Warum Gott kein Vorschlaghammer ist

Dr. Jörg Müller erläutert das “Cathwalk-Syndrom”, Teil 2

„Der ständige Anblick dieser jungen Dame, die bewusst mit ihren Reizen kokettierte, irritierte den Jungen derart, dass er Gewissensqualen litt und sich ständig zwang, nicht hinzusehen. Seine religiöse Erziehung ermöglichte es ihm nicht, anders als durch Wegschauen damit fertig zu werden.“

Eine Cathwalk-Rezension in zwei Teilen von Friedrich Reusch

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Dr. Jörg Müller SAC ist katholischer Priester (Pallottinerpater), Pädagoge und seit 30 Jahren klinischer Psychologe. Er ist Autor des Buches: „Gott ist anders – Das Leiden an falschen Gottesvorstellungen. Wege zur Heilung“

Das Christentum war immer eine Religion, die zwischen dem Anspruch der persönlichen Heiligung und dem Umgang mit der menschlichen Schwäche gut unterscheiden konnte. Es gibt sogar die Auffassung, dass gerade diese Selbstbeschränkung, diese Nicht-Übergriffigkeit dem einzelnen Gläubigen gegenüber, Voraussetzung für eine jahrhundertelange christliche Kulturgeschichte waren, denn das sanfte Joch Christi ist den Menschen letztendlich ein stets willkommener Lebensbegleiter im Gegensatz zu fanatisierter Frömmigkeit, die oftmals in einem verbissenen Strohfeuer kurz auflodert, aber schon allein deshalb nicht missionarisch wirkt, weil sie einem neurotischen Gemütszustand entspringt, der bei der gesunden menschlichen Psyche Abwehrreaktionen zeitigt – oder, um ein Naturbild zu bemühen: Die Bäume im Regenwald wachsen irrsinnig schnell, wurzeln aber nicht tief. Deshalb auch die äußerste Zurückhaltung der Kirche, was fixe Anforderungen an den einzelnen Christen oder Dogmatisierungen angeht, die geglaubt bzw. befolgt werden müssen.

In Zeiten freilich, in denen die Kirche ihre kulturelle Dominanz eingebüßt hat, ist zu befürchten, dass auch der mäßigende Charakter der katholischen Gläubigkeit abnimmt und ein gewisses Konventiklerwesen das Erscheinungsbild der Christen dominiert. Den Gegnern der Kirche ist es recht: umso leichter lässt sich das Christentum karikieren.

Welches Klientel herrscht in einer derartig deformierten christlichen Szene vor?

Jörg Müller begegnen in seiner psychotherapeutischen Arbeit immer wieder verschiedene Typen von Christen, die ihre neurotischen Auffälligkeiten auf Gott und den Glauben übertragen – und somit das Christentum für sich und andere ungenießbar machen. Er beschreibt sie in seinem Buch „Gott ist anders“.

Die christlichen Fanatiker

Bild 1 CW Müller
„Aus Angst und tiefliegendem Misstrauen der Schöpfung gegenüber flüchten sie in das Ghetto elitärer und fundamentalistischer Gläubigkeit.“

„Aus Angst und tiefliegendem Misstrauen der Schöpfung gegenüber flüchten sie in das Ghetto elitärer und fundamentalistischer Gläubigkeit. Nichts überzeugt sie außer ihrer eigenen religiösen Einstellung. Sie brauchen das Korsett einer eindeutigen, verbindlichen und dogmatischen Führung, damit sie nicht auseinanderfallen oder in Zweifel geraten. Jede Freiheit ist gefährlich.“ Dieser Typus, der auch den Rock-Zwang für Frauen und pharisäisch genaue Verhaltensweisen bis ins kleinste alltägliche Detail vorgeschrieben haben will, ist der katholischen Glaubensauffassung zutiefst fremd, die ja, um ein bekanntes Sprichwort zu bemühen, lediglich „in den notwendigen Dingen [in necessariis]“ Einigkeit verlangt, sonst aber die Freiheit der Kinder Gottes (Gal 4,4ff) walten lässt. Wer damit nicht umgehen kann, ist letztendlich in erschreckender Weise unreif, infantil und denkfaul. Gesund ist diese pervertierte Form der Frömmigkeit nicht: „Unter ihnen wie auch unter den verbissenen Christen, die aus eigenen frommen Leistungen sofort heilig werden wollen, finden sich die meisten psychosomatisch Erkrankten. Kein Wunder, dass bei einem solchen rigiden Über-Ich bzw. Gottesbild der Stoffwechsel streikt, der Muskeltonus steigt und die Abwehrmechanismen nicht mehr zur Ruhe kommen.“

Die christlichen Hysteriker

Diesem Charaktertyp begegnet man laut Jörg Müller „auf dem religiösen Gebiet sehr häufig. Denn der Hysteriker hat Angst vor dem Verlust der Geborgenheit und Sicherheit.“ Wie in folgendem Bericht aus Müllers psychotherapeutischer Tätigkeit deutlich wird, ist angstvolle Verdrängung von Herausforderungen der falsche Weg: „So kam einmal ein siebzehnjähriger Schüler zu mir, der plötzlich nichts mehr sehen konnte, obgleich keinerlei Gewebszerstörung vorlag. Das Malheur begann an dem Tag, an dem sich ein hübsches Mädchen in der Klasse neben ihn setzte. Der ständige Anblick dieser jungen Dame, die bewusst mit ihren Reizen kokettierte, irritierte den Jungen derart, dass er Gewissensqualen litt und sich ständig zwang, nicht hinzusehen. Seine religiöse Erziehung ermöglichte es ihm nicht, anders als durch Wegschauen damit fertig zu werden. In dieser Not arrangierte das Unterbewusste eine organisch nicht greifbare, eben hysterische Erblindung, die interessanterweise nur im Schulbereich andauerte.“ Fühlt man sich hier nicht unmerklich an so manche Debatte auf thecathwalk.net erinnert, warum welche Damenbekleidung sich schicke und warum eine andere nicht? Natürlich ist es anstrengender, den Weg der Reife zu beschreiten statt irgendwelche böse Versucherinnen ausfindig zu machen…

