The Cathwalk – Der katholische Weg

Unser neues Onlinemagazin The Cathwalk stellt sich vor

Vom heiligen Paulus stammt der wunderbare Ausspruch „Alles aber prüfet, das Gute behaltet“ (1. Thess 5,21). In den letzten 2000 Jahren haben viele danach gehandelt und segensreich gewirkt. Eine christliche Kulturgeschichte ist ohne diesen Ausspruch nicht denkbar und dennoch scheint man ihn zugunsten eines unreflektierten Dualismus vergessen zu haben. Die Welt ist böse – Punkt. Das Ergebnis einer solchen einseitigen Perspektive sind Sonntagskatholiken und Kulturpessimisten, die beide an ihrem eigenen Dualismus zu Grunde gehen. Sie haben verlernt den katholischen Glauben als eine alle Lebensbereiche umfassende Realität zu leben und zu denken.

Wir von The Cath(olic)walk wollen diesen Tendenzen entgegentreten und solche eindimensionalen Perspektiven durch die Katholische zu ersetzen. Wir gehen den katholischen Weg. Themengrenzen kennen wir nicht; katholisch heißt schließlich allumfassend. Wir prüfen alles und behalten das Gute. Papstenzyklika, moderne Architektur, Fashion Week – wir schreiben ab den 1. Oktober zweimal wöchentlich darüber und freuen uns Sie als Leser bei uns begrüßen zu können.

“Pater Pfluger on air” oder die Vorgeschichte eines legendären Interviews

Im Frühjahr 2014 hielt Pater Niklaus Pfluger einen Vortrag im Priorat Wien über die Aufgabe der FSSPX in der Kirchenkrise. Dieser Vortrag fand in einem Teil der damaligen DGW-Redaktion sehr großen Anklang.

“Häsch Ziit, Matthias?”, so der Erste Assistent des Generaloberen im Jahr 2014, als sich der DGW-Chefredakteur auf Heimaturlaub im Kanton Zug befand und der Hl. Messe im Generalhaus in Menzingen beiwohnte. Einen so hohen Herrn auf Kaffee und Kuchen einzuladen, das war für Schäppi eins.

Doch über was mit einem so hochgestellten Herrn reden? Übers Wetter, den Zustand der SVP oder über Bischof Fellays fußballerische Zeit beim Schweizer Zweitligisten FC Sion? Am hauseigenen Swimmingpool Cocktails schlürfen oder gemeinsam “Emil im Zug” auf Youtube anschauen?

Als der Cheferedakteur diese Sorge mit einem Teil der Redaktion am Telefon erörterte, kam die Idee auf, die Inhalte des Wiener Vortrags auch in einem DGW-Interview unserem Leserkreis zu erschließen.

Der Rest ist Geschichte.

Wir präsentieren unseren verehrten Lesern heute den genannten Vortrag im Original und in voller Länge.

Formulieren wir es so: den desavouierenden Stalin-Orgeln des Widerstands folgt nun die pflugersche Tsar-Bomb. Wir empfehlen unseren Lesern, sich diesen Vortrag einmal im Familienkreis bei einem schönen Gläschen Wein zu Gemüte zu führen. Dadurch wird auch in dem am hartnäckigsten durch das Widerstands-Trommelfeuer verwirrten Geist wieder die angenehme Ruhe des Heiligen Geistes einkehren:

Franzikus Laudato Si’ – eine Perle in der aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte

978-3-451-35000-9_PF01_U.inddvon Deborah Görl

Seit Monaten wird Papst Franziskus neue Enzyklika Laudato Si’- Über die Sorge für das gemeinsame Haus von bestimmten Kreisen kritisiert. Die Kritik setzte sogar schon an, lange bevor das Dokument überhaupt erschienen war. Man möchte meinen aus einen prinzipiellen anti-römischen Affekt heraus. Manche Leute gehen morgens laufen andere sehen anscheinend Papst-Bashing als ihren Sport an…

Nun, wo man die Enzyklika tatsächlich vorliegen hat, zerpflückt man sie, wie man nur kann: Es werden einzelne „kritische“ Passagen isoliert zitiert, um damit die Schlechtigkeit der ganzen Enzyklika zu beweisen. Diese isolierte Zitation legt nahe, dass man das Dokument überhaupt nicht vollständig gelesen hat, geschweige denn es studiert und in den aktuellen Kontext eingeordnet hat, was für ein richtiges Verständnis essentiell ist. Das ist aber das Mindeste, was man tun sollte, wenn man derartige Kritik an einem lehramtlichen Schreiben des Vicarius Christi übt.

