Lady sucht Gentleman

Von Ulrike Walker

Lady? Schon die Suche nach einem geeigneten Foto unter Google oder Fotolia erweist sich als Desaster. Man findet alles – nur keine Lady! Die vornehme Dame wurde still und heimlich abgeschafft oder vielmehr im Zuge der «Feminisierung» in die Mottenkiste verstaut. An ihrer statt ist das «Karriereweib» getreten, das hart wie Kruppstahl glaubt, alles selber machen zu können oder mimosenhaft narzisstisch Sonderbehandlungen erwartet und hofiert werden will, wie eine Edeldame, obschon sie keine ist. Eine echte Lady hingegen ist von den gleichen Tugenden wie der Gentleman erfüllt, allen voran der «Demut». Nach Augustinus ist die inzwischen wieder in Mode gekommene Demut die «Mutter aller Tugenden»! Eine Provokation für das Selbstverständnis des modernen Menschen.

Höchste Zeit dem stiefmütterlichen Dasein der Lady ein Ende zu setzen, ist sie doch bedroht wie keine andere Minderheit. Ja, sie erscheint sogar noch seltener als der Gentleman, dabei braucht es sie dringender denn je, nicht nur um ihrer selbst willen, auch der Gentleman ist ohne ihr Pendant dem Untergang geweiht und droht wie die Titanic am (feministischen) Eisbergklotz zu zerschellen.

Der Stil ist im Eimer und die Sprache befindet sich in der Gosse

Dabei gab es bis in die fünfziger Jahre viele, zumindest was die Kleidung betraf. Von der Sekretärin bis zur «Grand Lady» etablierte sich ein  Kleiderstil, der sich von den «leichten Mädchen» unterschied. Heute trifft man quer durch alle Gesellschafts- und Altersschichten auf «leichte Mädchen». Da sieht man Mütter, deren Röcke kürzer sind als die ihrer zwanzigjährigen Töchter und einen «geilen» Wortschatz besitzen, dass einem Sehen und Hören vergeht. Dabei könnte alles so schön sein, wenn man nur gewillt wäre, auf altbewährte Axiome zurückzugreifen, die neben Orientierung auch Halt geben. Die «Eiserne Lady» Margaret Thatcher favorisierte den Grundsatz aus dem Talmud:

„Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Deine Worte. Achte auf Deine Worte, denn sie werden Deine Taten. Achte auf Deine Taten, denn sie werden Deine Gewohnheiten. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. Und achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.“

Harmonie?

Wie es der Zufall wollte, fiel mir kürzlich ein interessantes Paar auf. Er trug feinste rahmengenähte Schuhe mit passendem Outfit (Marke Gentleman) und sie Leinenhemd, Federohrringe und Öko Schuhe (Marke Alternativ-Künstlerin). In sich wirkten sie stimmig, nur zusammen wollte es nicht so recht harmonieren. Im Zeitalter der Individualisierung ist dies natürlich kein Problem und selbstverständlich ist eine stilistische Einheit nicht Voraussetzung für das Gelingen einer Ehe aber ein Genuss fürs Auge ist es dennoch, wenn Paare stilmässig zusammenpassen.

                    

Bei der «Ladysuche» blieb mir nichts Anderes übrig, als auf die englische Königsfamilie zurückgreifen. Die kurzen Röcke der Herzogin Kate wurden unter der Obhut der Schwiegermutter Queen Elizabeth knieumspielend d.h. zum „Lady-Mini“, so wie es sich für eine Lady mit Repräsentationspflichten gehört. Mode hin oder her! Schliesslich trägt ein Gentleman auch keine kurzen Hosen ausserhalb seines eigenen Reviers, mag er noch so schöne behaarte Beine haben. Nicht das generell etwas gegen Miniröcke einzuwenden sei, aber Frauen, die ein gewisses Alter erreicht haben, sollten dieses Kleidungsstück aus ihrem Kleiderschrank auf Nimmerwiedersehen verbannen.