Die christlichen Zwanghaften

„Hier ist die Grundstruktur ‚Angst‘ sehr deutlich. Der zwanghafte Mensch will sich absichern und schützen. Deshalb hält er auch so starrsinnig an Prinzipien und Formeln fest; nichts wäre schlimmer als eine Wandlung der eigenen Persönlichkeit. Ihm ist ein magisches Denken zu eigen: Die Absicherung durch Regeln, Gebote und althergebrachtes Ordnungsdenken hilft ihm Ängste zu binden.“ Wenn Maximilian Krah in seinen Cathwalk-Beiträgen die Unsitte aufdeckte, nichtdogmatische Dinge wie Kleidung zu dogmatisieren, ist damit ein integralistischer Hang beschrieben, der sich mit Müllers Aussagen über den zwanghaften christlichen Charaktertyp deckt: „Seine Nähe zum Fanatismus ist verdächtig. Für ihn ist Ungewissheit ein unerträglicher Geisteszustand, weshalb er zum Dogmatismus neigt.“ Dies führt dann auch zur Unfähigkeit, Schönes, Neues und Konstruktives zu schaffen: „Menschen mit einer bürokratischen Gläubigkeit sind in erster Linie gegen etwas, selten für etwas. Eine solche Kämpfermentalität wirkt düster und abstoßend.“

Die christlichen Depressiven

„Ein Neurologe sagte mir einmal, er könne ziemlich rasch die ‚gut katholischen Christen‘ in seiner Klientel erkennen. Sie seien depressiver als die anderen, weil sie sich so verbissen um Vollkommenheit bemühten.“ Dieser medizinische Erfahrungswert hängt laut Müller mit einer falschen Heiligkeitsvorstellung zusammen. So bedeute Vollkommenheit für viele Triebunterdrückung und Affektbeherrschung: „Es ist vornehmlich die damit verbundene Verdrängung elementarer Gefühle wie Zorn, Angst, Schuld, Trauer, die sich der Betreffende nicht zugestehen möchte. Er meint, solche Gefühle, wie auch sexuelle Bedürfnisse, seien schlecht und müssten beherrscht werden. Wenn es denn nur eine Beherrschung wäre! Es ist aber eher eine Unterdrückung, die im Namen Gottes geschieht.“ Der Weg des Fräulein Rottenmaier ist also kein Weg zur Seligkeit. Der echte christliche Heilige ist vielleicht kein Schwiegermutterliebling, jedoch ausnahmslos begeistert von Christus und dient ihm ohne Hoffnung auf Lohn – er schreibt seinem Herrn keine Leistungsabrechnung. Oder könnte man sich einen Fußballfan aus der Ultra-Szene vorstellen, der peinlich genau jeden für seinen Verein verfahrenen Kilometer, jedes Anstimmen eines Fangesangs und jeden Verzicht, den er seinem Verein zuliebe tätigt, notierte?

Bild 2 CW Müller
Der Weg des Fräulein Rottenmaier ist kein Weg zur Seligkeit.

Gibt es einen Ausweg?

Falsche Gottesbilder werden laut Pater Müller in der Kindererziehung grundgelegt: „Im Namen eines falschen Religionsverständnisses wird hier immer noch zu sehr auf Verdrängung von elementaren Bedürfnissen gepocht und mit der Hölle gedroht, unerwünschte Handlungen, ja sogar Gedanken werden mit Liebesentzug, Strafe und Nichtbeachtung geahndet.“ Das Gottesbild, welches sich in der Kindheit konstituiert, orientiert sich, wie Müller in einer Studie an 100 Jugendlichen belegte, anhand der wahrgenommenen Eigenschaften der Eltern.

Nun gibt es aber sowohl leibliche wie auch geistliche Eltern (z.B. Priester), die das Gottesbild eines grundgütigen und liebendes Vaters nicht vermitteln können – vielleicht deshalb, weil sie bereits Gott (und die eigenen Eltern) nicht als liebevoll und barmherzig kennengelernt haben. Die Versuchung ist jedenfalls groß, dass ein pädagogisches Verhältnis oder eine priesterliche Seelenführung das Wohl des Zöglings aus den Augen verliert. Dann geht es vornehmlich um Macht: Bezüglich des Gottesbildes wird das bedingungslose Folgen der eigenen (nichtdogmatischen) Auslegung verlangt. Wird die Gefolgschaft verweigert, wird dann mit der Hölle gedroht oder ähnliches. Ich erinnere mich an einen Priester, der Jugendlichen bis ins kleinste Detail vordiktierte, wie sie sich im Falle einer Liebesbeziehung zu verhalten hätten. Obwohl dies nachweislich Fragen waren, über die die Kirche kein verbindliches Urteil gefällt hat, operierte er hier vorzugsweise, wohl um Gefolgsamkeit zu erzwingen und Widerspruch zu verunmöglichen, mit der Kategorie Todsünde – der Obere dieses Priesters täte gut daran, das rezensierte Buch von Jörg Müller zu lesen und entsprechende Schlüsse für den Umgang mit seinem Untergebenen zu ziehen, den man Müller zufolge wohl unter die Zwanghaften rechnen müsste. Die Formel sei meiner Meinung, sonst kommst du in die Hölle ist wohl das einzig Sündhafte bei einer derartigen Geschichte: „Gott macht nicht Angst. Aber es gibt genügend Menschen, die in seinem Namen Angst machen wollen, um gefügig zu machen. Das ist Missbrauch des Namens Gottes.“

Müller zufolge gibt es folgende Symptomatik falscher Gottesbilder: „Schädigend sind alle Gottesbeziehungen, in denen die Ehrfurcht zur Angst, der Glaube zum magischen Denken und die Liebe zum Selbstverlust pervertiert wird.“

