Warum dieser Profi-Fußballer lieber Priester wird

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Patrick Kaesberg / Foto: privat

„Mit Gottes Hilfe werde ich 2019 zum Priester geweiht“, sagt der 30-jährige heute: Die unendliche Liebe Gottes sei in sein Leben hereingebrochen – und er selber endgültig zu sich selbst gekommen. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.

Schon sehr früh brannte im Herzen des heute 30-jährigen Seminaristen das Feuer für den Sport. Gemeinsam mit seinen Freunden verbrachte er viele Nachmittage auf dem Sportplatz. Er trainierte, er spielte, er schwitzte für den Fußball. Der Verein wurde für ihn so etwas wie eine zweite Heimat. In der Religion dagegen fühlte er sich damals nicht zuhause. Religiosität kannte der ‚Paderborner Jung‘ zwar von Zuhause, doch sie hatte noch nichts mit seiner Berufung zu tun. Zur Kirche ging er, wie viele seiner Altersgenossen auch, nur ungern. Er empfand es als notwendiges Übel, als Pflicht.

Der „Gott des Fußballs“ war ihm gnädig

Obwohl er, wie er selbst zugibt, regelmäßig das Vaterunser betete, nahm er den Vers „Dein Wille geschehe“ nicht ernst. Er ist Gott davongelaufen, gibt er heute offen zu.

Der junge Kaesberg hatte nur eines im Kopf und viel davon im Blut: Fußball! Für sein intensives Training verzichtete er als Jugendlicher oft sogar auf Klassenfahrten. Sein Talent und die Mühen wurden dann auch belohnt. Zwischen 2005 und 2008 öffneten sich für ihn die Türen bekannter Fußballclubs, wie SV Darmstadt 98 und Alemannia Aachen. Auf der Karriereleiter des Fußballs hatte er also einige Sprossen erklommen. Sein Aufstieg begann ganz unten in der Kreisliga und führte bis in die hessische und nordrhein-westfälische Ober-, Landes- und Regionalliga.

Von den Gagen konnte der linke Verteidiger bereits gut leben. Während seiner Spielzeit in Darmstadt betrug sein Marktwert immerhin schon 50.000 Euro. Doch sein Durst nach weiterem Erfolg war damit noch lange nicht gestillt. Vom Ehrgeiz gepackt, wollte das sportbegeisterte Fußball-Ass seinen großen Traum verwirklichen: Spitzenclubs der 1. und 2. Bundesliga. Der „Gott des Fußballs“ schien ihm wirklich „gnädig“ zu sein.

Studium und Auslandsaufenthalte

Neben der Karriere im Sport suchte der Paderborner auch Erfolg im Beruf. Eine Laufbahn als Sportfunktionär nach seiner aktiven Zeit beim Fußball wäre für ihn durchaus möglich gewesen. Deshalb begann Kaesberg 2008 Betriebswirtschaft zu studieren. In den Tempeln des Fußballs hörte er den Ruf des Herrn nicht. Denn unter dem massenhaften Jubel der Zuschauer war die Stimme Christi nur eine von vielen. Und in den schier endlosen Kalkulationen der Wirtschaftslehre suchte er Gott vergeblich auf der Haben-Seite.

Gott verschwand damals unter dem Auf und Ab der Zahlen. Irgendwo dazwischen war ER schon. Während seines Studiums absolvierte er ein Auslandspraktikum in Südafrika. Gemeinsam mit anderen Studenten wohnte der leidenschaftliche Kicker 2010 bei Schönstatt-Schwestern in Kapstadt. Und dazu bekennt er im Rückblick:“Hier habe ich zum ersten Mal die Faszination des Katholischen erlebt“. Hier fand er „Brüder und Schwestern“.

Berührt wurden sein Herz und sein Geist auch von der heiligen Messe. Einen weiteren Ruf vernahm Kaesberg im Gespräch mit einem Mann, der einen Gottesdienst bei den Schönstatt-Schwestern mitfeierte. Der 40-Jährige erzählte ihm, dass er gerne Priester geworden wäre, jedoch ein Leben als Familienvater gewählte habe. Im Nachhinein blicke er wehmütig und voller Reue auf die Entscheidung für die Familie zurück. Tief erschüttert begann Kaesberg über sein eigenes Leben nachzudenken.

Geld, Sex und Macht?

Nach seiner Rückkehr ins heimatliche Paderborn begann er allmählich seinen Fußball-Traum anzuzweifeln. Nun blickte er aus einer anderen Perspektive, die immer mehr die Perspektive des Evangeliums wurde, auf die zunehmend egoistische und rücksichtslose Welt des Sports und auf seinen eigenen Weg: Geld, Sex und Macht konnten nicht wirklich die maßgeblichen Inhalte des von Gott berührten jungen Mannes sein.

Deshalb musste er seiner inneren Stimme folgen und die Fußball-Schuhe, zumindest in beruflicher Hinsicht, im Schrank lassen. Dieses Loslassen dauerte jedoch, wie er zugibt, noch bis zur Spielsaison 2011/20012, also kurz vor Beginn seiner theologischen Laufbahn.

Bei einem letzten Praktikum in England nahm der Noch-Kicker an der „Catholic Youth Conference“ teil. Dort begegnete er vielen Priestern und aufgeschlossenen, jungen Christus-Begeisterten. In dieser offenen Atmosphäre und in vielen Gesprächen erkannte der nach seiner Wahrheit Suchende, wie unterschiedlich und vielfältig Berufungen sein können. Nun reifte in ihm der Entschluss, Theologie zu studieren und dem Ruf nachzugehen.

Besuch in Heiligenkreuz

So begann, im Anschluss an das BWL-Studium, im April 2012 das Studium in katholischer Theologie an der Universität Paderborn. Letzte Gewissheit für den priesterlichen Weg hatte er schon ein Jahr zuvor im Stift Heiligenkreuz im Wienerwald gefunden: Tief beeindruckt von der Schlichtheit und Enthaltsamkeit der Zisterziensermönche, fand er schließlich auch den Mut, sich im Priesterseminar seiner Heimatdiözese zu bewerben.

Im Oktober 2013 zog er dort gemeinsam mit neun weiteren Kommilitonen ein. Unter dem liebenden Blick Gottes wurde ein leidenschaftlicher Fußball-Profi zur Wahrheit und Leidenschaft für Christus geführt. „Nicht wir finden die Wahrheit; sie findet uns“, schreibt der Schriftsteller Otto Leixner von Grünberg.

Patricks Berufung zeigt, wie die Wahrheit der Liebe Gottes auch und gerade für erfolgreiche junge Männer, denen die ganzen Versuchungen der Welt offen stehen, durchscheinen kann. Er ist einen weiten Weg gekommen – und wird noch einen viel weiteren gehen, für und mit Christus.

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