Podcast: Fifty Shades of Porn: ist SM harmlos?

von Dr. Johannes Hartl

Mit dem Film „Fifty Shades of Grey“ setzt sich ein Megatrend fort: „kreative“ Spielarten von Sex (darunter Sado-Maso) und seine Darstellung werden immer normaler. Doch ist das, was hier in der Verpackung eines Bestsellers beworben wird, wirklich harmlos? Was passiert eigentlich mit uns, wenn wir unser Inneres mit Pornos füttern? Und wie sieht eine sinnvolle Reaktion darauf aus?

Die ganze Sendung von Dr. Johannes Hartl kann hier nachgehört werden.

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„Empfehlenswerter Vortrag – zweifellos. Er moralisiert nicht, sondern hebt Ursache und Hintergründe dieses Phänomens in den Vordergrund aus der Perspektive des christlichen Glaubens; dabei zeigt Dr. Johannes Hartl die Schönheit von Gottes erdachter Sexualität für den Menschen auf. – Cathwalk „Test-Hörerin“ R. M.

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2 Gedanken zu “Podcast: Fifty Shades of Porn: ist SM harmlos?

  1. Nepomuk

    Vor dem Hören: Ich habe immer meine Bedenken, wenn etwas damit beworben wird, daß es bei einem moralischen Thema „nicht moralisiert“. Das kann entweder heißen, daß es etwas als erlaubt behandelt, was tatsächlich verboten ist (davon gehe ich hier nicht aus) oder daß es sich einen Freibrief herausnimmt zu moralisieren, ohne begründungspflichtig zu sein und ohne Widersprüche entgegenzunehmen. Von daher ist mir das offen eingestandene Moralisieren, besser noch das förmliche Betreiben von Moraltheologie und Kasuistik, lieber – weil angenehmer, und weil weniger moralisierend.

    at ca. 6:00 Pornographie „die Darstellung von Erotik“ aller Art? eher nicht, und zwar auch dann nicht, wenn solche Bilder tatsächlich zu kritisieren sind. Nicht jeder Diebstahl ist gleich ein Raub.

    ebd: ja, schön und gut, die Gesellschaft sexualisiert sich, die Lage ist schlimm, aber worauf wollen Sie hinaus?

    at ca. 8:30: ja, aber jetzt moralisier ich mal ganz angenehm und sage, wir wissen doch sowieso, daß wir so Zeug nicht anschauen dürfen, was Sie ja auch ganz richtig deswegen nicht tun. Worin besteht dann – für uns jetzt – genau das Problem?

    at ca. 9:15 Vorantwort zur ersten Frage: naja, weil halt der Mensch (in statu naturae lapsae vel reparatae) nunmal einen konkupiszientären Sexualtrieb hat?

    at 11:00 Das ist doch ein Strohmann. Niemand Ernstzunehmendes behauptet, daß der Sexualtrieb ein Bedürfnis wie das nach Essen und Trinken ist, und niemand behauptet, daß seine Befriedigung den Menschen ganz glücklich machen muß. Aber es sollte auch bekannt sein, daß es zwischen den vegetativen Bedürfnissen des Menschen auch andere gibt, die der Mensch (durch Gnade und/oder asketische Leistung!) unterdrücken kann, die aber deshalb nicht unbedingt vernachlässigbar sind, auch abgesehen von dem alllerhöchsten Glück. Pawlows Pyramide heißt nicht ohne Grund Pyramide, sie ist kein Parkettboden mit in der Luft hängender Spitze.

    at 11:35 So wie das Ausleben der Sexualität „aufopferbar ist“, so dürfte es auch die Nähe und emotionale Wärme sein, wenn auch das Opfer zweifellos noch größer ist. Hat ein Einsiedler Nähe und emotionale* Wärme?

    [* emotional bezieht sich auf die Gefühlswelt, d. h. die Leiblichkeit!]

    at 12:45 interessant.

    at 13:30 das mag bei der nackten Frau an sich so sein (bei der verführerisch angezogenen Frau übrigens noch viel mehr), eine nackte Frau in einem Porno ist aber für den zufälligen nichtkonsumierenden Beobachter einfach nur abstoßend und triggert überhaupt nichts.

    at 18:25 „Es bedarf dieses Schutzrahmens“, das ist sicher richtig, schon weil alles außerhalb halt von Natur aus unmoralisch und von Gott verboten ist.