Bild 3 CW Müller
„Mir ist kein Beispiel bekannt, in dem Jesus auch nur das geringste angstmachende oder moralisierende Verhalten gezeigt hätte.“

Um Geschädigten zu helfen, kennt Müller verschiedene Therapieformen: „Mitunter empfehle ich einem Patienten, sein einengendes religiöses Milieu zu verlassen und sich einer heilenden Gemeinschaft anzuschließen, die wie Jesus tut: Gaben entdecken und ausprobieren, Gefühle und Irrtümer zulassen, gemeinsam Gott loben und sich über die Erfahrungen mit Gott austauschen.“ Das Gottesbild kann auch sozusagen wortwörtlich korrigiert werden, indem man sich nämlich von Jesus wirklich ein eigenes Bild macht: „Eine große Hilfe kann die phantasierte Begegnung mit Jesus sein, eine imaginative Methode ähnlich der ‚Phantasiereise‘ oder dem ‚katathymen Bilderleben‘. Alle Patienten, mit denen ich diese Übung durchführte, äußerten ein unterschiedlich starkes Gefühl der Entspannung und des Wohlbefindens, unabhängig davon, ob sie sich die Person Jesu vorstellen konnten oder nicht. Diejenigen, denen das gelang, waren überrascht über die positiven Aussagen Jesu, über seinen ermutigenden, versöhnlichen Zuspruch. Mir ist kein Beispiel bekannt, in dem Jesus auch nur das geringste angstmachende oder moralisierende Verhalten gezeigt hätte.“

Auch finden in Pater Müllers Wirkungsstätte, dem Vinzenz-Palotti-Haus in Freising, ganzjährig verschiedene geistliche Veranstaltungen statt, die den Menschen helfen sollen, Zugang zum liebenden Vaterherzen Gottes zu gewinnen. „Jetzt weiß ich, dass Gott anders ist. Ich weiß das nicht nur, ich habe es auch erfahren“, so bekannte einmal eine Teilnehmerin. „Ich habe erfahren, dass er gleichermaßen liebenswürdig ist und mich liebt, ob ich schuldig bin oder nicht. Nun kann ich wieder mein Leben wagen in der Gewissheit, dass Gott mir jeden Morgen die Kraft für den Tag gibt.“

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31 Gedanken zu “Warum Gott kein Vorschlaghammer ist

  1. Freund Gottes

    Sklave Calvins, sie argumentieren hier, als seien sie unter den Silvester-Grabschern von Köln gewesen, nämlich:

    Als bestünde ein notwendiger Zusammenhang zwischen (partieller) Nacktheit und sexueller Stimulation. Sind wir denn triebgesteuerte Affen?

    Was bedeutet Herrschaft des Geistes nun im Beispiel aus Pater Müllers Praxis? Es bedeutet, dass ich das kokettierende Mädchen zur Kenntnis nehme, aber ihre Reize mich nicht zu einer Handlung bringen können, die nicht im Einklang mit dem steht, was ich möchte: die Gebote Gottes halten.

    Ein Wegschauen ist doch gerade das Gegenteil von Herrschaft des Geistes, es ist eine Flucht vor der Herausforderung, sich Widerständen zu stellen.

    Und mal ehrlich, wenn mein Hormonhaushalt durch ein wenig Haut dermaßen durcheinander gerät, muss ich mich doch als Mann fragen, was denn da so eigentlich alles an unterdrückter Sexualität in mir lodert. Ich muss die diesen Trieben zugrundeliegenden emotionalen Defizite beheben. Dann werde ich auch sehen, dass bei Lichte besehen der angeblich ach so lüsterne Minirock oder das ach so freche Dekolleté gar nicht so schlimm waren.

    Das eigentliche Problem wird nicht durch irgendwelche leichtbekleideten Damen verursacht. Das eigentliche Problem liegt ganz woanders.

    Ich wünsche allen Wegschau-Fanatikern, nie in ihrem Leben eine Kunstgallerie besuchen zu müssen, denn Nacktheit ist in der Malerei künstlerische, ja sogar sakrale Kategorie.

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    1. Mein lieber Freund welchen Gottes auch immer: Inwiefern argumentiert der Sklave welchen Gottes auch immer wie ein „Silvester-Grabscher“?
      Bei den Silvester-Grabschern handelt es sich um junge Araber, in deren Heimat-Gesellschaften die Lebenswirklichkeit der meisten Ehefrauen darin besteht, sich poppen zu lassen wann immer der Ehemann geil ist und deren Koranlehrer ihnen erzählen, dass Christenschlampen eh immer geil sind und das man sie sich ohne bestraft zu werden nehmen kann wann man will, weil Christen grundsätzlich Menschen zweiter Klasse sind und Christenfrauen entsprechend auch Frauen zweiter Klasse. Dieser Vergleich mit den „Silvester-Grabschern“ gleich zu Anfang Ihres Textes kann also keine andere Intention haben, als durch eine Diskreditierung den Leser darauf einzustimmen, dass es zwischen dem Sklaven und den asozialen Kölner Straftätern eine Schnittmenge gibt und man ihn folglich seine Argumentation vollständig zu verwerfen habe. Ganz, ganz schlechter Stil auf einer stylischen Plattform wie dem Cathwalk!

      Nun zu Ihren Ausführungen. Warum richtet sich der Fokus eigentlich stets nur auf die unbeherrschten und lüsternen Männer? Wegen der Gleichberechtigung? Oder weil es politisch korrekt ist?