Denn hätte man sich sowohl mit der neuen Enzyklika als auch mit dem konkreten Kontext und der globalen Lage auseinandergesetzt, wäre man zu anderen Schlüssen gelangt.

Wir sind mit einer hochkomplexen und vernetzten sozio-ökologischen Weltkrise konfrontiert.

Zu dieser Krise gibt es eine aktuelle politische und auch philosophische Debatte zur Nachhaltigkeit und zum Klima, die fast ausschließliche von säkularen Überlegungen geprägt ist.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten wie man mit dieser Situation umgehen kann: Man kann diese Debatte ignorieren und stattdessen Verschwörungstheorien entwerfen oder man bringt sich konstruktiv mit einer christlichen Perspektive ein. Papst Franziskus hat sich für letzteres entschieden und damit einen naturwissenschaftlich geprägten Bereich, aus dem sich Kirche in den letzten Jahrhunderten weitgehend verdrängen hat lassen, wieder für das Christentum erschlossen. Continue reading “Franzikus Laudato Si’ – eine Perle in der aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte”

Tipp an unsere Leser: Présent-Interview mit Bischof Fellay auf Deutsch

Bishop Bernard Fellay, greets followers of the schismatic Lefebvrian Church during a procession under the trees of a dusty hilltop in Rome in this Aug. 9, 2000  photo. Monsignor Bernard Fellay, secretary general of the Society of St. Pius X, the ultraconservative movement founded by the excommunicated Archbishop Marcel Lefebvre, met with Pope Benedict XVI, Monday, Aug. 29, 2005. Lefebvre founded the Switzerland-based society in 1969, which opposed the liberalizing reforms of the 1962-65 Second Vatican Council, particularly its call for Mass to be celebrated in local languages and not the traditional Latin. He was excommunicated in 1988 after consecrating four bishops without Rome's consent. All four bishops, including Fellay, were also excommunicated. (AP Photo/Claudia Gazzini)
(AP Photo/Claudia Gazzini)

Aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen auf das DGW-Interview mit Pater Niklaus Pfluger (DGW 4/2014) haben wir einen besonderen Tipp an unsere Leser: Auch der Generalobere der Piusbruderschaft, S.Ex. Weihbischof Bernard Fellay, hat nun ein sehr gehaltvolles und visionäres Interview gegeben.

Aus den Antworten der Interviewfragen, die ihm von der Französichen Zeitung “Présent” gestellt wurden, spricht gleichsam die universalkirchliche Stimme Erzbischof Lefebvres. Genau wie der Gründer der Piusbruderschaft gelingt es ihm nämlich, einen realistischen Sinn für die Realitäten der römischen Kurie zu wahren und eine bedachte Diplomatie der “Eisenfaust in Glaceehandschuhen” zu betreiben.

Vor allem scheint bei den Aussagen Bischof Fellays die christliche Zuversicht auf eine Erneuerung von Kirche und Gesellschaft in kirchlichem Geist durch. Deshalb zeigt er an, dass das Bild eines verbitterten Traditionalisten auf ihn nicht zutrifft:

Frage: „Pessimistisch“, „anderen gegenüber verschlossen“, „die meinen, nur die Gläubigen der Priesterbruderschaft würden gerettet“: manchmal wird so über Sie geredet.Was antworten Sie darauf? Was ist für Sie der missionarische Geist?

“Msgr. Fellay: In alledem erkenne ich mich überhaupt nicht wieder. Sicher ist eine Festigkeit in der Lehre notwendig, denn über den Glauben gibt es nichts zu verhandeln. Der Glaube ist ein Ganzes, das der liebe Gott schenkt, und man hat nicht das Recht, zwischen den geoffenbarten Wahrheiten eine Auswahl zu treffen. Das kommt heute nicht gut an, wenn man an diese Anforderungen erinnert, was übrigens mehr oder weniger immer der Fall war. Der Ausdruck ‘Glaubenskampf’ ist ein Teil der Geschichte der Kirche. Der Missionar muß diese Stimme des Glaubens unbedingt nach außen hörbar machen, und zugleich muß er die stärken, welche diesen Glauben bereits haben. Das Licht der Fackel erleuchtet die Welt, das Licht des Glaubens strahlt warm. Der Glaube muß von der Liebe getragen sein: so sehe ich den Missionar.”

