Wenn es Weihnachten nicht gibt

1000plus hat es sich zur Aufgabe gemacht, mithilfe öffentlichkeitswirksamer Wort-, Bild- und Informationskampagnen einerseits auf die Not von Schwangeren im Konflikt, andererseits auf die Würde, den Wert und die Schönheit jedes Menschen aufmerksam zu machen. Eine solche Kampagne wurde vor zwei Tagen mit dem Werbeplakat „Niemals Weihnachten“ in Internet (und wohl auch im Print) lanciert.

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Zu sehen ist auf diesem Bild eigentlich recht wenig: Eine schlichte, leere Krippe. Verbunden mit den Erläuterungen dazu, dass es unvorstellbar traurig wäre, wenn Gottes Sohn nicht Mensch geworden wäre – und es kein Weihnachten, kein Fest der Liebe und des Friedens zu feiern gäbe. „In seiner unendlichen Liebe kam Gott selbst vor 2016 Jahren als kleines Menschenkind auf die Welt. Wie sähe diese Welt aus ohne diese Liebe und ohne dieses Licht, ohne Weihnachten und deshalb auch ohne Ostern?“

Von theologischer Seite aus bleibt diese Fragestellung natürlich eine Hypothese, da wir die Gewissheit haben, dass unser Heiland gesandt und die Erlösung durch seinen Tod am Kreuz vollzogen wurde. Aber belassen wir es nicht bei der abstrakten Heilsgeschichte. Das Geschehen im Stall von Bethlehem war etwas sehr Konkretes, was jedes Kind bereits verstehen kann. Gott macht sich klein, Er wird einer von uns: Ein kleines, zärtliches Wutzelchen, hilflos in einer Krippe. Wie erfreulich muss für Maria und Josef der erste Schrei nach der Geburt gewesen sein! Das mag jetzt augenscheinlich betrachtet ein rührseliger Moment voller Harmonie gewesen sein. Dabei dürfen wir nicht vergessen, in welchem Moment Maria ihr „JA“ zu der Verheißung des Engels Gabriels gegeben hat, und unter welchen Umständen Josef sein „JA“ zu Maria und zum ungeborenen Kind gegeben hat. Von Anbeginn befanden sich beide keineswegs in einer Komfortsituation. Im Gegenteil! Nicht wissend wie die Verwandten und das Umfeld auf die schwangere Verlobte reagieren und nicht wissend an welchem Ort sie das Kind zur Welt bringen konnten; sein „JA“ zu sagen, allein vertrauend auf das Heilsversprechen Gottes. Das erfüllte Heilsversprechen in der Krippe, gerade in einer einfachen Krippe könnten kein stärkeres und leuchtendes Zeichen des Glaubens sein. Und machen es für die Seele greifbar, weshalb Weihnachten ein solch großes Fest geworden ist.

Gehören die Weihnachtszeit im Allgemeinen und der Heilige Abend im Besonderen in der Kindheit nicht zu den allerschönsten Dingen des Jahres? Stieg nicht in der Adventszeit mit jedem Türchen des Adventskalenders die Vorfreude? Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie am 24. Dezember stundenlang warten mussten, weil das Christkind in der Guten Stube zu Gange war? Und was für ein freudiges Gefühl durchzuckte das Kinderherz, als Sie dann die Glocke oder das Rufen der Mutter vernahmen, dass es jetzt – endlich (!!!) – nach Wochen des Wartens und der Vorfreude soweit war und Sie das Weihnachtszimmer betreten durften, geblendet vom Glanz des geschmückten Weihnachtsbaumes? Was für Erinnerungen! Nach dem Weihnachtsbaum der Blick auf die Krippe; dann das Weihnachtsevangelium: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren.“ Weihnachtslieder werden gesungen – vielleicht haben Sie selbst auf einem Instrument etwas vorgespielt oder ein Gedicht aufgesagt, das Sie mühsam einstudiert hatten. Schließlich der Höhepunkt: Die Geschenke. Natürlich waren als Kind die Geschenke immer der Höhepunkt. Wer etwas anderes behauptet, macht sich und allen anderen gerade was vor 😉

Gehen wir noch einen Schritt weiter in unserer Betrachtung. Für den Heranwachsenden ändert sich natürlich bzw. hoffentlich der zuletzt erwähnte Aspekt. Die theologische Seite der Weihnacht gewinnt an Bedeutung: Der wahre Gott und wahre Mensch in der Krippe ist ein unergründliches Geheimnis des Glaubens. Und kennt man schließlich selbst Elternfreuden (oder Tanten-, Onkel-, Patenfreuden), kann das Staunen darüber nur noch größer werden. In jedem dieser kleinen Wutzelchen, die wir dann hoffentlich um uns herum haben, dürfen wir das Jesuskind sehen.