      „Als bestünde ein notwendiger Zusammenhang zwischen (partieller) Nacktheit und sexueller Stimulation. Sind wir denn triebgesteuerte Affen?“

      Affen sind wir nicht, triebgesteuert, also mit dem Schwanz denkend (wie es in Kreisen, in denen Sie vermutlich nicht verkehren), sind vor allem viel pubertierende Knaben und Jungmänner und dann auch wieder männliche Senioren sehr wohl. und da erregt eben sehr viel der Anblick von Brustwarzen durch ein verschwitztes T-Shirt, eine extrem eng eingepackter Popo oder gar eine Spalte die nicht von einem Slip umfangen sondern lediglich von einem Miniröckchen im Sitzen nahezu unverdeckt ist, sehr wohl.
      Ich kann ja auch nicht mit meinem Colt M1903 Pocket Hammerless im Halfter, dessen Konturen sich unter meiner dünnen Stoffweste abzeichnen, durch ein Polizei-Revier laufen und mich wundern, dass der ein oder andere Beamte auf mein Kokettieren entsprechend reagiert. Denn das ich eine Waffe halboffen trage, ist doch kein Signal, dass ich mehr mit ihr machen will als sie nur zu tragen.

      „Ein Wegschauen ist doch gerade das Gegenteil von Herrschaft des Geistes, es ist eine Flucht vor der Herausforderung, sich Widerständen zu stellen.“

      Ich weiß ja nicht, wie alt Sie sind, lieber Freund welchen Gottes auch immer – ich bin übrigens 50 doch ich habe die Zeit zwischen 15 und 20, 22 noch nicht vergessen – aber: Warum zeigen viele junge Mädels gern viel von ihren Brüsten und betonen den Po? Das ist kein „Kokettieren“ wie das hier beinahe scheu verharmlosend genannt wird, das ist ein ganz klarer Reiz, der zu sexuellen Vorstellungen führen soll. Anmachen, geil machen, Freundin ausstechen. Warum muss man also immer nur beim Mann ansetzen: der hat das eben zu ertragen, der muss seine sexuellen Vorstellungen eben komplett blocken. Weil die Mädels haben sich ja auch voll im Griff. Die denken mit steifen Brustwarzen unter ihrem angeschwitzten dünnen T-Shirt oder wenn ihre Brüste fast aus dem Ausschnitt verlieren oder eben den Slip vergessen ja auf gar keinen Fall an Sex. Und deshalb fallen die ja auch nicht unter Pater Müllers Therapie-Beuteschema.

      „Das eigentliche Problem wird nicht durch irgendwelche leichtbekleideten Damen verursacht. Das eigentliche Problem liegt ganz woanders.“

      Wo liegt es?

      Wir leben in einer komplett durchsexualisierten Gesellschaft. Sex steht – so könnte man den Eindruck gewinnen – auf einer Stufe mit der Nahrungsaufnahme, mit Schulbildung oder Erwerbstätigkeit.
      Pille, Abtreibung, Homosexualität, Ehe für alle, Aufklärung ab der Kita, in Krimis oder Rosamunde-Pilcher-Filmen sind nahezu immer auch Bettszenen zu sehen, Seitensprünge werden zur Normalität. Im Internet Porno auf allen Kanälen, Sex-Chats so viele und in welch abartigsten Spielarten auch immer man sie sich „wünscht“.

      SOLLTEN DA NICHT WIR ALS CHRISTEN UNS AUSKLINKEN UND ZEICHEN SETZEN? ZEICHEN, DIE AUCH IN DER KLEIDUNG BESTEHEN KÖNNEN, IN UNSEREM REDEN ÜBER SEX, VOR ALLEM ABER IN UNSERER LEBENSFÜHRUNG UND IN UNSERER VORBILDLICHKEIT GEGENÜBER UNSEREN KINDERN?

      Müller beklagt – so will es mir scheinen – dass wir Christen teilweise aus dem hedonistischen System aussteigen wollen. Er möchte die christliche Sexualmoral wegtherapieren.

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    2. Sklave Gottes

      Mein lieber Freund Gottes. Ich kann Michael van Laack eigentlich nur zustimmen.
      Ein kleiner Hinweis vielleicht aus der heiligen Schrift, Matth. 5,27 ff.:
      Es gibt einen guten Beichtspiegel von Pater Ramm von der Petrusbruderschaft im Internet. Einfach in Google suchen. Und dann schauen Sie mal beim sechsten/neunten Gebot.
      Es gibt ja Menschen, die sind asexuell und ihnen bereitet das keine Schwierigkeiten. Ob Sie dazugehören weiß ich nicht. Sie müssen darauf auch nicht antworten, mich interessiert es nicht. Aber die meisten Menschen haben damit zu kämpfen. Es ist eine Folge der Erbsünde. Sie wollen hoffentlich ihre Folgen nicht leugnen. Sie sollten vielleicht nochmals zur Sicherheit einen Blick in die Dekrete des Konzils von Trient blicken, genauer in der 5. Artikel des Dekrets Ut fides nostra catholica (kann man bei kathpedia lesen).

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    3. Freund Gottes

      Die trastischen Beispiele des Herrn Laack („Spalte“, „Brustwarzen“ etc.) lassen im wahrsten Sinne des Wortes tief blicken. – Wer daran denkt, wenn vom Beispiel eines Schulmädchens die Rede ist, dem ist jegliche geistige Zuchtkraft abzusprechen.

      Im Alltag sieht man vielleicht mal eine enge Jeans, einen tiefen Ausschnitt oder so was.That´s it, das gehört zum Erwachsensein dazu, damit umgehen zu können.

      Alles, was ich als Mann zu tun habe, ist, mich selbst „ins reine“ zu bringen. Die Domäne der Frauen, was sie tun und lassen oder was sie anziehen oder nicht anziehen hat mich nicht zu interessieren.

      Männer, die sich erst nicht beherrschen können und anschließend alles auf die Frau schieben, können wahrscheinlich auch bei „Mensch ärger dich nicht“ nicht verlieren!