    Ersteres (das „von Natur aus unmoralisch“) wäre freilich an sich zu begründen, und eine solche Begründung, eine Antwort auf den Einwand eines Ungläubigen „Ja warum denn? Sicher, das, was Sie vorhin beschrieben haben, ist der eigentliche Sinn der Sexualität, da haben Sie ganz recht, aber warum soll es verkehrt sein, sie auch über diesen hinaus zu genießen“, liefert Dr. Hartl hier gerade nicht.

    at 20:45 und auch hier nicht. Das Alternativbeispiel mit dem Essen-und-Erbrechen ist zwar ein klarer Fall von Völlerei (ich dachte schon, jetzt wird gleich wieder auf den Dicken herumgehackt, erfreulicherweise unterblieb das), aber auch hier müßte man, wenn einer die Sündhaftigkeit von Völlerei nuneinmal nicht anerkennt, erstmal begründen, was daran überhaupt falsch sein sollte.

    at 21:53 Ich denke nicht, daß man all die bräutlichen und quasibräutlichen Verhältnisse, wilden Ehen und Wiederverheiratungen-nach-Scheidung, so verwerflich sie sind, hinsichtlich dieses „suchterzeugenden Effekts“ mit der Pornographie (und der Selbstbefriedigung) zusammenklassifizieren kann.

    at 22:05 Das muß nicht unbedingt Sucht sein, sondern es kann auch nur „Schmerztherapie“ sein. Es ist durchaus ein Mann vorstellbar, der jeden Abend, wenn er traurig ist, sagen-wir ein Bier trinkt. Wenn er keins trinkt, auch kein Problem, dann bleibt er halt traurig. Und wenn er sich freut, trinkt er ein Glas Wein. Wenn er keins trinkt, auch kein Problem, dann freut er sich halt trotzdem. – Dem kann man weder moralische Säuferei noch, gemäß vernünftigen Definitionen, medizinischen Alkoholismus vorhalten. – Auch der Mann, der einen Unfall gehabt hat und im Krankenhaus auf Morphin gesetzt wird, ist nicht süchtig.

    at 24:00: Wieder die Nachfrage unseres hypothetischen Ungläubigen: „ja und? Vorausgesetzt, ich habe genügend Geld, um später nicht den Entzug erleiden zu müssen – was ist denn *verwerflich* daran, mir das ganze intravenös zu spritzen? das macht das doch viel einfacher…“

    at 24:10 – Man muß die Stimmlagen, die Dr. Hartl so benutzt, nicht unbedingt mögen.

    at 25:45 I see what you are doing here. „Das ist eine Frau in Asien, eine Zwangsprostituierte und auf Kokain“ – es mag durchaus sein, daß das in vielen Fällen so zutrifft.

    Ich verweise aber auf die Bemerkung Fritz Langs zu seinem Film „M“ (zitiert aus Wikipedia) „[…] [hier…] liege der Unterschied zu seinem ersten US-Film Blinde Wut, mit dem er sich gegen Lynchjustiz aussprach. Dort wird ein unschuldiger, weißer Mann zu Unrecht verdächtigt und verfolgt. Ein richtiger Film gegen das Lynchen müsste, so Lang, jedoch von einem Schwarzen handeln, der *tatsächlich* eine *Weiße* *vergewaltigt* hat.“ – Und hier genauso: Ein richtiger Diskurs gegen die Pornographie muß von Pornodarstellern ausgehen, die *tatsächlich* das ganze freiwillig machen und sogar noch Spaß daran haben. (Damit wir uns nicht falsch verstehen: wie gesagt, diese Spezies mag durchaus sehr selten sein.)

    at 26:30 Ich gehe nicht davon aus, daß jeder Mensch einfach so mir-nichts-dir-nichts „eine Beziehung aufbauen“ oder „sich Freunde suchen“ kann.

    at 26:40 Sogar die Mediziner raten: „If it hurts, take an aspirin. If it doesn’t help, *then* go and see the doctor.“

    at 28:10 Eine nackte Frau führt in normalen Umständen bei normal erzogenen Leuten eher dazu, schnell den Blick abzuwenden.