Das Leben einer Lady mag manchmal etwas kompliziert sein, da sie sich nicht gehen lässt und niemals wie ein zerzauster Besen aus dem Haus flattert. Sie trägt ihren Stil mit Würde, der mitunter zeitaufwendig und unbequem ist, dafür bietet sie ihren Mitmenschen in der Regel einen erfreulichen Anblick. Wobei es nicht auf den Inhalt des Portemonnaies ankommt weder bei der Lady noch beim Gentleman. Schrieb doch unlängst ein Leser:

«E. Kant lebte meist in sehr ärmlichen Verhältnissen. Trotzdem legte er größten Wert auf sein Äußeres; nicht um seine Umstände zu verschleiern, sondern „damit seine Mitmenschen sich an seiner Erscheinung erbauen». Wie recht er hat.

Die Autorin Ulrike Walker betreibt einen eigenen Blog (Die Weiterdenkerin), auf welchem dieser Artikel erschien.
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9 Gedanken zu “Lady sucht Gentleman

  1. Ich hätte gerne vier Fotos von Vlasta Mudríková eingestellt, die zeigen, wie auch die heutige moderne Frau außerordentlich stilvoll gekleidet sein kann… bei ihr ist immer alles perfekt aufeinander abgestimmt, angefangen bei den Ohranhängern über den Halsschmuck, die Handtasche bis hin zu den Schuhen, und die weichen Pastelltöne, die sie bevorzugt, passen auch perfekt zu ihrem Typ und Charakter. Leider musste ich feststellen, dass sich bei drei der vier Bildlinks auch die entsprechende FB-Seite öffnet, so dass ich mich nachfolgend auf dieses eine Bild beschränken muss.
    Auf den anderen Bildern hätte man halt noch besser ihr Feingefühl fürs Ästhetische gesehen, aber es kann sich ja jeder selber auf ihren zwei FB-Seiten umsehen!
    https://scontent-vie1-1.xx.fbcdn.net/v/t1.0-9/13321701_10208079625162908_4490403022426833231_n.jpg?oh=830c684ec78a299cd96c92bcafe3b5e3&oe=57D2FA14
    Wer sie übrigens mal kurz hören will, kann dies hier tun… ich kenne bisher niemanden, der das bekannte slowakische Volkslied ‚To ta Heľpa‘ so schön spielt wie Vlasta Mudríková:

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    1. Schade, dass auch dieses Bild nicht direkt angezeigt wird… und auch der Direktlink zum Volkslied ‚To ta Heľpa‘, das ab 35:00 zu sehen bzw. zu hören ist, hat nicht nicht wie gewünscht funktioniert – WordPress-Blogs sind halt vielleicht ein bisschen speziell.

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    2. Eigentlich hat Frau Ulrike Walker uns bisher etwas im Unklaren gelassen, was ihrer Meinung nach heute eine Frau zu einer echten Lady macht. Die Alternativ-Künstlerin in Leinenhemd und Öko-Schuhen ist es jedenfalls wohl eher nicht, und was Frau Ulrike Walker zu Herzogin Kate schreibt, hört sich im ersten Moment auch eher so an, als ob Herzogin Kate in gewisser Weise auch nur als Notnagel herhalten müsste und nicht unbedingt das ihr vorschwebende Ideal darstellen würde.
      Was schwebt der Frau Ulrike Walker diesbezüglich also wirklich vor?
      Vlasta Mudríková hat vorhin wieder einige sehr schöne Fotos auf ihre Facebook-Seite hochgeladen… für mich ist sie ein Beispiel für eine zeitgemäße bürgerliche Lady!
      Oder können nur Frauen aus besseren Kreisen echte Ladies sein?