      Ich wohne in einer Großstadt, und das Herausforderndste, was man sieht, sind vielleicht mal samstagabends ein paar Girlies, die im Minirock zur Disko gehen. Mein Reagieren darauf ist das folgende:

      Entweder dem Mädel wäre nach dem Motto „si tacuisses“ zu wünschen, sie hätte dem U-Bahn-Publikum so manches erspart, da nicht repräsentabel – in diesem Falle kommt eher Mitleid statt Geilheit auf.

      Oder aber da hat eine nach dem Motto „Die Beine von Dolores“ wirklich schöne lange Beine – dann ist das für mich ein Beispiel von Ästhetik und ich danke Gott dafür, dass er so schöne Geschöpfe geschaffen hat.

      Getreu dem Motto:

      Frauen sind wie Alkohol: es geht um den richtigen Umgang mit diesem Geschenk der Schöpfung!

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    4. Geistige Zuchtkraft….
      Mein lieber Freund welchen Gottes auch immer: Diesen Begriff werde ich nicht ausführlich kommentieren, weil ich um die Affinität des ein oder anderen hier zum esoterischen Hitlerismus weiß und mir keinen Platzverweis vom Laufsteg der katholischen Eitelkeiten abholen möchte. Waren Sie eigentlich schon mal auf Vogelsang oder Altkettenhof? Echt schön dort! Vor allem, weil die Mauern jenen historischen Zuchtkraft-Geist atmen, der Ihnen deutlich genehmer sein dürfte als jene Ausdünstungen, die vom Nährboden meines Unvermögens, lebenswirklich deutsch-katholisch zu denken, aufsteigen und übel nach geistiger Zuchtschwäche riechen.

      Und alles andere mag ich nicht kommentieren, weil Sie – obwohl tatsächlich oder auch nur vorgeblich (warum sollten Ihre Informationen der Wahrheit entsprechen, wo doch auch Sie zu den Millionen Feiglingen gehören, die unter einer Nickname-Maske auf andere eindreschen) – in einer Großstadt lebend, den durchsexualisierten Puls unserer Gesellschaft nicht fühlen zu können behaupten.
      Als Theologe und Erziehungswissenschaftler setze ich mich nur mit Argumenten auseinander, die sich an verifizierbaren Lagen orientieren und nicht an der „Ich mach mir die Welt, widde widde, wie sie mir gefällt-Mentalität“. Diese Mentalität sollten wir als römische Katholiken definitiv jenen überlassen, die der Unwort des Jahres 2015-Gruppe zuzurechnen sind.

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    5. Freund Gottes

      Erziehungswissenschaftler, im Ernst?

      Dürfte ich da mal die Zeugnisse sehen? Ich habe gehört, die sollen besonders echt sein.

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    6. Gern, besuchen Sie mich doch einfach mal – Dann weiß ich wenigstens auch, welches Gesicht sich hinter dem geistig zuchtkräftigen Bullen und Freund eines offensichtlich anderen Gottes als jenem der Christen verbirgt.
      Aber ich möchte von Ihnen selbstverständlich auch nicht zu viel erwarten. Denn Sie klingen wie der Klon eines ostdeutschen Rechtsgelehrten, den ich mal kennenlernen durfte: Kalt, diskreditierend, auf moralische Fragen den Alleinvertretungsanspruch erhebend und nahezu alles menschenmögliche theologische, philosophische und politische Wissen in sich zu vereinigen glaubend. Dazu noch ein wenig zynisch, hin und wieder dem rechten Milieu Begrifflichkeiten entlehnend und sein Fähnchen überall dorthin hängend, wo die Kasse stimmt und das meiste Schulterklopfen zu erwarten ist. Profilneurotisch eben, aber hoch intelligent und deshalb sehr gefährlich.
      Nun, damit mag man in dieser Welt Erfolg haben, vielleicht sogar großen Erfolg… abgerechnet wird aber am Ende nicht auf Facebook oder in irgendwelchen Blogs. Auch wird der liebe Gott nicht fragen: Welche Anzüge hast Du getragen, welchen Cognac konsumiert, wo hast Du gegolft, war Dein Sexleben erfüllt und wen hast Du öffentlich oder leise schadenfroh verächtlich gemacht.
      Respice, lector, in nihil ab nihilo quam cito recidimos.

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  2. Freund Gottes

    Texte französsicher Theologen vom Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts sind oftmals post-jansenistisch verseucht.

    Frankreich taugte nie sonderlich als Güteklasse römischen Geistes: seien es die Zeit der Revolution, der Gallikanismus, die Albigenser oder eben die Jansenisten.

    Die Losschälung von weltlichen Dingen ist eine persönliche Angelegenheit, die nicht zur Schau gestellt werden will. Was also derlei „Erbauungs“literatur bringen soll, wird der Weltenrichter jenen Verfasser bereits selbst gefragt haben – denn wieweit ein Christ sich selbst abtöten soll regeln die Fastenvorschriften der Kirche bereits. Wo wohl so ein Wettkampf endet, wer sich am meisten und noch mehr abtötet/geißelt etc.? So eine Art „Takeshi´s Caslte“ für Masochisten! Da frage ich mich schon nach den psychologischen Beweggründen für ausgerechnet diese Vorliebe unter der Vielzahl christlicher Literatur und christlicher Frömmigkeitsübungen…

    Ich stelle mir gerade vor, wie Christus in einem solchen Abtötungs-Buch weggekommen wäre, über den seitens der Pharisäer geschumpfen wurde, er sei ein Fresser und Säufer, der mit Dirnen und Zöllnern verkehre… oder das biblische Hohelied mit seiner eindeutigen Bejahung von ausschweifender Sinnlichkeit?

    Zum Glück hat das Christentum seine kulturellen Wurzeln im lebensbejahenden Orient und nicht in Wittenberg (Luther), Zürich (Zwingli), Genf (Calvin) oder Leerdam (Jansen).