Wer aber getrieben von der Hoffnung und Liebe agiert, muss den defätistischen Kräften innerhalb der Piusbruderschaft klar zeigen, dass deren geistliche Heimat in Jansenismus und Sektierertum zu finden ist, sie aber gleichsam als Gift aus unseren Reihen ausgeschieden werden müssen:

“Nehmen Sie zum Beispiel diese Karikatur der Tradition, die sich ‘Widerstand’ nennen läßt: es handelt sich da um einen nicht katholischen Geist, einen quasi sektiererischen Geist, den wir nicht wollen, um eine Bewegung, die sich auf sich selbst zurückzieht, mit Leuten, die denken, daß sie allein die Guten, die einzig Gerechten auf der Erde sind: das ist nicht katholisch.

Es handelt sich um eine objektive, aber auch relative Gefahr. Der größte Teil der Priesterbruderschaft ist gesund und will nicht in solche Illusionen verfallen. Wir werden so dazu gebracht, uns auf die übernatürlichen Mittel zu stützen. Das, was der liebe Gott von uns will, das wird er uns zeigen, er wird durch die Gegebenheiten, durch die Umstände reden.

Bischof Fellay liegt ferner jeder engherzige Rubrizismus fern. Deshalb begrüßt er auch die Idee Kardinal Sarahs, das traditionelle Offertorium in die neue Messe einzufügen:

“Ich bin sehr froh, daß sie wieder aufgenommen wird. Einige kritisieren diesen Schritt und sagen, daß so das Heilige mit dem Profanen vermischt würde. Im Gegenteil, im Sinne einer Gesundung der Kirche denke ich, daß das einen sehr großen Fortschritt darstellen würde, denn das Offertorium ist eine Zusammenfassung der katholischen Prinzipien der Messe, des der Allerheiligsten Dreifaltigkeit dargebrachten Sühneopfers, das vom Priester in Anwesenheit und Begleitung der Gläubigen an Gott gerichtet wird zur Wiedergutmachung der Sünden. Und das würde dann stufenweise die Gläubigen zur traditionellen Messe führen, die sie verloren haben.

Von der Tranquillitas Ordinis der inneren Haltung des Generaloberen der Piusbruderschaft zeugt auch dessen Schlusswort im Interview:

Ich rufe auf zum Gebet, und ich möchte mit einem Blick auf den lieben Gott enden, was uns nämlich erlaubt, immer die Hoffnung zu bewahren.

Wir rufen unsere Leser auf, als besonderen Dank- und Gunsterweis für den unerschrockenen und weitsichtigen Generaloberen der Piusbruderschaft im Monat Juli jeden Tag eine Heilig-Blut-Litanei zu beten in dem Anliegen, dass er auch weiterhin die Standesgnade erhalten möge, sein Amt sicher und segensvoll auszuführen!

Das angesprochene Interview findet sich in einer deutschen Übersetzung hier:
http://www.fsspx.de/de/%E2%80%9Eam-vorabend-schwerwiegender-ereignisse%E2%80%9C

Pélerinage de Chartres – Eindrücke der großen Chartres-Paris Wallfahrt 2015

Die Chartres-Wallfahrt liegt nun schon wieder einige Tage hinter uns, aber ich denke sie hat tiefe bleibende Eindrücke bei den meisten hinterlassen. Das Erlebnis dieses geistlichen Abenteuers ist tief und nachhaltig. Es festigt und vertieft den Glauben und die Begeisterung dafür und es festigt auch die Freundschaften der teilnehmenden Gläubigen untereinander. Genießen Sie die folgenden Eindrücke und ich hoffe, auch Sie sind nächstes Jahr mit von der Partie!

2 min-Zeitraffer-Video des gesamten Pilgerzuges :

Hier 3 Rückmeldungen von der KJB:

Ein KJB’ler aus Memmingen schreibt ganz typisch für einen Mann kurz, knapp und prägnant:

Fazit in drei Worten?
erhebend
anstrengend
Wiederholungsbedarf! ;)

Ein KJB’ler aus Mainfranken

Angesichts der aktuellen Lage in Europa und der Kirche könnte man fast verzweifeln. Aber immer wieder keimt neue Hoffnung auf, wenn ich auf der Wallfahrt die vielen jungen Menschen und die vielen Fahnen mit dem Herzen Jesu sehe. Hier sieht man die Zukunft.