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  2. Franziska

    Ein sehr schöner Artikel, dem ich im Allgemeinen nur zustimmen kann. Allerdings muss ich doch einmal etwas anmerken, dass mir hier schon bei so einigen Artikeln zu Modefragen aufgefallen ist – nämlich dass ich dem gängigen „Gentlemanstil“ und jetzt dem „Ladystyle“ nur selten etwas abgewinnen kann. Vielleicht liegt es daran, dass ich (wie man sagen würde) eher aus dem „Alternativ“-Kreisen komme. Ich auf jeden Fall kann mit dem Krawatten-Anzug für den Mann, und den netten Kleidchen für die Frau nichts anfangen. Nebenbei bemerkt verbinde ich gerade mit diesem Kleidungsstil „Karriere“. Ein richtiges „Karriereweib“ würde sich doch niemals in Kleiderfragen gehen lassen. Und diese Krawattenträgerei ist doch längst zu einer „Uniform“ verkommen. Es würde mich wundern, wenn es jemals eine so uniformen Kleiderstil wie heute gab. Es gibt durchaus sehr schöne Anzüge, und auch sehr schöne Kleider, aber die gute Kate und ihr Gatte sehen zwar edel aus – keine Frage – aber besonders ist es nicht. Uniformistisch. Langweilig. Immerhin „harmonisch“. Ich weiß nicht, ob das demütig ist. Für mich strahlt diese Kleidung einfach nur Dekadenz und Bieder aus. Dass man Wert auf sein Äußeres legen soll, ist logisch, und dass der heutige Stil oftmals genau das Gegenteil ausstrahlt, kann ich nur zustimmen. Aber dann zu erwarten, dass man wie die Nobility oder in der letzten Business-H&M-Mode herumlaufen soll, um eine „Lady“ zu sein, dass halte ich doch für komisch. Nun kann sich jeder kleiden, wie er möchte. Jedoch scheint wirklich ein Problem dieser Zeit zu sein, dass man sich immer irgendeiner Modeströmung fügen muss, um dazuzugehören. Entweder „nuttig“ für den Mainstream, oder eben „Businesslike“ für die (möchtegern) bessere Gesellschaft. Und alle spielen sie nur etwas vor. Man wird doch keine Lady, wenn man Kate nacheifert. Natürlich kann sich jeder anziehen wie er möchte, und jeder hat auch seinen eigenen Stil – ich auf jeden Fall finde esunglaublich schwierig, heutzutage wirklich schöne Kleidung zu finden. Als „Lady“ fühle ich mich trotzdem.

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  3. Es ist wahr, dass vieles an der aktuellen Art, sich zu kleiden, stillos oder unschön wirkt und sicher auch ist.
    Bei Frauen ebenso wie bei Männern (!). Nur fällt es bei Frauen mehr auf, weil man von ihnen aufgrund der Traditionen und ihrer größeren Schönheit und physischen Feinheit mehr Bewusstsein für Schönheit, Stil und Schicklichkeit erwartet.
    Ich würde mich allerdings nicht am Gentleman oder der Lady aufhängen – daran ist vieles artifiziell und eben gerade nicht demütig, sondern hinter dem klassischen „Understatement“ in Wahrheit arrogant und versnobt…
    Mangelnde Demut fällt an Frauen auch nur deshalb so auf, weil man es traditionell vor allem ihnen abverlangt hat, demütig zu sein. Dem Mann als „Herrscher“ ließ man sehr viel Arroganz, Platzhirsch-Gehabe und Hochmut fragloser durchgehen.
    Auch sind die Geschmäcker verschieden. Ein ländlicher Trachtenlook kann genauso stilvoll sein wie der eher strenge urbane Stil. Und auch orientalisch angehauchte „Hippie-Kleider“ können, wenn sie gut genäht und aus wertvollen Stoffen sind, sehr schön sein – ein bisschen „indisch“ eben.
    Kleidung soll die Schönheit der Person unterstreichen und ihre Mängel kaschieren. Heute aber denke ich oft, dass die Mängel obszön zur Schau gestellt werden und die Schönheit ein Tabu ist. Man hat gewissermaßen verhässlicht zu erscheinen…

    Manche Sätze in dem Text verstehe ich aber nicht.

    Zum Beispiel folgende Sätze:

    „Dabei gab es bis in die fünfziger Jahre viele, zumindest was die Kleidung betraf. Von der Sekretärin bis zur «Grand Lady» etablierte sich ein Kleiderstil, der sich von den «leichten Mädchen» unterschied.“

    „Viele“ meint vermutlich die „Ladies“. Der zweite satz suggeriert, es hätte sich erst in den 50ern oder kurz davor ein Kleidungsstil etabliert, der sich von dem der leichten Mädchen unterschied.
    Das ist doch sicher nicht so gemeint?
    Sie meinen vermutlich, dass sich die Kleidung der ehrbaren Frauen von der der Prostituierten damals °°noch°° unterschied?

