Worum es bei Heiko Maas‘ Verbot von „sexistischer Werbung“ wirklich geht

kolumne_kelle

von Birgit Kelle

Die freie Meinung läuft ständig Gefahr, falsch verstanden zu werden. Nein, dies wird kein Kommentar zu Jan Böhmerman und seinem Erdogan-Gedicht. Obwohl die Posse, die sich derzeit in den deutschen Medien abspielt und jetzt vermutlich in eine nächste, juristische Runde gehen wird, sich gut einreihen würde in eine neue Tradition des vorauseilenden Gehorsams, auch Selbstzensur genannt, die sich schleichend – aber selbstredend immer nur mit guter Absicht – in unserem Land breit macht.

Jetzt ist es – wieder einmal – der Justizminister, der antritt, uns vor eigenen Gedanken, Bildern oder Äußerungen zu schützen.  Es ist noch nicht so lange her, dass der deutsche Justizminister beschlossen hat, mit einer eigenen Taskforce die sozialen Medien vor falschen Gedanken zu bewahren. Bereits jetzt werden Facebook & Co. von politisch unkorrekten Postings gesäubert, die im vorgerichtlichen Raum von „Experten“ als „Hassrede“ definiert wurden. Damit das korrekt geschieht, scheut man auch nicht davor zurück mit ehemaligen Stasi-Spitzeln aktuell berichtet das Magazin der Spiegel, Heiko Maas, der Justizminister, dem die Frauen vertrauen, wolle „sexistische Werbung“ verbieten lassen.

ES IST FÜR DEN EINFACHEN BÜRGER VERMUTLICH SICHERER UND UNGEFÄHRLICHER, WENN ER VON DER REGIERUNG EIN BISSCHEN NACHHILFE IN BETREUTEM DENKEN BEKOMMT, IN DIESEM FALL IM BETREUTEN SEHEN.

Sonst könnten wir ja ständig ohne Vorwarnung mit einem Werbeplakat in der Stadt konfrontiert werden, das uns ein falsches Frauen- oder Männerbild vermittelt. Ein sexistisches noch dazu. Möglicherweise zeigt es vor allem Frauen mit viel Haut oder gar keiner Kleidung, somit wäre das ganz sicher kein „modernes Geschlechterbild“.

Was will uns die SPD damit sagen? Die moderne Frau bedeckt ihre Scham und zeigt nicht zu viel Haut?  Sofort hatte ich das unbestimmte Gefühl, so ein Frauenbild schon mal irgendwo vernommen  zu haben und siehe da, nach dem zweiten Morgenkaffee und dem zusätzlichen Hinweis des Spiegel, dass diese Gesetzesinitiative der  Umsetzung eines Beschlusses der Parteispitze der SPD „nach den sexuellen Übergriffen an Silvester in Köln“ entspräche, fiel es mir wie Schuppen von den Augen:

DANK SEXISMUSFREIER WERBUNG WÄREN WIR MIT DER INTEGRATIONSPOLITIK WIEDER EINEN MEILENSTEIN VORANGEKOMMEN. ENDLICH WÄRE DAS ISLAMISCHE FRAUENBILD AUCH IN DIE DEUTSCHE ÖFFENTLICHKEIT INTEGRIERT.

Ich musste das zweimal lesen um die Logik zu verstehen. In Köln vergreifen sich also hunderte von jungen Männern mit Migrationshintergrund an Frauen. Männer, die recht offensichtlich ein „unmodernes“ Frauenbild besitzen, um einmal im Wording der SPD-Spitze zu bleiben, und als Reaktion will die SPD verbieten, dass Frauen noch beispielsweise nackt oder leicht bekleidet auf Plakaten gezeigt werden. Ich finde das wirklich sehr sensibel von der SPD, vielleicht könnte man einzelne Plakate, die man nicht verhindert konnte, noch nachträglich verhüllen.

Nun ist Deutschland ja bekanntlich das Expertenland für sexistische Empörungsmaschinerien, ein falsches Wort oder ein falscher Blick und man ist überführt, fragen Sie mal Herrn Brüderle.