Eine KJB’lerin aus Baden-Württemberg:

Das 12. Mal Chartres und wie immer: anstrengend und wundervoll!

Unvergesslich der Einzug auf dem Messplatz am Pfingstsonntag unter dem begeisterten Jubel und Applaus der anderen Pilger und vor allem unserer Freunde und Geschwister im Kinderchapitre. In einem Augenblick waren die ganzen Strapazen des Weges vergessen, auch der letzten Etappe, die sich endlos hinzuziehen schien, und man wusste: Es hat sich gelohnt.

Auf einmal wurde mir klar: So wird es auch bei unserem Tod einmal sein, wenn uns die Engel und Heiligen und unsere Freunde und Verwandten, die schon auf uns warten, voller Freude mit Jubel empfangen: Ihr habt es geschafft! Ihr habt den guten Kampf gekämpft, den Sieg errungen, das Ziel erreicht. Dann werden wir wie in Chartres nicht die Opfer bereuen, die wir auf dem Weg auf uns genommen haben, sondern die, welche wir nur halbherzig oder gar nicht gebracht haben…

Die Tradition hat also eine junge Zukunft, auch in Deutschland, sehr schön! :-))

Distributismus – Die katholische Alternative zu Kapitalismus und Sozialismus

von Simon Bannwart

G. K. Chesterton
„Das Problem mit dem Kapitalismus ist, dass es nicht genügend Kapitalisten gibt.“ – G. K. Chesterton

Papst Franziskus wird von den Medien zum Papst der Armen hochgejubelt. Im November 2013 veröffentlichte er seine Antrittsenzyklika Evangelii gaudium, welche weitgehend von seinem Vorgänger Benedikt XIV. vorbereitet wurde. Während der Schwerpunkt auf der Neuevangelisierung liegt, wird im 2. Kapitel die Wirtschaft, Vergötterung und Regierung des Geldes sowie die soziale Ungleichheit angeprangert. Die Kritik an der gängigen Wirtschaftsordnung hat eine lange Tradition. Vor dem Hintergrund der katholischen Soziallehre haben katholische Denker bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Antwort auf die Ungerechtigkeiten das eher unbekannte Konzept des Distributismus entwickelt.

1891 begründete Papst Leo XIII. in der Enzyklika Rerum Novarum, auch bekannt als „Mutter aller Sozialenzykliken“, die katholische Soziallehre. Der Papst beschreibt die Ausgangslage im Allgemeinen so: das Kapital ist in den Händen einer geringen Zahl angehäuft, während die große Menge verarmt; die einstigen Genossenschaften der arbeitenden Klassen wurden durch die Umwälzung im Rahmen der Industrialisierung zerstört; Sozialisten stacheln die Arbeiter gegen die Reichen auf, indem sie das Recht zum Besitz privaten Eigentums in Frage stellen.

Papst Leo XIII. ist der Ansicht, dass der Mensch sich die durch körperlichen Fleiß und geistige Sorge bearbeitete Natur gerechterweise als Eigentum anschafft. Dieses Eigentum ist dazu notwendig, dass der Familienvater den Lebensunterhalt für seine Kinder sicherstellen kann – wie es dem Gesetz der Natur entspricht. Die Ausbeutung Notleidender und das Vorenthalten eines gerechten Lohnes verurteilt die Enzyklika als eine himmelschreiende Sünde (vgl. Jak 5,4). Ungleichheiten seien aufgrund der Ungleichheit in den Anlagen, im Fleiß, der Gesundheit und der Kräfte unumgänglich und treiben den Menschen an, eine Leistung zu erbringen. Da der Reichtum dem Seelenheil jedoch tendenziell schadet, (vgl. Mt 19,23 f.) verpflichtet die Kirche den Reichen zur Wohltätigkeit und Almosen, also dem gerechten Gebrauch des Besitzes. Die Aufgabe des Staates ist, es dem Arbeitenden zu ermöglichen, durch Sparsamkeit seinen Besitz zu vermehren. Papst Leos Sicht des Staates als Rechts- und Wohlfahrtsstaat widerspricht der liberalistischen Auffassung, welche im Staat nur den Wächter der Rechtsordnung erblicken will. Wenn es den niederen Klassen gelänge, kleinen Grundbesitz zu erwerben und selbst zu bewirtschaften, würden die Gegensätze von äußerster Armut und aufgehäuftem Reichtum mehr und mehr verschwinden. Das Rundschreiben schließt mit dem Aufruf an Arbeitgeber und -nehmer, gemeinsam bei Maßnahmen und Einrichtungen mitzuwirken, um als Mitglied derselben den Notstand zu lindern und die Klassen innerhalb der Gesellschaft einander näherzubringen. Continue reading “Distributismus – Die katholische Alternative zu Kapitalismus und Sozialismus”