    Dieser Punkt ist m.E. der eigentlich gravierende: Viele Frauen kleiden sich der Mode nach so, wie Prostituierte noch in meiner Kindheit ausschließlich herumliefen – man erkannte sie an viel zu engen und/oder kurzen Röcken, hautengen Strumpfhosen, Netzstrümpfen, ohne etwas drüber, und tiefen Ausschntten und durchsichtigen Stoffen, auch übermäßiger Schminke. Neulich fiel mir auf, dass praktisch alle jüngeren Frauen derzeit mit solchen hautengen Strumpfhosen/Leggins paradieren. Ich weiß noch gut, wie sich junge Frauen damals, als ich so alt war, zutiefst geschämt hätten, sich so in der Öffentlichkeit zu zeigen – man hätte sich nicht „angezogen“ gefühlt und auch irgendwie zur Schau gestellt – mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Darüber wollten aber die meisten Frauen doch erhaben sein. Es war schlicht unter ihrer Würde. Selbst bei Kommune-Frauen…

    Die Demutsfrage spielt in das alles hinein – keine Frage. Ob aber die Rechnung so einfach aufgeht: Wer Trachtenkleidung trägt, ist demütiger etc. – nein! Der Hochmut traditionalistischer „Ich bin demütig und ordne mich meinem Mann unter“-Damen kann so penetrant sein, dass mir eine geschmacklose Dame fast noch lieber ist.

    Hochmut tritt durch alle Kleiderfalten ein. Da hilft wohl eine so stark veräußerlichte Sicht nicht. Auch das zerfestzte Büßergewand ist ein Ausdruck der Demut: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Donatello,_maria_maddalena_02.JPG

    Ob die merkwürdige Vermischung von „Karriereweib“ und „Hurenlook“ nicht eher ein Hinweis darauf ist, dass in der geschäftlichen Männerwelt Frauen trotz Bildung und Kompetenz irgendwie auf dem Weg des Dresscordes herabgewürdigt und in den Stand der „leichten Frau“ gewiesen werden?

    Denn stellen Sie sich doch einmal vor, Geschäftsfrauen kämen im Trachtenkleid, womöglich noch mit Rüschen und bunten Farben auf eine Vorstandssitzung – das kommt dort nicht gut.

    Bei uns ist seit einiger Zeit eine neue Bürgermeisterin im Ort. Sie trägt meist lange Röcke, ist von der SPD und entspricht wohl eher äußerlich der „Lady“. Nach ihrer Wahl bekam ich im Gasthaus mit, wie am Herrentisch über diesen Kleidertsil gelästert wurde – dass sie überhaupt im Rock und dann einem solchen züchtigen (also nicht zu eng, ohne Schlitz bis unter den Hintern etc.) vor die Leute geht. Ich ging hin und sagte: Was passt euch Männern nicht an ihren Klamotten? Einstimmig kam, eine Frau in einer solchen Stellung können nur entweder in Hosen (Merkel-Style) oder kurzen und vor allem engeren Röcken gehen. Da könnte sie doch gleich im Dirndl auftreten, und das gehe vielleicht in Bayern, aber nicht hier etc.

    Bingo – und ich dachte: endlich mal eine Politikerin, die schön und würdig angezogen ist…

    Ja, was fehlt mir eigentlich?

    Mir fehlt es an Natürlichkeit. Ob jemand demütig ist, kann man an der Kleidung nicht ablesen. Aber die meisten sind unnatürlich, geben sich unnatürlich und ahmen immer irgendetwas nach, das ihnen angeblich oder auch wirklich abverlangt wird. Das ist bei Tradis nicht anders als bei Weltleuten. Es wirkt vieles zwanghaft. Und viele haben keinen eigenen Stil.