    Wer besonders martialische Ausdrücke gebraucht, um sich als besonders gottesfürchtig herauszustellen, der tut mir leid bzw. ist ganz sicher in einem nicht abgetötet: in der Ruhmsucht. Denn es ist eine Binsenweisheit, dass auch versucht werden kann, durch besondere Frömmigkeit anzugeben:

    seien es irgendwelche alten Betweiber, die jedem erzählen, wie viel sie heute wieder gebetet haben, seien es die Triebgestörten, die sich an Sünden anderer aufgeilen, indem sie sie dauernd kolportieren.

    Das erinnert mich an die gute alte, humorvolle Redewendung „in der Demut macht uns keiner was vor!“

    Ich denke einstweilen, ein gescheiter kunstsinniger Kirchenfürst wie Agostino Steffani hat der katholischen Kultur wesentlich mehr gebracht, denn das Schöne, Sanfte und Angenehme rührt immer tiefer und wirkt länger als Masochismus.

    Das Leben des Christen sei ein Hochamt und keine stille Messe!

    (Man stelle sich mal einen Christen vor, dessen Lieblings“feste“ Aschermittwoch und Karfreitag sind)

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    1. Sklave Gottes

      Sie haben was falsch verstanden. Abtöten ist kein Selbstzweck. Nur zur Ehre Gottes sollte man dies tun. Alles andere wäre Gott nicht wohlgefällig.
      Der heilige Bernhard von Clairvaux (12.Jh, da gab es noch keine Jansenisten) war ein großer Freund von Abtötung. Und ja die Kirche macht schon gute Vorgaben diesbezüglich, wie beispielsweise die Fastenzeit (40 Tage), alle Freitage (52 Tage) des Jahres (falls diese nicht hohe Feiertage sind), Quatember (12 Tage) und Vigilien (5 Tage). Also 109 Tage.
      Das ist fast 1/3 des Jahres. Zählt man noch die ursprünglich 40 Fasttage vor Weihnachten hinzu, so kommt man auf 149 Tage. 40% des Jahres musste gefasten werden. Die Kirche misst der Abtötung also schon eine hohe Bedeutung zu. Zusätzlich darf man auch freiwillige Werke der Abtötung tun. Das ist nicht verwerflich. Natürlich nicht übertrieben exzessiv und masochistisch, wie Sie hier mehr oder minder unterschwellig sagen wollen.
      Auch jemand der sich abtötet kann Feste feiern: Genussvoll einen Braten essen, Wein trinken, (und wie die Hochzeit zu Kanaan zeigt, auch nachschenken), oder auch Barockmusik anhören.

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    2. Nepomuk

      Was hier insbesondere die Freitage betrifft, so nannte schon Msgr. Knox die entsprechende Praxis „a mere gesture as it were“…

      Wenn die Katholiken fasten, dann kommen nicht selten so nette Dinge wie der Steckerlfisch, der festliche Karpfen als (allerdings einzige) Mahlzeit an der früher ja recht strengen Vigil von Weihnachten, der Kaiserschmarrn (mancherorts das traditionelle Freitagsessen), der Stollen, der Lebkuchen (beides adventliche Fastenspeisen), die Breze (daher die Kreuzform), die Tempura der katholischen Japaner (von quattuor tempora), angeblich sogar die heute dann gerne so verpönte Schokolade dabei heraus…

      Ach ja: und die allerstrengsten Orden, die das ganze wirklich streng nehmen und dann fast überhaupt nichts essen? Sagen wir die Minimiten des hl. Franz von Paola?

      Die trinken, um sich bei Kräften zu halten, Bockbier.

      🙂

      „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht.“

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    1. Sklave Gottes

      Freilich nicht die psychische Störungen. Ich spreche von dem Kampf gegen die Bösen Neigungen. Darunter fällt auch das Wegsehen des Schülers, als seine Mitschülerin mit ihren Reizen kokettierte (tiefer Ausschnitt vielleicht, ich weiß es nicht). Mit solchen Anblicken wird die Phantasie angeregt, und das unkeusche Bild bleibt im Gedächtnis zurück.
      Pater Müller nimmt Einzelfälle aus seiner Praxis, und verallgemeinert diese. Und schwupps sind Katholiken, die sich um ein frommes und reines Leben bemühen krankhafte Neurotiker. Bravo gemacht!
      Ich will das jetzt nicht unbedingt vergleichen, aber ein Alfred Kinsey hat auch Sexualstraftäter für seine Studien befragt. Eine gewisse Parallele lässt sich dennoch nicht leugnen.

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    2. der Hofrat

      Es geht um die Motivation dahinter ein wirklich frommer Katholik fällt mit seinen Frrömmigkeitsübungen nicht auf was ich zu sehen bekomme tragen sie ihre fromme haltung nur so vor sich her das ist immer neurotisch

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    3. Sklave Gottes

      Alles falsch Herr Hofrat (Geiger? 😉 )
      Ich spreche nicht von mir sondern nur allgemein. Und außerdem schreibe ich doch gar nicht mit meinem richtigen Namen. Und die Kirche empfiehlt sogar äußere Frömmigkeitsübungen, sicher nicht um des eigenen Lobes willen, sondern um ein gutes Beispiel zu geben, und zur Erbauung des Nächsten. Fronleichnamsprozessionen mögen sie dann wohl auch nicht so besonders, oder?
      Bis jetzt weiß ich nur vom Protestantismus, dass er äußere Übungen ablehnt, und strikt ganz privat (Religion ist ja Privatsache, gell) im stillen Kämmerlein bleibt.