Der Nonkonformist, der Katholik ist – eine Reportage

Fürstin Mariae Gloria von Thurn und Taxis  Wilhelm Imkamp  Pressekonferenz  Buchvorstellung Wilhelm Imkamp  Sei kein Spiesser sei Katholisch  Haus der Bundespressekonferenz  27.06.2013 Berlin
Fürstin Mariae Gloria von Thurn und Taxis & Prälat Dr. Wilhelm Imkamp
Pressekonferenz Buchvorstellung “Sei kein Spiesser sei Katholisch”

von Deborah Görl, München

Die Betrachtung der katholischen Kirche in Deutschland deprimiert. Fast täglich liest man von Verunstaltungen von Kirchen durch ästhetisch fragwürdige Raumgestaltungskonzepte, die meist sogar die Umbaumaßnahmen im Zuge der Liturgiereform an Geschmacklosigkeit weit übertreffen. Einige Zeilen weiter wird vom Abriss einer Kirche mangels Gläubigen berichtet. An anderer Stelle glänzen kirchliche Würdenträger durch Aussagen, die – euphemistisch ausgedrückt – selbst eine Herausforderung für die eingefleischtesten Kritiker darstellen. Manchmal versteht man sie auch überhaupt nicht, denn sie klingen zu sehr nach Corporate-Social-Responsibility-Broschüre eines beliebigen Dax-Unternehmens – hohl und leer. Und nicht selten fragt man sich einfach nach den Gründen für die Vielzahl von Hirten, denen ihr Priestertum sichtlich unangenehm ist und die eigentlich lieber politikerartige Wesen oder irgendetwas anderes wie NGO-Pressesprecher wären.

Kircheninternes Abstellgleis

Erfreulicherweise gibt es auch einige Ausnahmen. Eine von ihnen ist Prälat Wilhelm Imkamp, Jahrgang 1951, der Direktor des schwäbischen Wallfahrtsorts Maria Vesperbild.

Man kann mit Recht behaupten, dass es niemandem im deutschsprachigen Raum gibt, der ihm gleichen würde. Der 63-jährige, der schon vor über 25 Jahren durch die Ernennung zum Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, ein Amt, das als kircheninternes Abstellgleis gilt, „unschädlich“ gemacht wurde, ist das, was man von einem katholischen Priester erwartet: katholisch. Bei seinen Fernsehauftritten erscheint stets als Priester gekleidet, er vertritt katholische Positionen ohne sich hinter einem Gerüst aus unverbindlichen und allgemeingültigen Phrasen zu verstecken und seinen Büchern könnte man das Prädikat „orthodox“ verleihen.

An sich sollte dies bekanntlich eine Selbstverständlichkeit sein, aber wir leben in einer Zeit, in der man so etwas explizit betonen muss. Interessanterweise schafft Prälat Imkamp es dabei immer geistreich, originell und – in nicht inflationär gebrauchter Weise – authentisch zu wirken; alles Eigenschaften, die progressive Katholiken vermutlich nur durch ihre Positionen oder durch einen schicken Drewermann-Gedächtnis-Pullover glauben erwerben zu können.

Vor einigen Wochen hatte nun ein halbes Dutzend Münchner KJBler die Gelegenheit Prälat Imkamp bei einer Vorstellung seines 2013 erschienen Buches „Sei kein Spießer, sei katholisch!“ live zu erleben. Die Präsentation fand ironischerweise in den Räumlichkeiten der katholischen Studentenverbindung KDStV Aenania in München statt. Continue reading “Der Nonkonformist, der Katholik ist – eine Reportage”