Virtuelle Verführung – soll das Internet unsere Kinder aufklären?

von Phil Pöschl

Der Umgang mit sämtlichen elektronischen Geräten, und damit auch der virtuellen Welt gehört heutzutage zur Grundkompetenz in der Schule und in der Arbeitswelt. Das Internet ist im Prinzip ein neutrales Medium. Es bietet schnellste Kommunikationswege, dient als Wissens- und Informationspool.

sad teenProblematisch ist, dass die Inhalte, die über das Internet transportiert werden, ungefiltert sind. Alles kann grenzenlos und ungehindert von jeder x-beliebigen Person, aus unterschiedlichster Motivation, ins Netz gestellt werden. Diese Inhalte sind keineswegs auf die jeweilige Alters-, Wissens- und Reifestufe einzelner Personen abgestimmt, schon gar nicht auf die von Kindern. Ohne die Hilfe Erwachsener, denen diese Tatsache in ihrer Tragweite bewusst ist, können die Inhalte des Internets für Kinder, Teenager und Jugendliche eine zerstörende Wirkung haben, die das ganze weitere Leben beeinflusst.

Die Mitarbeiter des Vereins Safer Surfing, der sich für den Schutz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Internet einsetzt, wissen aus Gesprächen mit Eltern, Lehrern und Ärzten, in welchem Ausmaß viele Kinder und Jugendliche schon mit Problemen in Bezug auf das Internet zu kämpfen haben.

Bereits im sehr jungen Alter stoßen Kinder auf Pornografie im Internet. Kinder werden hierbei mit einer Form der Sexualität konfrontiert, die der Realität nicht entspricht. Für sie wird Pornografie meist zum ersten Referenzpunkt, was Sexualität anbelangt. Eine Vergleichsmöglichkeit, mit dem was Sexualität eigentlich sein könnte, fehlt. Weder Eltern noch Schule sind primäre Aufklärer dieser jungen Generation, sondern das Internet wird zum Aufklärer Nummer 1.

Pornografie zieht in ihren Bann, verfälscht echte Sexualität und Zuneigung und zeichnet ein Bild, das mit der Realität nichts zu tun hat. Unterdrückung und Egoismus wird propagiert und erweckt Phantasien die von der Schönheit und Intimität von Sexualität weit entfernt sind. Gewalt verherrlichende Szenen oder auch eine gewisse übertrieben humorvolle Darstellung von wirklich schmerzhaften Dingen, lassen das Mitgefühl, das man im Umgang miteinander braucht, abstumpfen und auch der eigenen Zugang zu Gewalt wird stark beeinflusst. Pornografische Darstellungen die noch dazu gewalttätig sind vermischen somit zwei Extreme miteinander, die eindeutig nicht zusammengehören und ein pervertiertes Bild prägen.

Die erste Botschaft über Sex sitzt tief. Je nachdem, ob diese Botschaft in einem positiven, in Geborgenheit eingebetteten Kontext verwurzelt ist, oder nicht, hat das für die weitere sexuelle Entwicklung Folgen, unter anderem sehen wir im Verein folgende mögliche Auswirkungen von Pornografiekonsum:

  • Sexualität wird auf Technik reduziert und ist vom Beziehungskontext losgelöst.
  • Besonders bei Mädchen nimmt oft das Selbstwertgefühl ab.
  • Die eigenen Grenzen und die von anderen werden überschritten.
  • Die Empathiefähigkeit nimmt ab.
  • Es gibt eine Tendenz zu erhöhter Gewaltbereitschaft.
  • Verlust des sozialen Umfeldes

Als Verein begegnen wir Menschen, die oft in jungem Alter ungewollt pornografisches Material entdeckt haben – Kein Kind sucht so was von sich aus beim ersten Mal, es ist kein Grundbedürfnis des Menschen. Der jüngste Fall war ein sechsjähriger, der weder lesen noch schreiben konnte, aber wusste wie er im Internet nach Pornografie suchen konnte – „Die älteren Geschwister haben ihm das gezeigt“ war die Auskunft seines besorgten Vaters.