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    4. der Hofrat

      natürlich habe ich nichts gegen die Sakramentsprozession auch nicht wenn jemand öffentliche frömmigkeitsübungen macht, ich habe nur etwas dagegen wenn er damit andere Leute belästigt es geht schlicht niemand etwas an ob ich in der Kirche kurze Ärmel trage oder nicht ein Laie hat da absolut nichts zu sagen
      einen Sonntag nach dem Vorfall war ich dann demonstrativ in ordentlichen kurzen Hosen dort

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    5. Freund Gottes

      Sklave Calvins, das sind Sie:

      „Der zwanghafte Mensch will sich absichern und schützen. Deshalb hält er auch so starrsinnig an Prinzipien und Formeln fest; nichts wäre schlimmer als eine Wandlung der eigenen Persönlichkeit. Ihm ist ein magisches Denken zu eigen: Die Absicherung durch Regeln, Gebote und althergebrachtes Ordnungsdenken hilft ihm Ängste zu binden.“

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    6. Sklave Calvins

      Sehr geehrter Herr Hofrat, mich stört es nicht, wenn sie im Kurzarmhemd der Messe beiwohnen. Solange Sie nicht im Fußballtrikot, oder einem Faschingskostüm kommen, um die ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ist mir das egal.

      Und dann möchte ich noch beim Freund Gottes bedanken, für diese professionelle Ferndiagnose. Sie könnten eigentlich gleich bei AstroTV anfangen, so seriös wie Sie sind. Hätten Sie auch einen Therapievorschlag für mich. Ich weiß mir nicht zu helfen. Dieses zwanghafte festhalten an Moralprinzipien, das ist so anstrengend. Wie schaffen Sie es denn da mit so einer Leichtigkeit an die Sache ranzugehen. Wie gehen Sie denn mit Versuchungen um. Vielleicht kann ich von ihnen lernen?
      In diesem Sinne:

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  3. Nepomuk

    Was die Mantilla betrifft: auch wenn es stimmt, daß diese alte Tradition schon vor dem CIC von 1983 in weiten Regionen der Welt nicht mehr verpflichtend war (und sicher danach), so kann doch an dem Vorsatz einer Frau, die Anweisung des hl. Apostels Paulus buchstäblich einhalten zu wollen, wenig auszusetzen sein – zumal wenn es klasse aussieht.

    Ob das nun die Mantilla ist, der gewöhnliche Hut oder das Pfadfinderbarett.

    Was das Fräulein Rottenmeier betrifft: Heidi ist ein bißchen her bei mir, aber passend scheint mir auch die Figur Ursula Attenberger:

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  4. Nepomuk

    Gut, von mir ist ein längerer Kommentar gerade in die Binsen gegangen. Mist. Einstweilen nur so viel (vielleicht besser weil kürzer):

    1. Ich kann den Widerspruch nachvollziehen.

    2. Daß ein Bub nicht nur wegschaut, sondern hysterisch bedingt erblindet, kommt nicht regelmäßig vor. Ein klinischer Psychologe ist wohl naturgemäß ein wenig von den Fällen in seiner Praxis geprägt, das sind aber die Kranken ergo Ausnahmen, nicht die Gesunden.)

    3.

    (Hier übrigens ein Grund für Herrn von Laack, warum ich nicht unter Klarnamen schreibe – unter Klarnamen würde ich das Folgende *nie* zugeben:)

    Von den vier Gruppen falle ich unter zwei bis drei (außer die wegen mangelnder Triebbeherrschung Depressiven – zur Niedergeschlagenheit führt bei mir nicht das Beichtbare, sondern gerade das Nichtbeichtbare; auch bin ich nicht zwanghaft, aber bürokratisch). Wenn man mir eine Sünde vorgeworfen hätte, hätte ich vielleicht noch pflichtmäßig sagen können und müssen: ich ändere das. Wenn es meine psychische Befindlichkeit ist, kann ich nur sagen: sorry, ich bin halt so.

    Zumal ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen kann, wie man als Katholik *nicht* Fanatiker im hier beschriebenen Sinn sein kann (also felsenfest von der eigenen Religion überzeugt), und wieviele außer den heiligsten Leuten *nicht* Hysteriker (also Angst vor Geborgenheitsverlust habend) sind. Gewiß, ich bin die Art Fanatiker, der z. B. zufällig weiß, daß der Rock nicht unter Sünde verboten ist – unter die Definition falle ich aber trotzdem. Gewiß ich bin nicht zwanghaft; das beschreibende Merkmal „bürokratisch“ trifft aber zu und ich würde es sogar jederzeit als sympathischen Zug des Katholiken beschreiben: bei uns wohnt Gott eben wirklich, also werden wir schon von Natur aus in gewissen Sinn geschäftsmäßig (wenn auch nicht unehrfürchtig) mit Ihm umgehen.

    Und wie Chesterton einmal gesagt hat: „aus Eitelkeit hätte ich weniger Probleme mit dem Namen „Mörder“ als mit dem Namen „homizidaler Wahnsinniger“.

    (Jetzt könnte vielleicht der Herr Pater sagen – ich will mal ein bißchen realistisch sein, auch wenn ich da positiv wegkomme – ich sei ja gar nicht gemeint gewesen.

    Schön und gut. Aber warum formulieren Sie dann Ihre Definitionen so, daß ich darunter falle?

    Wir haben halt alle unsere déformations professionelles.)

    4. Daß die Vollkommenheit die Triebbeherrschung nur einschließt – klar. Deswegen ist aber das nun einmal doch ein Bestandteil, der in der Praxis (!) leider doch hin und wieder auf Triebunterdrückung hinauslaufen wird.

    5. Bei der Geschichte mit dem „ohne Hoffnung auf Lohn“ pp. gibt der Herr Pater, so leid es mir tut, einen klassischen evangelischen/-ikalen Topos wieder, der eine präzise Bedeutung hat, nämlich unsere (und die des hl. Paulus, Eph 6,8) Lehre vom Verdienst anzugreifen. (Die, die sagen sollen, sie seien unnütze Knechte, sind übrigens die, die nicht mehr getan haben als unbedingt notwendig – nicht die, zumindest laut Wortlaut nicht, die mehr getan haben.)