    Die Frau war das letzte Geschöpf und stellt die Vollendung der Schöpfung da. Ihre auffallende Schönheit und vor allem der feinere Körperbau ist ein Gotteszeichen, denn Gott ist auch vollkommene Schönheit.

    Wenn sich Frauen darüber bewusst würden, sähen sie sich mit anderen Augen und würden sich selbstbewusster schön kleiden.
    Und der Mann hängt sich nach der Schöpfungsordnung an die Frau – nicht umgekehrt.
    Er lässt sich von ihr dann gerne anregen oder in seinem eigenen Antrieb zur Schönheit unterstützen.

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    1. Werte Frau Zeitschnur! Wie gewohnt ein weiterer sehr schöner Kommentar von Ihnen mit vielen interessanten Aspekten… und auch Denkanstößen, um über dies und jenes mal genauer nachzudenken. Mögen andere damit vielleicht Schwierigkeiten haben, aber ich liebe diese kritische Denke! Im Prinzip könnten von solchen Gedankenaustauschen alle profitieren… man müsste nur bereit sein, mal gewisse Engstirnigkeiten, denen jeder mehr oder weniger verfallen ist, zu überwinden. Mittlerweile finde ich, dass Matthias Jean-Marie Schäppi mit ‚The Cathwalk‘ dazu ein wunderbares Forum geschaffen hat, womit er interessierten Katholiken eine gewisse Hilfestellung bietet, zu einem ausgewogeneren Katholizismus abseits der vielen Extreme zu finden… ich war schon immer ein Verfechter der gesunden katholischen Mitte. Dabei geht er über das rein Religiöse und Gottesdienstliche hinaus und nimmt alles in den Blick, was eben zu einem kath. Leben gehört.
      Zu Ihrem Beitrag: Besonders gut hat mir Ihr Schlussteil gefallen, weil er so sehr der Gedankenwelt des Ed Silvoso in seinem Buch ‚Frauen – Der Trumpf Gottes‘ entspricht… für Ed Silvoso ist die Frau der wichtigere Teil der Gesellschaft, er spricht so schön von der Rolle der Frau im Plan Gottes und wie Gott jetzt in der Endzeit mit Hilfe der Frauen daran gehen wird, die Schöpfung wieder herzustellen, zu erneuern. Dass so oft vom marianischen Zeitalter die Rede ist, ist ja alles kein Zufall. Das Buch von Ed Silvoso ist wirklich sehr interessant und sehr empfehlenswert.
      Er hat u.a. dies geschrieben: „Frauen sind faszinierende Geschöpfe. Die Erschaffung Evas krönte die intensivste Zeitspanne göttlicher Kreativität auf Erden. Die Art und Weise, wie Gott sie schuf, offenbart, dass Frauen doppelt geläutert sind und dass solche Läuterung viel mit Gottes Plan für sie in der Endzeit zu tun hat.“
      Hat die werte Frau Zeitschnur das Buch von Ed Silvoso vielleicht schon gelesen?

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    2. Nein, das kenne ich noch nicht, das Buch! Klingt aber interessant.
      Mich hat ein Thomas-Gedankengang, der im übrigen wirklich frauenverächtlich ist, dennoch auf eine ähnliche Überlegung gebracht.

      Thomas fragt sich, wie Gott aus einer kleinen Rippe eine mannsgroße Frau machen konnte und wehrt heftigst ab, dass andere sagen: Er hat doch auch aus fünf Broten Tausende gemacht…
      Er knobelt also weiter herum, auch darüber, dass in der ersten Ordnung, die seiner Meinung nach wohl mit dem Mann zunächst vollendet war oder wenigstens so erschien („Es ist nicht gut, dass der Mann alleine…“), die „Potenz“ zur Frau verborgen la, die aber keines der Geschöpfe entfalten konnte. Die Frau wird aus der Substanz Adams genommen, ohne ihn deswegen unvollkommener zu machen. Aber dennoch ist die Frau keine Potenz des Mannes und man muss den Gedankengang bei Thomas, der Mann sei „Prinzip“ der Frau mit erheblichen Fragezeichen evrsehen – nach seiner eigenen Argumentation. Denn Gottvater ist das Prinzip des Sohnes, weil er ihn aus sich selbst zeugen und gebären wollte und konnte (so bekennen wir). So ist auch das All durch den Sohn geschaffen, weil er es konnte und wollte.
      Der Mann aber hat weder etwas gewollt noch gekonnt.
      In ihm lag die Potenz zu einer „zweiten Ordnung“ verborgen, aber es ist nicht männliche Potenz – gerade das nicht! Sondern eine Potenz Gottes, der schließlich die Gestalt der Frau erschafft. während der Mann in vollkommener Ohnmacht ist – in tiefem, tiefem Schlaf.

