber psychologisch sehr interessant ist ist die Frage warum stört eine Änderung hier dermaßen wobei sie bei weit wichtigeren Fragen (Interreligiöser Dialog, Ökumene verhältnis zum Judentum, letzteres begrüsse ich persönlich außerordentlich) kein solches Theater gemacht wurde
    ich selbst war am anfang dieses Pontifikats extrem schockiert und irritiert über den Stilbruch und die Art des Papstes und ich mußte meine Meinung revidieren der Mann ist erstaunlich und entzieht sich jeder bisherigen Kathegorie

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  2. Franziska

    Eigentlich ist das Problem ja, dass es vor allem in Deutschland gang und gebe unter vielen Wiederverheirateten ist, die Kommunion zu empfangen, und das schon seit Jahren. Ob diese immer wissen, dass sie sich „ihr Gericht essen“, halte ich für zweifelhaft, und die es wissen nehmen es eben nicht ernst. Und diese Leute interessiert auch der Streit um Amoris Laetita nicht. Die Kirche hat eine große Schuld auf sich geladen, indem sie es all die Jahre versäumt hat, den angehenden Eheleuten die Bedeutung des Ehesakramentes (und der anderen Sakramente) wirklich vor Augen zu führen. Jetzt sind die vielen Ehescheidungen da, und es wäre wirklich an der Zeit, diesen Schaden wieder gut zu machen. Ob es dabei wirklich zielführend ist, den durchschnittlichen Katholiken zu vermitteln, dass Papst Franziskus die Ehescheidung nun „erlaubt“ habe, halte ich für zweifelhaft. Durch das geringe Wissen um die Bedeutung dieses Sakramentes wird der (längst praktizierte) sündhafte Kommunionsempfang für viele Wiederverheirateten legitimiert, falls sie doch noch irgendwie ein schlechtes Gewissen bei dieser Sache gehabt haben sollten.
    Ich glaube deswegen, es ist ein Wunschdenken, dass die „neue Regel“ ein Geschenk des Heiligen Geistes ist, und Papst Franziskus dadurch viele Seelen rettet. Es ist vollkommen logisch, dass sich die Kirche liebevoll um Wiederverheiratete kümmern muss, und ich denke, hier hätte P. Franziskus durch Amoris Laetitia wirklich einen positiven Anstoß geben können, wenn nicht alles in dem jetzigen Auslegungs-Streitereien untergegangen wäre. Das eigentliche Problem aber, nämlich dass sich die meisten der heutigen Katholiken um all diese Dinge überhaupt nicht scheren, weil die Kirche es versäumt hat sie ordentlich zu unterrichten, ihr Gewissen zu „schulen“, und auch die eigenen Regelungen in den Pfarreien durchzusetzen, wird scheinbar nur selten beachtet. Dabei sind es doch genau diese Gläubigen, um die man sich kümmern müsste, egal ob nun vor oder nach der Scheidung. Aber anstatt dass man das Problem an der Wurzel zu bekämpfen beginnt, spaltet sich das letzte gläubige Häufchen wegen Amoris Laetita!

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  3. … und wieder starren alle rechtgläubigen Katholiken den Menschen genau zwischen die Beine und den Frauen auf den Bauch!

    Wenn man die Verlautbarungen, die da laufend abgesondert werden, verfolgt, muss man zu dem Schluss kommen der römisch katholischen Kirche, dem römisch katholischen Klerus und sehr, sehr vielen, meist konservativen, Katholiken ist nichts wichtiger als Sex, Sex und wieder Sex.

    Das ist im Katholizismus ja beinahe schon eine Massen-Zwangsneurose. Leute, werdet wieder normal! Denkt auch mal an ein Schnitzel mit Erdäpfelsalat oder an einen Golf GT. Oder ans Schifoan.
    Ja, ich weiss, damit kann man nicht ganz so viel Macht über Menschen erlangen, wie mit der Behrrschung ihrer intimsten Wünsche und Bedürfnisse, aber hallo, GLAUBWÜRDIGER werden die Verlautbarungen, angefangen von Casti Conubii üner Humanae Vitae bis zur unsäglichen Theologie des Leibes von Woityla nicht unbedingt.
    Also frischauf zur Tat und einen Kaiserschmarren zubereitet. Das lenkt von der irrsinigen römisch katholischen Sexsucht wirksam ab. Versprochen!

    PS: Ein Geheimtipp, am besten mit Ahornsirup!

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  4. Gerd

    „wenn man Angst vor einem selbstgerechten konservativen Mob hat,“

    Selbstgerechter Mob gibt es bei Cathwalk wohl nur in konservativen Kreisen. Man sollte den Horizont erweitern und mal die zu Wort kommen lassen, die es sich verbieten, dass die Kirche, der Papst und andere religiös motivierte Zeitgenossen sich in Fragen der eigenen Sexualität reinreden lassen. Der Anteil dürfte ungleich höher sein. Und genau die sind auch die Schafe, die der Papst zu weiden hat. Genauso wie der selbstgerechte konservative Mob, versteht sich.

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