    at 30:00 Das erscheint möglich; ist es auch so? Rein a-priori scheint mir auch das Gegenteil möglich, also daß man „the real thing“ immer noch besser findet.

    at 34:25 guter Punkt.

    at 37:00 Die Reihe heißt „Grundkurs Glauben“. Spätestens an dieser Stelle wäre in der Tat etwas Moralisieren angebracht. „Ist gefährlich“, ja, schön und gut, das sind viele Dinge.

    at 37:40 Wer – durchaus gut begründet – „entschieden stark davor warnen“ will, sollte vorher nicht (wie at 37:00) behaupten, es sei nicht seine Ambition, sich darüber auszulassen, welche Sexpraktik gut und welche nicht sei. Genau das tut er hier nämlich.

    at 38:45: und jetzt kommt wieder, sorry, die alte Leier mit den Computerballerspielen, die doch zumindest zum Gutteil unter die Kategorie „die ältere Generation findet neuere Entwicklungen sowieso immer moralisch zweifelhaft“ (siehe Fernsehen, siehe E-Gitarre, siehe Handy, siehe Smartphone, siehe im 18. Jahrhundert Unterhaltungsliteratur) fällt. Dazu gibt es sachlich bloß zu sagen:

    Korrelation bedeutet nicht Kausalität. Und eine Korrelation, die sogar als solche schon zweifelhaft ist, bedeuet erst recht nicht Kausalität.

    Ich neige sogar dazu, in der verbreiteten Popularität von kriegsangelehnten Spielen am Computer (die ich selbst rein zufällig, mit Ausnahme von Minesweeper, für gewöhnlich nicht spiele) sogar ein gesundes Zeichen von Wehrhaftigkeit in unserer nicht nur, was gut ist, friedliebenden, sondern eben auch offensichtlich ein wenig wohlfühlpazifistischen Welt zu sehen.

    Jedenfalls ist es ein Unding, das Nachstellen etwa der heldenhaften Invasion der Amerikaner, Briten und Freifranzosen in der Normandie (mW in „Call of Duty“) mit unkeuschen Handlungen zu vergleichen.

    at 39:50: Genau das wäre hier aber das Thema, denn daß außerhalb einer lebenslang geschlossenen Ehe *sowieso* jeder Sex sündhaft ist, ist doch eh klar und keiner weiteren Erörterung bedürftig.

    at 41:50: Vorantwortversuch: naja nicht mitmachen halt? was bleibt uns sonst schon groß übrig?

    at 42:00 ah ja, Dr. Hartl stimmt zu ^^

    at 42:50 Immerhin hatte, sachlich gesehen, Dr. Hartl vorweggeschickt, daß das alles gelte, *wenn* jemand schwere Probleme habe, von Pornographie loszukommen. Der Tonfall weiter hintenraus könnte einen das allerdings wieder vergessen lassen. Es ist durchaus nicht nötig, das, was man früher ein „Laster“ genannt hat, immer zu medizinalisieren und zur Krankheit zu erklären, auch wenn es solche Fälle durchaus geben mag. Zumal Menschen nicht unbedingt gerne hören „du bist ein Sünder, geh zur Beichte, bemüh dich!“, aber immer noch hundert mal lieber als „das ist ja krank! geh zum Arzt! du! brauchst! Hilfe!“.

    at 43:50 „nicht nur in deiner Seele, sondern auch in deinem Geist“. Das ist an dieser Stelle völlig unnötig, zumal wir doch wissen, daß die Kirche die „Zweiteilung“ des Menschen in Leib und Seele und eben gerade nicht die Dreiteilung lehrt, allenfalls kann der Geist als ein Aspekt der Seele beschrieben werden (kein Anspruch auf Präzision meinerseits hier).

    at 44:30 Erstens ist die Beichte hier nicht nur eine „fantastische Möglichkeit“, sondern eine Pflicht. Zweitens hören Menschen es immer noch lieber, wenn man ihnen sagt „das ist Pflicht“, als wenn man um den heißen Brei herumredet und es sich nicht auszusprechen traut, aber das gleiche meint.

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