Link zur Brüderle Geschichte

Man darf also gespannt sein, welche Berufsempörten demnächst darüber entscheiden werden, was den geschlechtssensibel-ungeübten Augen der Verbraucher noch zugemutet werden darf. Denn selbstverständlich muss es eine Zensur – pardon –  demokratische Genehmigungs- Instanz geben, die dann entscheidet, welche Werbung  geschlechtersensibel genug ist, und welche nicht. Da die SPD bereits jetzt vertrauensvoll auf die Empfehlungen der Initiative „pinkstinks“

Zur Pinksticks Initiative

setzt, steht zu befürchten, dass es eine weitere „Taskforce“ geben wird, die sich mit dem weiten Feld der Werbung beschäftigen wird, wenn dies Gesetz tatsächlich eine Umsetzung findet.  Schon jetzt ist man bei Pinkstinks eifrig dabei, das anzuprangern, was man selbst für Sexismus hält. Pinke Mädchen-Produkte (falsches Frauenbild) gehen nicht, nackte Frauenhaut geht nicht (pfui-sexistisch), Heidi Klum steht dort genauso auf dem Index (zu dünne Frauengröße) wie diverse Magazine, und allerlei Produkte, die Frauen wie auch immer falsch oder als vermeintliches Sexualobjekt zeigen. Männer wiederum werden dort immer dann vor Sexismus geschützt, wenn sie allzu männlich dargestellt werden. Das ist mindestens genauso pfui wie eine schöne Frau.

Vielleicht kann der Justizminister auch auf die Erfahrungen aus Berlin Friedrichshain-Kreuzberg zurückgreifen. Dort ist sexistische Werbung dank einer rot-grünen Mehrheit im Bezirk bereits seit 2014 verboten.

Siehe Werbeverbot

Eine „Arbeitsgruppe gegen frauenfeindliche, sexistische und diskriminierende Werbung“ beschäftigt sich dort mit den Kriterien, nach denen Werbung aussortiert werden soll. Als sexistisch gilt demnach beispielsweise, wenn Frauen als „(willens)schwach, hysterisch, dumm, unzurechnungsfähig, naiv“ dargestellt werden. Ihre Körper sollen nicht „betont“ bekleidet sein und sie sollen nicht „ohne Anlass lächelnd inszeniert“ sein. Spontan stellte sich mir die Frage, ob es nicht hilfreich wäre, wenn die Arbeitsgruppe gleich noch ein alltagstaugliches Papier für alle Frauen in Deutschland gleich mitentwerfen könnte, wo mir als Frau situationsbedingt aufgelistet wird, bei welchen Anlässen ich lächeln darf und bei welchen nicht. Vielleicht finde ich das aber auch in einem Youtube-Video von Pierre Vogel.

Wie ich eingangs schon sagte, die freie Meinung läuft ständig Gefahr, falsch verstanden zu werden. Möglicherweise lächeln auch Sie gerade, beim Lesen dieses Textes, dann hätten sie diesen Text allerdings völlig falsch verstanden.

Der Artikel erschien hier auf wirtschaftswunder.at und darf mit der Erlaubnis der Autorin abgedruckt werden. 

906644_626021210744722_1047802474_oBirgit Kelle wurde am 31. Januar 1975 in Heltau geboren. Kelle arbeitet als Autorin für verschiedene Print- und Onlinemedien, bis Sommer 2015 war sie Kolumnistin bei „The European“. 2013 erschien ihr erstes Buch „Dann mach doch die Bluse zu“, im März 2015 die Gendersatire „Gendergaga“ (beide ADEO). Birgit Kelle schreibt für alle, die noch nicht komplett durchgegendert sind. Für Frauen, die gerne Frau sind, für Männer, die solche bleiben wollen, und für alle, denen der tägliche Wahnsinn noch nicht den Humor geraubt hat. Sie moderiert beim Internetradio King.FM eine wöchentliche Sendung (www.kingfm.net). Wegen ihrer beharrlichen Feminismus-, Quoten- und Gender-Kritik gilt sie wahlweise als „Antifeministin“ (Focus), „Anwältin der Hausfrauen“ (WAZ) oder als „Wutmutter“ (Cicero). Kelle ist Vorsitzende des Vereins Frau 2000 plus e.V., im Vorstand von New Women For Europe (Brüssel), verheiratet und Mutter von vier Kindern. Ihr Geschlecht ist eindeutig weiblich.
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Ein Gedanke zu “Worum es bei Heiko Maas‘ Verbot von „sexistischer Werbung“ wirklich geht

  1. Oliver

    Cathwalk sollte sich überlegen ob das christlich-katholische Frauenbild nicht eher mit dem islamischen eine gewisse Schnittmenge aufweist als mit dem westlichen „Sex sells also Puppe, verbieg Dich halbnackt in aufreizenden Positionen um möglichst viel Profit zu machen“.
    Der Beichtspiegel im alten Gotteslob hat zum Thema aufreizende Bilder durchaus etwas zu sagen.

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