Im Zeichen der Barmherzigkeit: Papst Franziskus und 1000plus!  

„Papst Franziskus verkörpert für mich die liebende Barmherzigkeit Gottes“ – „1000plus ist wie ein Achtes Werk der Barmherzigkeit“.

ROM/ROTTENBURG (The Cathwalk). – Weihbischof Thomas Maria Renz (Bistum Rottenburg-Stuttgart) nahm an der 1000plus-Privataudienz bei Papst Franziskus teil. The Cathwalk erzählte er, warum er ein großer Fan sowohl von 1000plus als auch von Papst Franziskus ist.

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Weihbischof Renz über Papst Franziskus: „Wir wissen aus vielen seiner Äußerungen, dass er gerade dem Einsatz für das ungeborene Leben höchste Priorität einräumt.“ (Foto: L’Osservatore Romano)

Sie unterstützen 1000plus schon seit mehreren Jahren. Was macht dieses Projekt aus Ihrer Sicht so besonders?

Ich bin von Anfang an und je länger desto mehr begeistert von der durchgehend positiven Sicht des Lebens, die 1000plus vermittelt: dass das Leben etwas ganz Wunderbares und ein riesengroßes Geschenk ist! Das fängt beim Werbematerial an, das nicht nur viele fröhliche Kindergesichter zeigt, sondern auch die eminent wichtige Botschaft vermittelt, dass jeder Mensch von Anfang an, so klein und unscheinbar er auch sein mag, unendlich kostbar, einzigartig, gottgewollt, liebenswürdig und schützenswert ist. Und es setzt sich fort durch die Art und Weise, in der die Beraterinnen von 1000plus Frauen in Schwangerschaftskonflikten helfen, nämlich verständnisvoll, zuhörend, Zeit schenkend, wertschätzend, hilfsbereit, mitfühlend, motivierend, ermutigend, humorvoll und nicht zuletzt: für sie betend. Wenn Jesus Christus das Ziel seines Kommens in unsere Welt auf den Punkt gebracht hat mit dem Wort: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10), dann dient 1000plus auf überzeugende Weise genau diesem Ziel.

Was war für Sie der Höhepunkt bei der Privataudienz von Papst Franziskus für 1000plus?

Dass er uns ganz offen und zugewandt begegnet ist und dass er sehr interessiert war, ja fast neugierig wie ein Kind. Seine bescheidene Art und seine persönliche Ausstrahlung sind einfach faszinierend. Papst Franziskus verkörpert für mich die liebende Barmherzigkeit Gottes, die sich gerade an die Schwachen und Kleinen verschenken will. Wir wissen aus vielen seiner Äußerungen, dass er gerade dem Einsatz für das ungeborene Leben höchste Priorität einräumt. Nur wird das leider kaum wahrgenommen, geschweige denn rezipiert. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass die meisten Medien und leider auch viele Katholiken diese Seite von Papst Franziskus bewusst ignorieren. Sie führen den Papst zwar gern als Kronzeuge für ihre eigenen Überzeugungen an, blenden aber bewusst aus, was er zum Lebensrecht der Ungeborenen sagt, weil das eben nicht in den gesellschaftlichen Mainstream unserer Zeit passt. Auch deshalb war es so wichtig, dass der Papst 1000plus eingeladen hat.

Wenn Sie Papst Franziskus einem fünfjährigen Kind beschreiben sollten, was würden Sie ihm sagen?

Ich würde ihm sagen, dass für katholische Christen Gott der „himmlische Papa“ und Papst Franziskus der „weltliche Papa“ ist. Denn die beiden Begriffe „Papst“ und „Papa“ klingen nicht nur ähnlich, sondern im Italienischen heißt „Papst“ ja tatsächlich „Papa“. Ein fünfjähriges Kind kann sich unter diesem Begriff in der Regel durchaus Konkretes vorstellen und verbindet mit ihm hoffentlich positive Erfahrungen wie Familienoberhaupt, Vertrautheit, Nähe, Stärke, Schutz, Zusammenhalt, Orientierung und Sicherheit. Und wenn ein Kind diese positiven Vatererfahrungen auf den Papst überträgt, dann liegt es damit ja nicht ganz falsch.

Die Privataudienz für 1000plus fand im Jahr der Barmherzigkeit statt. Besteht aus Ihrer Sicht ein Zusammenhang zwischen der Tugend der Barmherzigkeit und der Arbeit für Schwangere in Not?  