      So ist auch das Wortspiel von Isch/Isscha („Mann/Männin“) nur eine volksetymologie. das hebräische Wort „Isch“ heißt „Mann“ oder „einer“, während die „Isscha“ nicht von diesem Wortstamm kommt, sondern von „Esch“, das heißt Sonne“, „Glut“, „Feuer“. Tief vesteckt ist da der Bezug der Frau zum Hl. Geist, aber auch zu dem großen Bild der apokalyptischen Frau „mulier amicta sole“ (die Frau, bekleidet mit der Sonne).

      Was heßt das alles?
      Es heißt, die Schöpfungsrolle der Frau weist offenbar bereits auf die zweite Ordnung hin, auf die wir zuleben.
      Sie ist Zeichen Gottes. So wird sie etwa auch „adiutorium“ genannt, das Adam brauche, so wie sich Gott selbst als „adiutorium“ bezeichnen lässt („Hilfe“, „Beistand“) – auch hier wieder ein Anklang an den „Beistand“, den „Tröster“, auch weiter die biblische Eigenschaft Gottes, der „wie eine Mutter tröstet“.

      Die verbreitete Meinung, der Satan habe die Ordnungen „verkehrt“, als er die Frau vor dem mann ansprach, ist aus verschiedenen Gründen nicht haltbar. Erstens steht in der Genesis nichts von einer solchen Ordnung, und die Tatsache, dass Adam zuerst da war, ist nur eine Reihen-, aber keine Rangfolge. Zweitens sprach Gott später auch Maria zuerst und ohne ihren mann an und erhielt von ihr alleine das „Fiat“ – bevor Josef überhaupt etwas wusste. Auch Gott geht diese Reihenfolge, und es geht daraus nicht hervor, dass er das nur deswegen tut, weil der Satan es schon so machte – nein: es kann auch sein, dass das tatsächlich der schöpfungsgemäße Weg war und ist.
      Drittens, und das ist am wichtigsten, kan man sich überlegen, ob der Satan nicht die Frau zuerst anging, weil sie der Schlüssel in diese zweite Ordnung war und ist.
      Gott selbst erklärt nach dem Fall die Frau (nicht den Mann!) zum Feind der Schlange und verheißt ihr den Sieg an der Front.

      Es ist das aber ein Geheimnis – die Frau das Zeichen, das Wesen, das bereits in eine zweite Ordnung gedeutet hat und deutet – und dies von Anfang an. Die Unterwerfung der Frau unter den Mann ist nach Gen. 3, 16 ja Sündenfolge und nicht etwa Schöpfungsordnung.

      Thomas hat leider seinen Gedankengang bei der Etappe von einer weiteren „Ordnung“ abgebrochen, aber er hätte die Gedanken, die ich vortrage sicherlich auch gehabt. Oder hatte sie vielleicht… aber da er ein beinharter Aristoteles-Jünger war, und A. ein besonders auffallender antiker Frauenverächter – ganz im Sinne von Gen. 3, 16 – konnte an der Stelle nicht weiterdenken. Dass die Frau in der Schöpfungsordnung Vorreiterin war, geht auch aus dem Satz hervor, der Mann folge ihr (nicht umgekehrt), eine Bemerkung, die sowohl Jesus als auch Paulus ausdrücklich wieder ins Bewusstsein der frühen Christen heben.

      Dazu gibt es aber noch viel mehr zu „schürfen“. Ihren Buchtip werde ich verfolgen.