Es gibt einige Warnsignale, die auf die Internetsucht eines Kindes hinweisen können:

  • Das Kind verbring viele Stunden online, oft nachts, und ist oft unausgeschlafen und müde.
  • Sobald jemand das Zimmer betritt, wird der Bildschirm abgedreht, oder die Seite gewechselt.
  • Die Schulischen Leistungen des Kindes verschlechtern sich.
  • Hobbies, denen das Kind früher gerne nachgegangen ist, werden vernachlässigt oder aufgegeben.
  • Das Kind trifft immer seltener Freunde.

Die Ratsuchenden, die uns kontaktieren, sind meist nicht Eltern, die Fragen zur Prävention (Schutz im Internet) haben, sondern solche, die Hilfe benötigen, weil Ihr Kind bereits Suchtverhalten an den Tag legt. Diese Eltern möchten wissen, wie sie ihrem Kind helfen können aus der Sucht herauszukommen. Nicht nur Kinder und Jugendliche sind hier betroffen, es sind oft Erwachsene, sowohl Männer als auch Frauen, die Hilfe aus der Sucht suchen. Der Übergang von gelegentlichem Surfen auf pornografischen Seiten zur eigentlichen Sucht ist schnell geschehen, der Ausstieg allerdings erweist sich als schwierig und ist ohne professionelle Hilfe meist nicht zu bewältigen.

Was können Eltern, Lehrer und andere Bezugspersonen tun, wenn ein Kind auf pornografische Inhalte im Internet gestoßen ist, oder schon Suchtverhalten zeigt? Folgende Punkte empfehlen die Mitarbeiter von Safer Surfing:

  • Zuerst ist es wichtig, das Gespräch mit dem Kind zu suchen. Das Kind muss wissen, dass es mit seinen Problemen nicht alleine ist.
  • Manchmal kann es hilfreich sein, professionelle Hilfe zu suchen.
  • Zeit und Energie in die Beziehung mit dem Kind investieren und seine Persönlichkeit stärken.
  • Mit dem Kind gemeinsam Grenzen setzen, was die Nutzung des Computers betrifft.
  • Es ist oft hilfreich speziell bei jüngeren Kindern auf Computer und Smartphone ein Schutzprogramm zu installieren. Gute Erfahrungen hat Safer Surfing mit dem Programm „Kindersicherung“ für PC und Laptop und Chico Browser für Smartphones.

Der Verein Safer Surfing ist in der Eltern- und Lehrerfortbildung, sowie im Medienbereich und der Politik tätig.

Phil Pressefotos WebPhilip Pöschl, 45 Jahre, verheiratet, drei Kinder, ist Obmann des Vereins Safer Surfing. Der Verein, bietet Hilfestellung für Personen und deren Angehörigen, die in Sexsucht geraten sind und setzt sich für den Schutz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Internet vor Sucht fördernden Inhalten ein, im Besonderen Pornografie und damit in Verbindung stehenden Themen. Der Verein arbeitet in Kooperation mit der Landesregierung NÖ, Pädagogischen Schulen, sowie mit Bildungswerken zusammen.

Weitere Infos unter www.safersurfing.eu oder www.facebook.at/safersurfing
E-Mail: safer@safersurfing.eu

Es besteht die Möglichkeit, Referenten des Vereins Safer Surfing zum Vortrag „Digitale Verführung – Soll das Internet unsere Kinder aufklären?“ einzuladen.

Nähere Informationen unter oder per Telefon +43 2236 360690


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Wenn Sie selbst Hilfe benötigen, oder wissen möchten, wie sie Ihren Partner unterstützen können, laden wir Sie ein, den Videokurs zum Thema Ausweg aus der Pornografie zu machen: https://www.loveismore.de/kurs/
In 14 Einheiten zu je 5 – 7 Minuten spricht Phil über seine Erfahrungen mit der Pornografieabhängigkeit und zeigt, dass es Hoffnung und einen Ausweg aus der Sucht gibt. Pornografiesucht betrifft aber nicht nur Männer. Auch für Frauen gibt es einen Videokurs, der das Thema Pornografieabhängigkeit und aus der Sicht der Frau behandelt: https://www.loveismore.de/kursfrauen/

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