    6. Bei der „Begeisterung“ schrillt die Alarmglocke „Ultrasupernaturalismus“ („Enthusiasmus“ im Sinne von Msgr. Ronald Knox) – wofür dann auch die Praxis einer Traumreise mit „sprechen mit dem Heiland“ spricht. Das muß nicht einmal schlecht sein, so lange man nicht meint, daraus sicheres Glaubenswissen beziehen zu können – kann man nur aus der Offenbarung Gottes, ergangen bis zum Tod des letzten Apostels.

    Was nun die Begeisterung betrifft: Tatsächlich ist der gläubige Christ einer, der, auch wenn er den Heiland ggf. im Nebel nicht an der Spitze des Heeres sieht, weiß, daß er dort marschiert (im Sinne des Liedes von Angelus Silesius). Daß er aber andauernd begeistert ist, ist nicht unbedingt der Fall, und *gerade* bei den Heiligen war es das Berichten zufolge nicht (Trockenheiten pp.). Der Psalmist des Psalmes 73/72 ist nicht unbedingt allzu begeistert. Und das liegt *nicht* nur an den psychologischen Befindlichkeiten, sondern oftmals auch an der Sache selbst; es ist halt nicht alles toll. Vor allem mit einem selber nicht, versteht sich.

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    1. Nepomuk

      Äh übrigens:

      >> daß der Rock nicht unter Sünde verboten ist

      soll natürlich heißen

      >> daß die Hose nicht unter Sünde verboten ist

      Hoffe es bleibt bei Ihrer Zustimmung 🙂

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    2. Selbstverständlich bleibt die Zustimmung erhalten, mein Bestester Nepomucký. Wäre doch zu schade, wenn das Sie vermutlich ebenso sehr irritierende wie misstrauisch machende Lob, welches ich Ihnen in einem Moment vollkommener Geistesfinsternis ausgesprochen habe, an Ihrer Schwäche für Männer in Röcken zerschellen würde. Oder interpretiere ich die Ursache Ihres korrigierten Begriffsfehlers miß. 😉
      So, und jetzt noch einmal ganz in ehrlich: Keiner Ihrer Beiträge hat mir bisher so gut gefallen wie dieser! Machen Sie bitte so weiter. Dann könnten wir vielleicht sogar irgendwann einmal Freunde werden, wenn wir das denn wollen würden!

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  5. Gast auf Erden

    Die Quintessenz (des Katholizismus?):
    Die christlichen Fanatiker.
    Die christlichen Hysteriker.
    Die christlichen Zwanghaften.
    Die christlichen Depressiven.

    Der Ausweg:
    Die völlig unchristlichen Normalen! Der Atheismus muss doch seine guten Seiten haben. Wenn er schon direttissima zur Hölle führt.

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  6. „Mitunter empfehle ich einem Patienten, sein einengendes religiöses Milieu zu verlassen und sich einer heilenden Gemeinschaft anzuschließen, die wie Jesus tut:“ In other words: Sucht Euch eure maßgeschneiderte Wohlfühl-Sekte. Dann klappt das auch wieder mit den Hormonen.
    Oder phantasiert Euch ein psychotherapeutisch begleitetes Gespräch mit unserm Herrn und Gott zusammen, in welchem Euer persönlicher Jesus Euch bestätigt, dass Euer bisheriges religiöses Leben echt Sch.. war.
    Der Seelendoktor als Stimme Gottes: Einst ward Ihr christliche Fanatiker, Hysteriker, Zwanghafte und/oder Depressive. Nun aber sollt Ihr von Eurer Pseudo-Religion lassen. Pflückt Worte der Weisheit und Befreiung von den Lippen Eures neuen Gurus oder Eures krankenkassenfinanzierten? Psychotherapeuten (was in der Person Jörg Müller zu verschmelzen scheint). Er führt Euch aus der Finsternis Eures religiösen Wahns hinein in das strahlende Licht der lebenswirklichen Wahrheit. Er befreit Euch von Euren falschen Gottesbildern und Euren krankhaften Moralvorstellungen, er lehrt Euch leben und schenkt Euch Liebe, er verleiht Euch einen neuen Style, er lässt Euch schon hier auf Erden die Freuden des ewigen Lebens kosten.

    P.S.: Ja, Herr Hofrat, ich weiß: „ad hominem“ und „ad personam“ sind ganz ganz böse Argumentationsstrukturen! Aber wer so aggressiv antichristlich daher kommt wie Müller, hat von einem römischen Katholiken wenig bis keinen Respekt zu erwarten. Wer mit einer Rundum-Keulung so ziemlich alles auf den Boden streckt, was der eigenen liberalen Auffassung von Christsein nicht entspricht, hat keinen Anspruch auf Samthandschuhe und Toleranz.

    Faszinierend: Der Affe Gottes kommt tatsächlich immer wieder als Lichtbringer daher und die Menschen fallen immer wieder auf ihn herein.
    Ihr dürft nicht von diesem Baum essen? Natürlich dürft ihr es! Ihr sollt es sogar tun! Denn das macht euch weiser und freier. Keine Zwänge, befreit Euch. Macht, was ihr wollt, was ihr könnt. Fangt euer (religiöses) Leben noch einmal ganz von vorne an – Es ist immer wieder dasselbe Spiel! Und er findet auch immer wieder offene Ohren 😦

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    1. der Hofrat

      Richtig Herr van Laak es zeigt es mangelt an Argumenten
      ich denke daß der gute Pater in vielem Recht hat
      es kann gerne jeder seine frömmelden Spinnereien ausleben nur soll er nicht erwarten daß andere Gläubige das auch tun ich hab schon einige male Herrschaften sehr scharf zurecht gewiesen die sich über kurze Ärmeln im Sommer bei mir beschweren wollten“ das sei hier nicht üblich“ ich erklärte der Dame sehr schaft daß ich seit 30 Jahren hier bin und das hier leider jetzt puristen wie sie üblich seien und sie soll mich nicht belästigen

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