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    3. Werte Frau Zeitschnur, das waren alles wieder sehr interessante Gedanken. Leider komme ich momentan nicht dazu, Ihnen ausführlicher zu antworten. Ich kann Ihnen nur soviel sagen: Das, was Sie eben geschrieben haben, entspricht auch voll und ganz den Gedankengängen von Ed Silvoso. Dass Sie praktisch über Thomas von Aquin und seine nicht zu Ende gedachten Grundüberlegungen zu ähnlichen nun vollständigeren Ausformulierungen praktisch gleich wie Ed Silvoso gekommen sind, finde ich sehr bemerkenswert.
      Noch ein kleiner Tipp: Wenn Sie Näheres zum Buch von Ed Silvoso wissen möchten, empfehle ich Ihnen die Amazon-Rezessionen zum englischen Original: Women – God’s Secret Weapon.

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  4. Ach wie schön, schon so früh am Morgen so einen Superbeitrag lesen zu dürfen! Gratulation!!!
    In den Überlegungen von Frau Ulrike Walker steckt viel Wahres drinnen, und das Tolle ist, wie sie das alles mit einer umwerfenden Spritzigkeit und spitzen Feder und doch gleichzeitig so angenehm positiv zu Papier gebracht hat… kein Moralisieren, kein Wink mit dem Zeigefinger – eben ganz die Lady. Frau Ulrike Walker hat völlig zurecht darüber geklagt, dass heute bei vielen Frauen der Stil im Eimer ist und deren Sprache sich in der Gosse befindet. Aber auch bei jenen Frauen, die das aufgrund ihrer höheren Bildung geschickt zu kaschieren vermögen, verspürt man oft eine ungute Aggressivität, und diesbezüglich gebe ich Frau Ulrike Walker zu 100 Prozent recht: es fehlt die Demut, die „Mutter aller Tugenden“! Das Schwinden der Demut wirkt sich meiner Meinung nach bei der Frau noch gravierender aus als beim Mann und hat auch für die gesamte Gesellschaft viel fatalere Folgen… wenn Frauen ihre Selbstachtung und Würde verlieren, dann ist ein Volk auf dem besten Weg in den Untergang. Frau Ulrike Walker hat absolut recht, wenn sie sagt, dass es die Lady heute dringender denn je braucht… nicht nur um ihrer selbst willen, auch der Gentleman sei ohne ihr Pendant dem Untergang geweiht und drohe wie die Titanic am feministischen Eisbergklotz zu zerschellen. – Wunderschön formuliert!!! Das ist genau meine Erfahrung nach bald 60 Lebensjahren. Ich bin vor fünf Jahren in eine ländliche Umgebung umgezogen, wo die Frauen noch weitgehend schöpfungsgemäß leben und wo das Miteinander von Mann und Frau größtenteils noch so funktioniert wie es eben sein soll. Als ich diese Frauen dann die ersten Male bei Prozessionen oder sonstigen feierlichen Anlässen in Festtagstracht gekleidet erscheinen sah, kam ich fast nicht mehr aus dem Staunen heraus: diese Anmut, diese Natürlichkeit und Bescheidenheit… so eine Tracht ist dort was Besonderes, aber die Frauen – auch die jüngeren und ganz jungen! – tragen sie mit Würde, ohne den Anschein von Stolz oder Eitelkeit zu erwecken. Mir hat das sofort Respekt vor diesen Frauen eingeflößt, und ganz generell ist seither auch mein Blick auf die Frau wieder viel positiver, weil mir wieder richtig bewusst geworden ist, dass es die grundanständigen und grundehrlichen Frauen auch noch gibt, zu denen wir Männer aufschauen können. So ein überragendes Beispiel und Vorbild ist für mich die slowakische Volksmusikerin Vlasta Mudríková… sie spielt nicht nur außergewöhnlich schön auf der Heligonka, sondern zeigt auch genau diese Demut und Bescheidenheit, die Frau Ulrike Walker hier angesprochen hat, und hat als Waagegeborene natürlich ein sehr feines Gespür für Ästhetik, Stil und Eleganz, wie man das nur sehr selten sieht.

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