Ja, Kinder gehören zum Weihnachtsfest dazu. Kann es für einen Erwachsenen etwas Schöneres unter dem Weihnachtsbaum geben, und damit schließt sich der Kreis, als freudig leuchtende Kinderaugen? Kindergeschenke kann man kaufen, aber der Glanz der Beschenkten ist unbezahlbar! Dieser Moment, bevor das Ausprobieren der neuen Spielsachen beginnt, der will in den Augen der Eltern Ewigkeit: will tiefe, tiefe Ewigkeit.

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Leider kann das Plakat von 1000plus nicht auf solche Glücksmomente für Jung und Alt hinweisen. Die Krippe ist leer – sie ist leer, weil es für über 100’000 Kinder allein in Deutschland dieses Jahr kein Weihnachten gibt. Und nicht nur dieses Jahr: Für diese Kinder wird es „Niemals Weihnachten“ geben, weil sie nicht zur Welt kommen durften – weil ihre Mütter und Väter keinen anderen Ausweg als eine Abtreibung sahen. Das ist unvorstellbar traurig.

Ein Trost bleibt dem konsternierten Betrachter des Bildes, der nun diesen ganzen Gedankengang mitvollzogen hat: Es gibt 1000plus! Das größte unabhängige Beratungsangebot für Frauen im Schwangerschaftskonflikt hat im vergangenen Jahr über 3.000 Frauen beraten, davon haben über 60 % der Frauen ja zu ihrem Wutzelchen gesagt. „1000plus wäre nicht denkbar“, so der Vorsitzende Kristijan Aufiero, „ohne die vielen tausend Menschen, welche sich mit ihren Spenden, Gebeten und ihrer tatkräftigen Mithilfe für ungewollt Schwangere einsetzen. Und wir werden weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun, um noch mehr Unterstützer zu finden und gemeinsam für diese Frauen da zu sein.“

Der Autor dieser Zeilen schlägt vor: Schenken Sie zu Weihnachten einem Kind das Leben! Unterstützen Sie die Organisation 1000plus. Damit auch Paare in Konfliktsituationen wie Maria und Josef ihr „JA“ zu ihrem ungeborenen Kind geben können. Lassen Sie Kinderaugen unter dem Weihnachtsbaum leuchten, denn auch deshalb, ja genau auch deshalb ist Gottes Sohn für uns in einer Krippe Mensch geworden.

Matthias Jean-Marie Schäppi

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5 Gedanken zu “Wenn es Weihnachten nicht gibt

  1. Pingback: Schwangerschaftsabbruch – Theological

  2. XenoKoritsi

    Die Krippe wäre nur leer, wenn Gott wirklich nicht Mensch geworden wäre. Das wäre in der Tat furchtbar. Aber er ist gekommen und deshalb ist die Krippe für niemanden leer, auch nicht für die Kinder, die nicht zur Welt kommen durften. Auch für diese liegt in der Krippe der menschgewordene Gott. Auch wenn sie auf Erden nie Weihnachten feiern können, nie auf diese Weise wie wir es tun, so hat sich Jesus selbst auch ihnen geschenkt und sie sind erlöst und bei ihm. Das wesentliche an Weihnachten ist Jesus selbst und die Liebe Gottes, ja die Liebe überhaupt, und da sind auch die verstorbenen Kinder nicht von ausgeschlossen. Klar, ich weiß schon, was Sie hier zeigen wollen: Dass jeder fehlt, der nicht geboren wird. Aber dies hier ließ mir eben einfach keine Ruhe.

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  3. XenoKoritsi

    Die ewigen Auswirkungen von Weihnachten sind auch für sie, also genau genommen gibt es Weihnachten doch, die verstorbenen Kinder sind ja nicht verloren, sondern in Seinen Armen, das ist das, was ich glaube. Nur mal so als Anmerkung! Denn natürlich will ich auch, dass sie zur Welt kommen dürfen und mit ihren Eltern zusammen feiern können und auf dieser Welt nicht fehlen, und finde das Projekt sehr wichtig.

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  4. Nepomuk

    Nö, die Geschenke waren auch als Kind nicht der Höhepunkt, spätestens dann nicht mehr, seit ich zum erstenmal in der Kirche bei ausgeschalteter Beleuchtung vor den brennenden Weihnachtsbäumen ein Stille-Nacht nach einer Christmette mitgesungen habe (mit 10).

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