Dieser Zusammenhang ist für mich evident. Denn das, wofür 1000plus steht, ist wie ein „Achtes Werk der Barmherzigkeit“. Und zwar in doppelter Hinsicht: ein achtes leibliches Werk der Barmherzigkeit und ein achtes geistiges Werk der Barmherzigkeit. Es ist ein „leibliches“ Werk der Barmherzigkeit, weil es um Leib und Leben eines Menschen geht, den Gott bereits ins Leben gerufen hat. Und es ist ein „geistiges“ Werk der Barmherzigkeit, weil es um die Konflikte, Ängste, Zerrissenheit und Verzweiflung von schwangeren Frauen geht, denen verständnisvoll und wirkungsvoll begegnet werden muss. Insofern stünde es uns Katholiken gut an, wenn wir im Heiligen Jahr unser Engagement für dieses „Achte Werk der Barmherzigkeit“ forcieren würden, weil die Konflikte ungewollt Schwangerer ja deutlich zunehmen und uns als Kirche zunehmend herausfordern.

Wie schätzen Sie als katholischer Weihbischof es ein, dass 1000plus überkonfessionell arbeitet? 

Das ist für mich der genialste Schachzug von 1000plus überhaupt. Denn einerseits können sich dadurch viele Türen für die Unterstützung dieser Arbeit öffnen, weil das Tötungsverbot und das Hilfsgebot ja für alle Christen gilt. Andererseits können durch das nicht konfessionelle Auftreten von 1000plus wesentlich mehr Frauen erreicht werden als durch konfessionelle Angebote. Denn durch den Vertrauensverlust, den die Kirchen zunehmend erleiden, und durch den damit verbundenen Exodus vieler Frauen aus ihren Kirchen werden sich kirchliche Beratungsstellen künftig noch schwerer tun, in einer so heiklen und persönlichen Angelegenheit wie einen Schwangerschaftskonflikt als Anlaufstelle in Betracht zu kommen. Aber bei mindestens 100.000 Abtreibungen pro Jahr in Deutschland ist es letztlich irrelevant, wo Frauen in Konfliktsituationen Beratung und Hilfe finden. Entscheidend ist, dass sie überhaupt eine lebensbejahende Beratung und kompetente Hilfe finden. Und da ist 1000plus längst eine der besten Adressen in Deutschland!

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„Der genialste Schachzug von 1000plus überhaupt“ (Foto: L’Osservatore Romano)

Was würden Sie unseren Lesern raten, wenn in ihrem privaten Umfeld eine Frau ungewollt schwanger wird und verzweifelt ist?

Ich würde sie unbedingt an eine vertrauenswürdige Beratungsstelle verweisen und sie motivieren, eine solche Hilfe für sich in Anspruch zu nehmen. Denn die Qualität und Professionalität der Konfliktberatung ist unverzichtbar, wenn es – im wahrsten Sinne des Wortes – um Leben und Tod geht. Deshalb würde ich einer solchen Frau niemals eine Beratungsstelle empfehlen, die einen Beratungsschein ausstellt. Denn die allermeisten Schwangeren in Konfliktsituationen suchen letztlich ein offenes Ohr, menschliches Verständnis und konkrete Hilfen, um das neue Leben in ihrem Leib trotz des aktuellen Gefühlschaos annehmen zu können. Ein „Freiticket zur Tötung des eigenen Kindes“ ist keine Hilfe, sondern suggeriert den Hilfesuchenden lediglich eine rasche Problemlösung, die sich aber irgendwann als Bumerang erweisen wird. Eine Beratungsstelle, die lediglich schnell den Beratungsschein an die Frau bringen will, bietet ihr nur eine billige Scheinlösung an. Diese entspricht aber in keiner Weise dem tiefsten Wesen einer Frau, deren Bestimmung es ist, Leben zu schenken und nicht, Leben zu zerstören.

Weihbischof Renz, vielen Dank für dieses Gespräch. 

 

Das Projekt 1000plus

Das Ziel von 1000plus ist es, eine Beratungsstruktur aufzubauen, die jährlich vielen tausend Frauen im Schwangerschaftskonflikt bestmögliche Beratung und konkrete Hilfe bietet. Daneben hat 1000plus es sich zur Aufgabe gemacht, mithilfe öffentlichkeitswirksamer Wort-, Bild- und Informationskampagnen einerseits auf die Not von Schwangeren im Konflikt, andererseits auf die Würde, den Wert und die Schönheit jedes Menschen aufmerksam zu machen. 

Im Jahr 2015 wurden im Rahmen von 1000plus insgesamt 2.439 Schwangere von zuletzt 17 Beraterinnen beraten. Die Beratungsorganisationen von 1000plus stellen keine Beratungsscheine nach § 219 StGB aus. Die Beratung wird zu 100 Prozent aus Spenden finanziert.

Rechtlicher Träger von 1000plus ist der Verein Pro Femina e.V.  

Pro Femina e.V. ist eine mildtätige und gemeinnützige Frauenhilfsorganisation. Aufgabe von Pro Femina ist es, Frauen im Schwangerschaftskonflikt kompetent zu beraten und ihnen jedwede Hilfe zur Verfügung zu stellen. Ziel dieser Beratung und Hilfe ist es, der Frau eine Entscheidung für ein Leben mit dem Kind zu ermöglichen. 
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